Ruby hat 57.000 € von Berlusconi erhalten

epa03649425 Ruby El Marough shows her passport as she stages a protest in front of the Milan court, in Milan, Italy, 04 April 2013. The young Moroccan woman known as 'Ruby' at the centre of a sex scandal that has put Italian ex-premier Silvio Berlusconi on trial demonstrates in front of the Milan court where hearings have been taking place to make her voice heard. Karima El Mahroug, who arrived in front of the courthouse 04 April 2012 at 10:30 am Italian time, told on 03 Apri 2013 that she wants 'to protest at not being heard during hearings' that carry her name. ANSA/ DANIEL DAL ZENNARO EPA/DANIEL DAL ZENNARO
Es wird eng für Silvio Berlusconi. Der Ruby-Prozess geht jetzt in die Endphase.

Staatsanwältin Ilda Boccassini forderte am Montag sechs Jahre Haft für den ehemaligen Regierungschef Silvio Berlusconi. Der 76-jährige Cavaliere ist wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit minderjährigen Prostituierten angeklagt. Das Urteil in erster Instanz könnte noch Ende Mai fallen.

Im Mittelpunkt des aufsehenerregenden Verfahrens steht Karima El Mahroug, Ruby genannt, die 2010 als Minderjährige mit Berlusconi bezahlten Sex gehabt haben soll. In Berlusconis Villa in Arcore wurde, so Boccassini, ein „Prostitutionssystem zur Befriedigung des Ex-Premiers“ aufgebaut. Berlusconi und Ruby stritten bisher trotz Abhörbeweisen und Zeugenaussagen vehement jeden sexuellen Kontakt ab.

Berlusconi wurde bereits vorige Woche wegen Steuerbetrugs in zweiter Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt. Sein Mediaset-Konzern hat mit Steuertricks den Staat um 400 Millionen Euro betrogen. Wird das Urteil rechtskräftig, droht Berlusconi für fünf Jahre der Ausschluss von allen politischen Ämtern. Berlusconi wird jedoch beim Kassationsgericht Berufung einlegen und somit Zeit gewinnen. „Er dürfte keine öffentlichen Ämter mehr ausüben und müsste jetzt zurücktreten“, sagt Verfassungsrechtler Justin Frosini von der Mailänder Universität Bocconi.

Kräfte mobilisieren

Doch Beobachter sind überzeugt: Berlusconi wird alle seine Kräfte im Senat mobilisieren, um einen Ausschluss aus dem Parlament zu verhindern. Und dabei kann er auf Unterstützung nicht nur aus den eigenen Parteireihen zählen.

Statt im Gerichtssaal verteidigte sich der Medientycoon im familieneigenen Mediaset-Sender, Canale 5, Sonntagabend in einer großen Show. In gewohnter Manier wetterte er gegen die Staatsanwälte: „Ich werde mich nicht von ihnen einschüchtern lassen. Die Richter sind voll Hass und Neid.“

Auch Ruby war in der Doku ausführlich zu sehen. „Ich bin keine Prostituierte. Ich habe nie bezahlten Sex und keine sexuelle Beziehung mit Silvio Berlusconi gehabt“, sagte sie. Den Mailänder Ermittlern warf sie „psychologische Tortur“ bei den Vernehmungen vor. Sie habe 57.000 Euro von Berlusconi erhalten, weil dieser ihr helfen wollte, einen Schönheitssalon zu öffnen. „Mit dem Geld habe ich keinen Schönheitssalon geöffnet, wie ich gehofft hatte. Die Summe hat mir aber geholfen, über ein Jahr lang ordentlich zu leben“, betonte Ruby.

33 Prozesse

Berlusconi war in den vergangenen zwanzig Jahren im Dauervisier der Justiz: In bisher 33 Prozessen mit 2500 Gerichtsverhandlungen musste er sich unter anderem wegen Korruption, Steuerbetrugs und Anstiftung zur Prostitution verantworten.

Berlusconis Anhänger sprechen von „richterlicher Verfolgung“ und solidarisieren sich via Twitter: „Zum Glück schaffen sie es nicht, ihn zu eliminieren.“

Laut Meinungsumfragen hat Berlusconis Partei weiterhin die Nase vorne. Gerichtsreporter Gianni Barbaceto erklärt das Phänomen so: „Berlusconi spricht den Widerwillen vieler Italiener, Gesetze zu befolgen, direkt an, und sagt diesen Leuten: ,Schaut her, ich bin einer von Euch.‘“

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