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Das syrische Homs wirkt wie eine Geisterstadt.
Das syrische Homs wirkt wie eine Geisterstadt. - Foto: Reuters/YAZAN HOMSY

Letztes Update am 17.01.2013, 18:05

Assad: Giftgas gegen Rebellen. US-Diplomaten in der Türkei informierten Washington über Einsatz von Chemiewaffen. Das Weiße Haus wiegelt vorerst ab.

Chemiewaffen, nie gehört. Das Weiße Haus gab sich am Donnerstag alle Mühe, die Sache rasch und konsequent herunterzuspielen. „Zeitungsberichte, die sich nicht mit unseren Informationen decken“, kommentierte ein Sprecher einen soeben im außenpolitischen Online-Magazin Foreign Policy veröffentlichten Artikel. Darin wird über die Verwendung des Nervengases Agent 15 durch die Truppen von Syriens Diktator Assad berichtet. Der chemische Kampfstoff, der zuerst zu Halluzinationen und schließlich zum Tod durch Ersticken führt, soll kurz vor Weihnachten in der heftig umkämpften Stadt Homs gegen Rebellengruppen eingesetzt worden sein. Zumindest fünf Kämpfer sollen getötet, Dutzende schwer verletzt worden sein.

Außenamt informiert

Das Dementi aus Washington war zwar lautstark, aber trotzdem nicht sonderlich überzeugend. Schließlich kommen die Informationen des hochseriösen Magazins nicht aus irgendeiner anonymen Quelle, sondern direkt aus dem US-Außenamt. Scott Kilner, Konsul in Istanbul, soll Anfang Jänner eine Mitteilung an die Zentrale in Washington geschickt haben, in der er ausführlich über den Chemiewaffen-Einsatz berichtete.


Der Diplomat und seine Mitarbeiter stützen sich dabei auf Gespräche mit Menschenrechtsaktivisten und Ärzten, die die monatelangen Kämpfe in Homs persönlich erlebt hatten. So wird ein Neurologe mit den Worten zitiert: „Es war eine Chemiewaffe, da sind wir sicher. Denn Tränengas kann nicht fünf Leute töten.“ Offenbar ist den Ärzten sogar der Nachweis des Giftes im Körper der Opfer gelungen. Die Proben aber können wegen der Kämpfe derzeit nicht aus Homs herausgeschmuggelt werden.

Doch es sind nicht nur die Erzählungen von Betroffenen, auf die sich der geheime Bericht stützt, auch ein hochrangiger Überlaufer aus Assads Armee soll den Einsatz der Chemiewaffen bestätigt haben. Mustafa al-Sheikh, Generalmajor in der syrischen Armee, war über Jahre persönlich für das Programm zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen zuständig, bevor er schließlich mitten im Bürgerkrieg die Fronten wechselte.

Informationen, die offensichtlich sogar einen engen Berater Obamas überzeugten. Für ihn ist es „sehr wahrscheinlich, dass in Homs Agent 15 eingesetzt worden ist.“ Eine Einschätzung, die den Druck auf den Präsidenten selbst immer stärker werden lässt. Schließlich hat er den Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime immer als rote Linie für die USA genannt. Sollte die überschritten werden, wäre militärisches Eingreifen nötig.

(kurier) Erstellt am 17.01.2013, 18:05

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