Mandela-Trauerfeier: Blamage für Österreich

Nelson Mandela
Foto: AP/Denis Farrell

Die Welt verneigt sich am Dienstag vor Südafrikas Freiheitshelden – Österreich fehlt.

Washington ist beim Trauerakt für den in der Vorwoche verstorbenen südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela mit einem amtierenden Präsidenten, Barack Obama, und drei ehemaligen, George W. Bush, Bill Clinton, Jimmy Carter, vertreten – Österreich gar nicht. In letzter Not wurde zwar der aktuelle Vorsitzende des Bundesrates, der bis zu seinem Einzug in die zweite Parlamentskammer (2001) SP-Bezirksrat in Wien-Simmering war, als Vertreter der Republik nominiert. Doch Reinhard Todt wird die größte Gedenkveranstaltung, die Südafrika je gesehen hat und die von den Dimensionen her nur mit dem Begräbnis von Papst Johannes Paul II. vergleichbar ist, verpassen.

Portraitaufnahme des Bundesratsmitglieds Foto: © Parlamentsdirektion/WILKE Bundesratspräsident Reinhard Todt Er habe an diesem Tag noch anderwärtige Verpflichtungen und müsse den marokkanischen Senatspräsidenten in Wien empfangen, hieß es aus seinem Büro. Dann werde er sich ins Flugzeug setzen und am Mittwoch im Namen Österreichs von Mandela Abschied nehmen. Die Möglichkeit dazu hat Todt in Pretoria gemeinsam mit Zehntausenden „einfachen“ Südafrikanern: Der Leichnam ist dort drei Tage lang aufgebahrt, damit das Volk seinem Idol noch einmal die Ehre erweisen kann.

FISCHER TRÄGT SICH INS KONDOLENZBUCH FÜR NELSON MA Foto: APA/BUNDESHEER/PETER LECHNER Präsident Fischer blieb in Wien und trug sich in das Kondolenzbuch ein Die Vorgeschichte dieser österreichischen Posse, die international eine Riesen-Blamage darstellt: Eigentlich wollte Bundespräsident Heinz Fischer, der nach mehreren Treffen mit dem Anti-Apartheid-Kämpfer auch ein gutes persönliches Verhältnis zu Mandela hatte, zu der Gedenkfeier nach Johannesburg reisen. Nach langem Abwägen entschied sich die Kanzlei aber dagegen, um nötigenfalls hinter den Kulissen als Geburtshelfer der neuen Großen Koalition eingreifen zu können, wie es offiziell heißt.

Auch die Nummer zwei in der heimischen Polit-Hierarchie, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, fiel aus – sie absolvierte einen Besuch beim EU-Neuling Kroatien. Also musste Reinhard Todt ran, spät, zu spät.

Die zentrale, vierstündige Gedenkfeier für Mandela beginnt am Dienstag um 11 Uhr Ortszeit (10 Uhr MEZ) im 95.000 Zuschauer fassenden FNB-Stadion. In der „Soccer City“ von Johannesburg, wo 2010 das Fußball-WM-Finale ausgetragen wurde, wird der Leichnam der Freiheitsikone aufgebahrt.

Dutzende Staatschefs

RNPS IMAGES OF THE YEAR 2010 Foto: Reuters/LARRY DOWNING George W. Bush, Barack Obama und Bill Clinton sind dabei – ebenso Jimmy Carter (nicht im Bild) Und (fast) die ganze Welt wird sich vor dem „Giganten der Menschlichkeit“ verneigen: 70 amtierende Staats- und Regierungschefs haben sich angesagt. Europa ist unter anderen durch den britischen Premier David Cameron und den französischen Staatschef Francois Hollande sowie dessen deutschen Amtskollegen Joachim Gauck vertreten.

Das Begräbnis findet erst am Sonntag in Mandelas Heimatprovinz Ostkap statt. Dazu werden rund 9000 Trauergäste erwartet. Tags darauf, am südafrikanischen „Versöhnungstag“, wird in Pretoria ein Denkmal des „Vaters der Nation“ enthüllt.

