Trotz Einigung: Rücktritt von Janukowitsch gefordert

Trotz Einigung: Rücktritt von Janukowitsch gefordert
Nach Tagen des Blutvergießens gibt es eine Einigung, doch die Demonstranten sind noch nicht zufrieden.

In der Ukraine überschlugen sich am Freitag die Ereignisse: Lange Zeit herrschte Verwirrung über einen Kompromiss zwischen Opposition und Regierung. Schließlich unterzeichneten die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko unter den Augen der EU-Vermittler ein Abkommen mit Präsident Janukowitsch.

Die Einigung sieht vorgezogene Neuwahlen noch dieses Jahr vor, ebenso wie die Rückkehr zur Verfassung von 2004 - eine Forderung der Opposition. Auch soll ein Übergangskabinett installiert werden. Schließlich votierte das Parlament am Abend noch für eine Änderung des Strafrechts, so dass die inhaftierte frühere Regierungschefin und Oppositionsführerin Julia Timoschenko freigelassen werden könnte. Janukowitsch muss das noch billigen.

Die Demonstranten gaben sich am Abend noch nicht zufrieden. Bei einer Kundgebung der Oppositionsführer übernahm ein Regierungsgegner in Kampfmontur das Mikrofon und forderte den Rücktritt von Janukowitsch bis zum Morgen. Andernfalls werde man mit Waffen angreifen.

Eine Zusammenfassung der Ereignisse vom Freitag finden Sie im Anschluss.

Live-Stream vom Maidan

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Trotz Einigung: Rücktritt von Janukowitsch gefordert

Die Tochter von Julia Timoschenko reagiert vorsichtig auf Berichte, wonach die frühere Regierungschefin bald frei kommen könnte. Jewgenija Timoschenko sagt dem Standard (Samstagsausgabe): "Wir haben noch einen langen Weg vor uns und haben immer noch alle Hände voll zu tun, um sie aus dem Gefängnis zu befreien." Timoschenkos Anwalt Sergej Vlasenko meint dazu: "Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie sehr Janukowitsch taktiert. Er hat viel versprochen und nichts eingehalten."

Der tschechische Ex-Präsident Vaclav Klaus hat dem Westen „große Verantwortungslosigkeit“ im Umgang mit der Krise in der Ukraine vorgeworfen. Die Ukraine vor die Wahl zwischen Westen und Osten zu stellen, habe das Land in einen unlösbaren Konflikt geführt, heißt es in einem in Prag veröffentlichten Kommentar. „Es ist eine Illusion zu glauben, dass neue Wahlen dieses Problem lösen könnten“, meint der 72-jährige EU-Kritiker.

Aufgebrachte Demonstranten lehnen die Einigung der Opposition mit der Regierung ab und fordern ultimativ den Rücktritt von Präsident Viktor Janukowitsch. Bei einer Kundgebung mit drei Oppositionsführern auf dem Maidan übernimmt ein Regierungsgegner in Kampfmontur das Mikrofon und erklärt, bis 10.00 Uhr müsse Janukowitsch zurückgetreten sein. Andernfalls „greifen wir mit Waffen an“, sagte der Mann.

Die drei Oppositionsführer - darunter der Ex-Boxer Vitali Klitschko - werden für das Abkommen mit der Regierung scharf kritisiert: „Sie haben einem Verbrecher die Hand geschüttelt und mit dem Teufel getanzt.“

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich nach den Gesprächen in Kiew verhalten optimistisch über ein Ende der Auseinandersetzungen gezeigt. „Wir wollen uns nicht zu früh freuen“, sagte der Minister nach seiner Rückkehr aus der Ukraine. Es sei eine Rahmenvereinbarung getroffen worden, die jetzt durch die Politik ausgefüllt werden müsse. Steinmeier sagte, er sei jedoch zufrieden, „dass offenbar auch die Führung in der Ukraine erkannt hat, dass die weitere Eskalation der Gewalt (...) keine Lösung für das Land ist“.

Mit Pfiffen und Buhrufen haben Zehntausende Regierungsgegner in Kiew die Oppositionsführer nach der Einigung auf eine Krisenlösung empfangen. Der Anführer der radikalen Splittergruppe Rechter Sektor, Dmitri Jarosch, kündigte an, nicht die Waffen niederzulegen, bevor Präsident Viktor Janukowitsch zurücktrete. Andere Redner drohten damit, die Präsidialverwaltung zu stürmen. Der Opposition um Vitali Klitschko warfen sie „Verrat“ vor. Die Menge auf dem Unabhängigkeitsplatz forderte in Sprechchören den Kopf des Präsidenten: „Tod dem Knastbruder!“ Janukowitsch hatte als Jugendlicher wegen Raubüberfalls in Haft gesessen.

