Depardieus Loblied auf die „große Demokratie“ Russland

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Foto: AP/Kai-Uwe Knoth Einst Franzose, jetzt Russe: Gerard Depardieu.

Der Schauspieler hat mit seinen Äußerungen eine Welle von Kritik und Spott ausgelöst.

Er liebe Putin und diese Liebe sei gegenseitig. Er vergöttere die russische Kultur und Denkweise. Russland sei eine „große Demokratie“, in der es sich „gut leben“ lasse. „Ehre sei Russland“ konnte Gérard Depardieu noch hervorbringen, bevor ihm die Stimme vor Ergriffenheit versagte. Hofpoeten orientalischer Despoten lassen grüßen. Millionen klickten das Video mit dem Dankgebet des Franzosen für die Verleihung der russischen Staatsbürgerschaft an, das der staatsnahe Erste Kanal zeigte.

Der TV-Sender zitierte auch aus einem Brief, den der 64-jährige französische Schauspieler an Putin schrieb: Russland sei kein Land, in dem der Regierungschef einen Bürger „erbärmlich“ nenne. Frankreichs Premier Jean-Marc Ayrault hatte Depardieus Plan, aus Protest gegen die Reichensteuer auszuwandern, als „ziemlich erbärmlich“ kritisiert. In dem Schreiben verspricht Depardieu auch, Russisch zu lernen. „Mein Vater war Kommunist und hat Radio Moskau gehört.“

Potentielle Steuerflucht

Depardieus Liebe zu Russland liegt vor allem an der Einkommensteuer: Alle – Tellerwäscher wie Millionäre – zahlen 13 Prozent. Sein Loblied auf die „große Demokratie“ zieht Spott und massive Kritik nach sich. Der Journalist Matwei Ganapolski sagte im oppositionellen Sender Moskauer Echo: „Wir werden es niemals vergessen und ihm diesen Satz niemals verzeihen.“

Putin wird vor allem angelastet, dass bei der Verleihung der Staatsbürgerschaft mit zweierlei Maß gemessen wird. Gewöhnlich mahlen die Mühlen langsam. Im Sonderverfahren genügen die Willenserklärung des Antragsstellers und die Unterschrift des Präsidenten. Dieser Ehre werden jedoch nur Künstler und Forscher von Weltrang teilhaftig. Wie Depardieu.

Dieser, so meinte Leonid Sluzki, der Chef des Duma-Ausschuss für Angelegenheiten der UdSSR-Nachfolgegemeinschaft GUS und Einbürgerung, sei auch ein erfolgreicher Unternehmer. Er habe begriffen, dass Geschäfte in Russland „interessant, ungefährlich und effektiv“ seien. Vizepremier Dmitri Rogosin sah das ähnlich: Wenn die Feinheiten russischen Steuerrechts im Westen bekannt würden, würden die Schönen und Reichen Schlange stehen. Brigitte Bardot etwa hat bereits damit gedroht, einen russischen Pass zu beantragen, falls zwei kranke Elefanten in Zoo von Lyon eingeschläfert werden.

Was Rogosin nicht sagte: Der Steuersatz von 13 Prozent greift nur bei einem Russland-Aufenthalt von mindestens 186 Tagen pro Jahr. Depardieu weiß noch nicht, wohin er sein Haupt in der neuen Heimat betten wird. Zum Glück wedelt Tschetschenen-Präsident Kadyrow, bei dem der Franzose ein ähnliches Demokratiepotenzial geortet hat wie bei Putin, schon mit Obdach in der einstigen Rebellenrepublik.

Probleme könnte es mit dem Wohnsitz in Belgien geben, dessen Staatsbürgerschaft Depardieu beantragt hat. Ein russischer Pass wird dabei kaum hilfreich sein.

Gerard Depardieu hat immer wieder Ärger mit der Justiz. Zuletzt zeigte ein Autofahrer in Paris den 64-Jährigen bei der Polizei an, weil der Schauspieler ihn nach einem Zwischenfall im Straßenverkehr geschlagen haben soll. Depardieu gab im Interview mit dem Fernsehsender RTL zu, dass er "ein bisschen überzogen reagiert" habe. Der Franzose war im Stadtzentrum von Paris mit seinem Motorroller unterwegs. Der Autofahrer soll ihn laut Polizei bedrängt haben, wodurch er sehr erschrocken gewesen sei. Depardieu soll den Mann daraufhin geschlagen haben. Der Schauspieler sagte zum Vorfall: "Meine Reaktion war ein bisschen überzogen, weil ich sehr Angst hatte, Punkt. Das ist alles, so dumm ist das gewesen." Er fügte hinzu: "Es gibt Leute, die sehen mich und erstatten Anzeige." Das sei "der Preis des Ruhmes, wie Blödmänner sagen würden". Depardieu war schon mehrfach wegen seiner cholerischen Reaktionen aufgefallen. So hatte er einen Fotografen im Jahr 2005 in Florenz mit einem Kopfstoß niedergeschlagen. 2011 hatte er für Schlagzeilen gesorgt, als er in einem Flugzeug ein dringendes Bedürfnis hatte. Fast vier statt eineinhalb Stunden dauerte der Weg von Paris nach Dublin. Der Grund: An Bord des Flugzeugs wollte Herr Depardieu unmittelbar vor dem Start noch schnell auf die Toilette. Eine Stewardess verbot es ihm allerdings, da alle Passagiere angeschnallt bleiben sollten. Das hielt Depardieu dennoch nicht davon ab sich zu erleichtern - er pinkelte in eine Flasche. Dummerweise erwies sich der Schauspieler als wenig treffsicher ("Das Fläschchen war für mich einfach zu klein"), er bekam Ärger und weltweit Schlagzeilen. Nach der Reinigung des Fliegers durfte er aber sogar wieder mitfliegen.

(Kurier) Erstellt am
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