Die Bilder der Trauerfeier

Mehr als 90.000 Menschen sind gekommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen: Nelson Mandela, Südafrikas Nationalheld, wird verabschiedet. In der "Soccer City" in Johannesburg findet die Trauerfeier - eine der größten, die die Welt je gesehen hat - statt. 70 amtierende und 10 ehemalige Staatschefs sind bei der Veranstaltung dabei; Barack Obama, Dilma Rousseff oder Raul Castro halten Reden. Der ehemalige Präsident Südafrikas, Frederik Willem de Klerk - hier mit seiner Fraue Elita - ist ebenso anwesend; er hat gemeinsam mit Mandela 1993 den Friedensnobelpreis erhalten - auf den Tag genau vor 20 Jahren. Auf der Tribüne: Der japanische Kronprinz Prince Naruhito (Mitte) und der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck (rechts oben).
  Prominente wie Charlize Theron oder U2-Sänger Bono sind nach Johannesburg gereist. US-Präsident Barack Obama reiste mit seiner First Lady Michelle Obama an. Ebenfalls zugegen waren die früheren US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush.  Unter den Gästen waren auch Monarchen wie König Philippe von Belgien; neben ihm: Premier Elio Di Rupo (l.). Ein spezieller Gast: Der Präsident der südafrikanischen Rugby Union Francois Pienaar - die Rugbyliga war lange Zeit Symbol der niederländischen Herrschaft und somit der Apartheid. Graca Machel, Nelson Mandelas dritte Ehefrau, begrüßte bei der Trauerfeier Mandelas Ex-Frau Winnie - sehr herzlich. Sie selbst wurde unter großem Applaus empfangen. Weniger wohlwollend war der Empfang für den amtierenden Präsidenten Südafrikas, Jacob Zuma - er trägt wegen seiner zahlreichen Affären auch den unhübschen Beinamen "Berlusconi Südafrikas". Aus Großbritannien reisten gleich mehrere hochrangige Politiker an: Der ehemalige Premier John Major etwa... ... auch sein Nachfolger Tony Blair kam nach Johannesburg, ebenso wie ... ... der amtierende Premier David Cameron. Noch eine ehemalige Polit-Größe: Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan, hier zu sehen mit Erzbischof Desmond Tutu. Papst Franziskus nimmt an der Trauerfeier übrigens nicht teil. Der französische Präsdient Francois Hollande (r.) mit seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy - Hollande reist nach der Veranstaltung nach Zentralafrika, um im dortigen eskalierenden Konflikt zu vermitteln. Norwegen ist durch Kronprinz Haakon bei dem Festakt vertreten. Mandla Mandela, der älteste Enkel Mandelas, hielt eine Ansprache zum Gedenken an seinen Großvater. Kubas Präsident Raul Castro Ruz war ebenso unter den Trauergästen.

Der Ablauf der Trauerfeier

10. Dezember: Im FNB-Stadion in Johannesburg-Soweto findet die zentrale Trauerfeier für Nelson Mandela statt. Bis zu 95.000 Menschen können teilnehmen.

11. bis 13. Dezember: Der Leichnam Mandelas wird vor dem Regierungskomplex in Pretoria aufgebahrt. Jeweils in der Früh wird der Sarg vom Militärkrankenhaus zu den „Union Buildings“ gebracht, wo er tagsüber aufgebahrt bleibt. Die Regierung hat die Bürger ermuntert, am Straßenrand den Konvoi mit dem Leichnam des Friedensnobelpreisträgers zu verfolgen und ihn so zu ehren.

13. Dezember: Die Luftwaffe bringt den Sarg mit dem Leichnam in die Provinz Ostkap.

15. Dezember: In der Nähe seines Geburtsorts Qunu in der Provinz Ostkap wird Nelson Mandela – wahrscheinlich bei einem Staatsbegräbnis – die letzte Ruhe finden.

Auf KURIER.at  gibt es einen Live-Blog zu den Trauerfeierlichkeiten  - hier können Sie aktuell die Geschehnisse verfolgen.

Mandela im Porträt

Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo am Ufer des Mbashe-Flusses in der Nähe von Umtata, der Hauptstadt der Transkei, geboren. Er war neben Martin Luther King der wichtigste Vertreter im Kampf gegen die weltweite Unterdrückung der Schwarzen (links seine Frau Winnie). Mandela stammte aus dem Volk der Xhosa. Er studierte Jura an der Witwatersrand-Universität (Bild: mit Fidel Castro 1991) Als Student engagierte sich der bekennende Pazifist in der politischen Opposition gegen das weiße Minderheitsregime. Im März 1960 wurden beim Massaker von Sharpeville unbewaffnete Demonstranten erschossen. In der Folge wurden alle Anti-Apartheid-Gruppen verboten. Daraufhin akzeptierten Mandela und seine Mitstreiter die im African National Congress gesehene Notwendigkeit des gewaltsamen Kampfes gegen die Apartheid. Am 12. Juni 1964 wurde Mandela nach achtmonatiger Verhandlung im Rivonia-Prozess zu lebenslanger Haft wegen Sabotage und Planung bewaffneten Kampfes verurteilt. Als er am 11. Februar 1990 nach 27 Jahren Gefangenschaft das Victor-Verster-Gefängnis nahe Kapstadt verließ, war das Ende der südafrikanischen Apartheid besiegelt. 1993 wurde ihm und Frederik Willem de Klerk der Friedensnobelpreis verliehen. 1994 bis 1999 war er der erste schwarze Präsident des Landes. Mandela war nicht nur die Ikone des modernen Südafrika, sondern ein Idol der Menschheit. Nach seinem Tod wird den Südafrikanern allerdings bewusst werden, wie weit sie von der Verwirklichung seiner Ideale entfernt sind.
Wien