Russland hat die EU zur Verurteilung von „radikalen Kräften“ aufgefordert, die für den
Gewaltausbruch und die Todesopfer in Ukraine verantwortlich seien. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton habe am Freitag mit Außenminister Sergej Lawrow über das Friedensabkommen und die Chancen für dessen Umsetzung angesichts der anhaltenden Aktivität extremistischer Kräfte gesprochen, heißt es in einer Erklärung des russischen Ministeriums. Lawrow und Ashton hätten vereinbart, in Kontakt zu bleiben, um zur Normalisierung der Situation beizutragen.

US-Präsident Barack Obama will noch heute Abend mit dem russischen Präsidenten Putin über die Ukraine sprechen. Die Beziehung der Präsidenten gilt als angespannt. Beide Länder verfolgen etwa eine unterschiedliche Politik gegenüber dem Bürgerkriegsland Syrien. Auch ärgern sich die USA darüber, dass Russland dem flüchtigen Ex-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden Asyl gewährt, der massenhaft vertrauliche Dokumente über den Geheimdienst NSA an die Medien gegeben hatte. Beim Thema Ukraine werden die Meinungen wohl auch auseinandergehen. Russland hatte den Westen mehrmals vor Einmischung gewarnt.

Russland hat die Einigung offenbar begrüßt. Der Vermittler Moskaus, Russlands Menschenrechtsbeauftragter Wladimir Lukin, habe das Abkommen zwar nicht unterzeichnet, erklärte das russische Außenministerium am Freitag. Dies bedeute aber nicht, dass Russland nicht an einem Kompromiss interessiert sei. Lukin sagte laut Interfax, die Gespräche zwischen der ukrainischen Regierung und der Opposition hätten Fortschritte gebracht. Es blieben aber noch Fragen in dem Kompromiss offen, der zu einer politischen Lösung des Konflikts führen soll.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) behandelt die Beschwerde eines ukrainischen Demonstranten im Eilverfahren. Der Mann wirft der Polizei seines Landes vor, zahlreiche Demonstranten getötet oder schwer verletzt zu haben, wie der EGMR am Freitag in Straßburg mitteilte. Weil er um sein Leben fürchte, habe er am Mittwoch wegen Verletzung des Folterverbots und des Rechts auf Leben Klage eingereicht. Der Gerichtshof forderte die Regierung in Kiew auf, bis zum 14. März zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

In Kiew wurden heute auch die Toten der gewaltsamen Auseinandersetzungen zu Grabe getragen. Unbändige Trauer mischt sich unter die Freude über das Abkommen.

Zum Gedenken an die mindestens 77 Toten hat Janukowitsch zwei Trauertage angeordnet. An diesem Wochenende sollen an allen staatlichen Gebäuden in der Ex-Sowjetrepublik die Fahnen auf halbmast gesenkt werden. Zudem sollten Konzerte und Sportveranstaltungen abgesagt werden. Fernseh- und Radiosender wurden aufgefordert, ihr Programm "angemessen" zu ändern. Bereits nach ersten schweren Zusammenstößen am Dienstag mit vielen Toten hatte Janukowitsch für Donnerstag einen Trauertag angesetzt - ausgerechnet dann kam es erneut zu brutalen Auseinandersetzungen.

Nun überschlagen sich die Meldungen wieder aus Kiew: Das Parlament stimmte dafür, die inhaftierte Julia Timoschenko, die gefallene Galionsfigur der Orangen Revolution, aus dem Gefängnis zu entlassen. Die Oberste Rada votierte dafür, die Vorwürfe gegen die Ex-Regierungschefin nicht mehr als Straftaten zu werten.

Timoschenko sitzt seit über zwei Jahren in Haft. Sie war im Jahr 2011 wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sie klagte wiederholt über ihre Haftbedingungen und eine unzureichende medizinische Versorgung ihrer Bandscheibenprobleme.

Doch auch unter diesen Beschluss muss auch Janukowitsch erst seine Unterschrift setzen.

