"Rache Gottes": Khamenei warnt Saudi-Arabien

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Foto: APA/AFP/FILES/ATTA KENARE Ayatollah Ali Khamenei

Geistliches Oberhaupt des Iran verurteilt Exekution von Schiiten-Führer Nimr. Heftige Proteste in Teheran.

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien hat das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, das Königreich vor der "Rache Gottes" gewarnt. "Das ungerechtfertigt vergossene Blut dieses Märtyrers wird rasche Konsequenzen haben und die Hand Gottes wird Rache an der saudi-arabischen Führung nehmen", so Khamenei am Sonntag vor Geistlichen in Teheran. "Dieser Gelehrte ermutigte Menschen weder zu bewaffneten Handeln, noch schmiedete er geheime Pläne, das einzige was er tat, war öffentlich Kritik zu äußern", sagte er.

Flames and smoke rise from Saudi Arabia's embassy Foto: REUTERS/TIMA Agency Zuvor hatte eine Menge die saudi-arabische Botschaft in Teheran angegriffen und Brandsätze in das Gebäude geworfen. Rund 40 Menschen wurden festgenommen, die in die Botschaft eingedrungen waren. Für Sonntagnachmittag rief der Studentenflügel der Bassij-Miliz zu einer weiteren Protestkundgebung vor der Botschaft auf. Auch in der iranischen Stadt Mashhad wurde das saudi-arabische Konsulat angegriffen.

Der iranische Präsident Hassan Rohani hat den Angriff auf die saudi-arabische Botschaft in der Hauptstadt Teheran verurteilt. "Der Angriff von Extremisten auf die saudische Botschaft in Teheran ist in keiner Weise zu rechtfertigen und hatte negative Auswirkungen auf das Image des Iran", teilte Rohani am Sonntag in einer Presseerklärung mit.

47 Hinrichtungen am Samstag

Saudi-Arabien hat am Samstag neben Nimr al-Nimr 46 weitere Menschen wegen Terrordelikten hingerichtet (mehr dazu lesen Sie hier).  Saudi-Arabien hatte 2015 laut Menschenrechtlern so viel Todesurteile vollstreckt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Von Jänner bis November waren demnach mindestens 151 Menschen hingerichtet worden, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mitteilte. Im gesamten Jahr 2014 waren laut Amnesty 90 Menschen in Saudi-Arabien hingerichtet worden.

Das iranische Außenministeriums hatte Saudi-Arabien am Samstag vorgeworfen, "terroristische und extremistische Bewegungen" zu unterstützen und zugleich seine internen Gegner hinzurichten. Das Königreich werde dafür "einen hohen Preis zahlen", warnte Teheran. Riad warf seinem regionalen Rivalen daraufhin einen "aggressiven" Tonfall vor und zitierte den iranischen Botschafter herbei. Außer im Iran gab es auch in der schiitischen Pilgerstadt Kerbala im Irak und im mehrheitlich schiitischen Golfstaat Bahrain Proteste gegen die Hinrichtung Nimrs.

Gegner des sunnitischen Königshauses

Der schiitische Geistliche war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Der 56-Jährige hatte während der Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten des sunnitisch geprägten Saudi-Arabien leben. Er wurde im Oktober 2014 zum Tode verurteilt und am Samstag zusammen mit 46 weiteren Menschen hingerichtet. Die Massenhinrichtung der wegen Terrordelikten verurteilten Menschen stieß auch im Westen auf Kritik. Der schiitisch geprägte Iran ringt mit Saudi-Arabien um die regionale Vorherrschaft.

(apa / dk) Erstellt am
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