Die neue Generation der Egoisten

Die neue Generation der Egoisten
Die Jugend von heute interessiert sich für einen sicheren Job und den eigenen Körper. Soziale Not ist vielen egal.

Auf sich fixiert, unpolitisch und ein bisserl ausländerfeindlich. So könnte man die Ergebnisse der Studie „Jugend und Zeitgeist“ des Instituts für Jugendkulturforschung zusammenfassen. Mehr als 400 Jugendliche von 16 bis 19 Jahren wurden in Wien quer durch alle Bildungsschichten befragt, mit teils ernüchternden Ergebnissen. „Die heutige Jugend ist ein Unternehmer ihrer selbst. Wichtigster Anreiz ist das Geld. Wer keines hat, ist nicht Teil der Gesellschaft. Die neoliberale Gehirnwäsche hat voll funktioniert“, erklärt Institutschef Bernhard Heinzlmaier.

Statussymbol Auto

Die neue Generation der Egoisten

Das Geld wird in Handys und Computer investiert, das Auto ist im Gegensatz zum Fahrrad weiter das Statussymbol. Ein Umstand, der vor allem den Grünen zu denken geben sollte, zumal sich nur jeder zwölfte Jugendliche der Öko/Alternativ-Szene zuordnen würde. Auch Politik lockt nur wenige: Statt auf eine Demo gehen die meisten Jugendlichen lieber aus oder ins Fitnesscenter. „Im Fitnesscenter hat jeder, quer durch alle Schichten die Möglichkeit, etwas aus sich zu machen. Ein gestählter Körper signalisiert Stärke im Wettbewerb. Andere werden nicht als Mitmenschen sondern als Mitbewerber angesehen“, erklärt Heinzlmaier.

Auch in der Bildung sehen die Jugendlichen primär eine Möglichkeit zum Aufstieg. Jeder zweite Jugendliche ist etwa der Ansicht, dass man ohne Matura am Arbeitsmarkt nichts wert sei. „Hier blicken die Maturanten auf die Lehrberufe herab“, erklärt Studienleiterin Beate Großegger. „Aber auch das sozialistische Konzept der Gesamtschule hat für viele keinen Reiz.“ Vielmehr gehe es laut Heinzlmaier um den eigenen Aufstieg: „Wir haben hier keine Generation von Sozialromantikern sondern Mitglieder einer Leistungsgesellschaft.“

 

Sicherheit

Es gibt jedoch einen Widerspruch, ist doch 65 Prozent der Jugendlichen ein sicherer Job wichtiger, als Karriere zu machen. Anstatt das Abenteuer im Ausland zu suchen, bleiben viele Junge in Österreich. „Das ist der Angst geschuldet, sozial abzusteigen“, erklärt Großegger. Zugleich wolle man die Armut auch nicht sehen. Mehr als 37 Prozent sagen, die Faulheit und der Mangel an Willenskraft seien schuld an der Armut der Betroffenen. Soziale Ungerechtigkeiten werden immer öfter ausgeblendet. „Es herrscht eine erschreckende Mitleidslosigkeit und Coolness gegenüber sozialem Elend“, konstatiert Heinzlmaier. Auch die Angst vor Zuwanderern ist mit der Furcht vor sozialem Abstieg begründet.

Dass jeder Zehnte sagt, Adolf Hitler habe auch viel Gutes getan, sei erschreckend, aber Tatsache. Vor allem in bildungsfernen Schichten wird die Ausländerfeindlichkeit artikuliert. Heinzlmaier: „Das bedeutet nicht, dass es das nicht auch in den oberen Schichten gibt. Es wird nur nicht so direkt ausgesprochen.“

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