Letztes Update am 30.05.2012, 18:13
Die Affäre um die Stiftung einer alten Dame wird vor Gericht geklärt werden - die Vergleichsgespräche sind gescheitert.
Auf die Frage, wo sie denn politisch stehe, sagt Gertrud Meschar: "Früher hab’ ich gedacht, dass die anständiger sind. Jetzt glaub’ ich gar nix mehr." Mit "die" meint sie die FPÖ. Die 90-Jährige fühlt sich von Martin Graf, dem Dritten Nationalratspräsidenten, betrogen. Seit Oktober liefert sie sich einen Rechtsstreit mit ihm: Er sitzt im Vorstand ihrer Privatstiftung; sie hat seine Absetzung bei Gericht beantragt – bis dato ohne Erfolg.
Ihr Fall war letzte Woche publik geworden – am Mittwoch äußerte sie sich erneut. Brisant ist vor allem, dass ein Gericht sie 2006 vorgeladen hat, um sie über die Tragweite zu belehren – dass sie mit Gründung der Stiftung die Kontrolle über ihr Vermögen verliert. Noch brisanter: Meschar sagt, dass Graf sie wenige Tage davor angerufen habe. Er habe sie dann zum Gericht begleitet und sei mit im Raum gesessen. Eine Belehrung kann viel an Schärfe verlieren, wenn jener Mann dabei ist, der das Vermögen künftig verwalten darf. Noch dazu, wenn der Mann ein Politiker und ein Jurist ist.
Graf sagt, er habe nur " auf ihren persönlichen Wunsch" vom Termin erfahren und sie begleitet. Sie bleibt dabei: Richtig aufgeklärt sei sie nie worden. Man habe ihr Texte vorgelesen und gefragt, ob sie einverstanden sei. Es habe ihr niemand erklärt, dass sie ihr Vermögen ohne Widerrufsrecht abgibt, sagt sie – jedenfalls nicht so, dass eine 84-Jährige ohne juristisches Fachwissen es verstehen kann. Sie wisse auch nichts davon, dass Graf nur anstelle eines anderen eingesprungen sei, der als Vorstand der Stiftung vorgesehen war, sagt Meschar. Der Kern-Vorwurf gegen Graf: Die Stiftung soll Frau Meschar gut versorgen. Sie erhält 1250 Euro Pension pro Monat; die Stiftung soll ihr später die bestmögliche Betreuung garantieren, weil sie Osteoporose hat. Meschars Anwalt Alexander Hofmann sagt, die Stiftung sei nicht liquide genug, um diesen Zweck notfalls zu erfüllen – weil sie Immobiliengeschäfte macht: In Döbling wurde das Lokal gekauft, in dem Grafs Bruder ein Café führt. Meschar wirft Graf vor, seinen Bruder abzusichern – mit ihrem Geld. Graf sagt, die Stiftung sei genau so errichtet worden, "wie es der Auftrag von Frau Meschar war".
Patt
Entschieden wird der Streit von einem Gericht: Die Vergleichsgespräche seien gescheitert, sagt Hofmann. Graf habe vorgeschlagen, dass er im Amt bleibt und die anderen beiden Vorstände ausgetauscht werden. Hofmann: "Das ist inakzeptabel." Graf kommentiert laufende Verhandlungen nicht.
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