Tausende wollen Lueger-Platz nach Mandela benennen

Facebook-Gruppe, die Mandela-Platz fordert, wächst rasant. Trauernde nehmen Abschied.

Manfred Domschitz ist überrascht. Als der Wiener am vergangenen Samstag die Facebook-Gruppe „Nelson Mandela Platz statt Karl Lueger Platz“ gründete, wollte er „eigentlich nur ein Statement abgeben“. Doch die Seite wurde binnen 48 Stunden mehr als 7000-mal geliked. Unter den Unterstützern finden sich Kabarettist Joesi Prokopetz, Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner oder auch der Verkehrssprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch.

Inspiriert wurde Domschitz von Walter Sauer. Der Universitätsprofessor und langjährige Anti-Apartheitsaktivist hatte Bürgermeister Michael Häupl (SP) in einem Brief darum gebeten, dem am 6. Dezember gestorbenen Nelson Mandela in Wien einen Ort zu widmen. Dass in diesem Zusammenhang die Sandgasse in Döbling genannt wurde, in der sich die südafrikanische Botschaft befindet, reichte Domschitz aber nicht. Die Straße sei zu entlegen, meint er. Mandela verdiene einen Platz im Herzen Wiens. „Er war ein Vorbild für alle, der Antisemit Lueger war keines. Wenn es einen Platz gibt, der es verdient, umbenannt zu werden, dann dieser.“

Denkmal in Döbling?

Adolf Tiller ist da anderer Meinung. Der VP-Bezirksvorsteher von Döbling wünscht sich zwar ebenfalls eine Erinnerung an Mandela. Der Karl-Lueger-Platz dürfe aber nicht dafür verwendet werden. „Ohne Lueger wäre Wien nicht so attraktiv: Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde hat er all die Prachtbauten entlang der Ringstraße errichten lassen. Er war kein Judenhasser.“

Aber auch die Umbenennung der Sandgasse hält Tiller für unmöglich – „da müssten ja Tausende Dokumente geändert werden: Meldezettel, Zulassungsscheine, Bankdaten usw.“

Als Alternative schlägt der Bezirksvorsteher ein Mandela-Denkmal auf jener Grünfläche vor, an der Sandgasse und Grinzinger Straße zusammenkommen. Zurzeit steht dort ein Schild, auf dem „Willkommen in Grinzing“ steht.

Im Rathaus wird die Idee, Mandela einen Ort zu widmen zwar grundsätzlich goutiert. Im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) verweist man aber darauf, dass vor etwaigen Umbenennungen ein sogenanntes Trauerjahr einzuhalten sei – „das war nach dem Tod von Bürgermeister Zilk genauso“. Danach werde man auf Vorschläge aus den Bezirken warten.

In Wien wird aber auch abseits dieser Debatte Nelson Mandelas gedacht. In der südafrikanischen Botschaft (Sandgasse 33) liegt seit Montagfrüh ein Kondolenzbuch auf – am Dienstag, Donnerstag und Freitag kann man sich darin jeweils von 9 bis 16 Uhr eintragen. Als einer der Ersten nutzte Bundespräsident Heinz Fischer die Gelegenheit. Am Begräbnis des Friedensnobelpreisträgers nimmt er allerdings nicht teil (mehr dazu hier).

Letzte persönliche Worte an „Madiba“ richten aber auch zahlreiche Privatpersonen. Wie zum Beispiel Marinda Du Preez. „Mandela war für das ganze Volk wie ein Vater – für Weiße und Schwarze. Er hat jeden im Herzen berührt“, sagt die 59-jährige Südafrikanerin mit Tränen in den Augen. Seit 18 Jahren lebt sie in Wien.

Zu Ehren Mandelas findet am Mittwoch um 13 Uhr in der Lutherischen Stadtkirche in der Dorotheergasse ein Gedenkgottesdienst statt.

(KURIER) Erstellt am
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