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Einst Franzose, jetzt Russe: Gerard Depardieu.
Einst Franzose, jetzt Russe: Gerard Depardieu. - Foto: AP/Kai-Uwe Knoth

Letztes Update am 03.01.2013, 12:08

Depardieus Loblied auf die „große Demokratie“ Russland. Der Schauspieler hat mit seinen Äußerungen eine Welle von Kritik und Spott ausgelöst.

Er liebe Putin und diese Liebe sei gegenseitig. Er vergöttere die russische Kultur und Denkweise. Russland sei eine „große Demokratie“, in der es sich „gut leben“ lasse. „Ehre sei Russland“ konnte Gérard Depardieu noch hervorbringen, bevor ihm die Stimme vor Ergriffenheit versagte. Hofpoeten orientalischer Despoten lassen grüßen. Millionen klickten das Video mit dem Dankgebet des Franzosen für die Verleihung der russischen Staatsbürgerschaft an, das der staatsnahe Erste Kanal zeigte.

Der TV-Sender zitierte auch aus einem Brief, den der 64-jährige französische Schauspieler an Putin schrieb: Russland sei kein Land, in dem der Regierungschef einen Bürger „erbärmlich“ nenne. Frankreichs Premier Jean-Marc Ayrault hatte Depardieus Plan, aus Protest gegen die Reichensteuer auszuwandern, als „ziemlich erbärmlich“ kritisiert. In dem Schreiben verspricht Depardieu auch, Russisch zu lernen. „Mein Vater war Kommunist und hat Radio Moskau gehört.“

Potentielle Steuerflucht

Depardieus Liebe zu Russland liegt vor allem an der Einkommensteuer: Alle – Tellerwäscher wie Millionäre – zahlen 13 Prozent. Sein Loblied auf die „große Demokratie“ zieht Spott und massive Kritik nach sich. Der Journalist Matwei Ganapolski sagte im oppositionellen Sender Moskauer Echo: „Wir werden es niemals vergessen und ihm diesen Satz niemals verzeihen.“

Putin wird vor allem angelastet, dass bei der Verleihung der Staatsbürgerschaft mit zweierlei Maß gemessen wird. Gewöhnlich mahlen die Mühlen langsam. Im Sonderverfahren genügen die Willenserklärung des Antragsstellers und die Unterschrift des Präsidenten. Dieser Ehre werden jedoch nur Künstler und Forscher von Weltrang teilhaftig. Wie Depardieu.

Dieser, so meinte Leonid Sluzki, der Chef des Duma-Ausschuss für Angelegenheiten der UdSSR-Nachfolgegemeinschaft GUS und Einbürgerung, sei auch ein erfolgreicher Unternehmer. Er habe begriffen, dass Geschäfte in Russland „interessant, ungefährlich und effektiv“ seien. Vizepremier Dmitri Rogosin sah das ähnlich: Wenn die Feinheiten russischen Steuerrechts im Westen bekannt würden, würden die Schönen und Reichen Schlange stehen. Brigitte Bardot etwa hat bereits damit gedroht, einen russischen Pass zu beantragen, falls zwei kranke Elefanten in Zoo von Lyon eingeschläfert werden.

Was Rogosin nicht sagte: Der Steuersatz von 13 Prozent greift nur bei einem Russland-Aufenthalt von mindestens 186 Tagen pro Jahr. Depardieu weiß noch nicht, wohin er sein Haupt in der neuen Heimat betten wird. Zum Glück wedelt Tschetschenen-Präsident Kadyrow, bei dem der Franzose ein ähnliches Demokratiepotenzial geortet hat wie bei Putin, schon mit Obdach in der einstigen Rebellenrepublik.

Probleme könnte es mit dem Wohnsitz in Belgien geben, dessen Staatsbürgerschaft Depardieu beantragt hat. Ein russischer Pass wird dabei kaum hilfreich sein.

 

(Kurier) Erstellt am 03.01.2013, 12:08

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