Das Parlament stimmt für die Entlassung von Innenminister Vitali Sachartschenko wegen der Gewaltanwendung während der Proteste.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sieht nach der Vereinbarung von Kiew nun auch die Chance für Finanzhilfen für die Ukraine durch die EU. „Wichtig ist jetzt die Umsetzung - und das ist eine große Herausforderung“, sagte sie am Freitag vor Journalisten in London.

Der russische Vermittler Wladimir Lukin sagte laut Interfax, die Gespräche zwischen der ukrainischen Regierung und der Opposition hätten Fortschritte gebracht. Es blieben aber noch Fragen in dem Kompromiss offen, der zu einer politischen Lösung des Konflikts führen soll. Lukin hatte den Kompromiss, der auch von zwei EU-Außenministern unterzeichnet wurde, nicht unterschrieben.

Im Internet kursiert ein Video, das den polnischen Außenminister Sikorksi zeigt, einen der EU-Vermittler in Kiew. Er soll in der Aufzeichnung gegenüber Oppositionellen sagen: "Wenn ihr die Einigung nicht unterstützt, dann werdet ihr das Kriegsrecht haben, die Armee, ihr werdet alle tot sein".

In dem Abkommen, das heute unterzeichnet wurde, ist festgehalten, dass Präsidentschaftswahlen noch in diesem Jahr stattfinden sollen. Zudem sollen sowohl Regierung als auch Opposition dazu beitragen, das normale Leben wieder herzustellen. Dazu gehört auch, dass besetzte Gebäude und Plätze wieder frei gegeben werden.

Die Kernpunkte:

- Innerhalb von 48 Stunden wird ein Sondergesetz verabschiedet, unterschrieben und verkündet, das die Verfassung von 2004 wiederhergestellt und damit die Macht des Präsidenten beschneidet.
- Innerhalb von zehn Tagen wird eine Regierung der nationalen Einheit gebildet, in der auch die bisherige Opposition vertreten ist.
- Bis September 2014 soll eine neue Verfassung ausgearbeitet werden.
- Anschließend soll es bis spätestens Dezember Präsidentschaftswahlen geben.
- Gegen Verantwortliche für die jüngste Gewalt wird unter Aufsicht der Regierungsbehörden, der Opposition und des Europarats ermittelt.
- Die Regierung ruft keinen Notstand aus, Regierung und Opposition sehen ab vom Einsatz von Gewalt.
- Das Parlament verschiedet eine neue Amnestie.
- Illegale Waffen sollen den Behörden des Innenministeriums übergeben werden.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verlangte, Wahlen müssten in einer angemessenen Zeit abgehalten werden. Das heiße aber nicht, dass dies schon in einigen Wochen geschehen müsse. Die Umsetzung der von den EU-Außenministern grundsätzlich beschlossenen Sanktionen gegen Verantwortliche für die Gewalt in der Ukraine hänge vom Bericht der drei Außenminister ab, die in Kiew vermittelt hatten.

Der polnische Regierungschef Donald Tusk warnt vor zu großem Optimismus, sieht aber angesichts der Bereitschaft zu vorgezogenen Wahlen einen "Moment des Durchbruchs". Das schlimmstmögliche Szenario für die Ukraine sei noch nicht abgewendet. "Die Annahme, es könne innerhalb der nächsten Stunden oder Tage zu einem Happy End kommen, ist völlig unbegründet" so Tusk.

Das ukrainische Parlament hat einstimmig für eine Rückkehr zur Verfassung von 2004 gestimmt und damit für eine Beschneidung der Vollmachten des Präsidenten. Damit setzten die Abgeordneten den ersten Punkt des zuvor beschlossenen Mehrstufenplans um. Präsident Viktor Janukowitsch muss das Gesetz noch unterschreiben, damit es in Kraft tritt.

Die Parlamentarier votierten ebenfalls eindeutig für eine Freilassung aller, die bei den gewaltsamen Protesten der vergangenen Tage festgenommen worden waren.

Gemäß des auch von der EU mit ausgehandelten Lösungsplans soll in einem nächsten Schritt bis September eine Verfassungsreform erarbeitet werden. Die Stärkung von Regierung und Parlament auf Kosten des Staatschefs war stets eine Kernforderung der Opposition gewesen.

Die Vertreter von EU, Opposition und Regierung bei der Unterzeichnung des Abkommens. Russlands Vertreter unterzeichnete nicht.

Steinmeier unterzeichnete das Abkommen als Vertreter Deutschlands. "Die Außenminister Frankreichs, Deutschlands und Polens begrüßen die Unterzeichnung der Einigung zur Lösung der Krise in der Ukraine, loben die Parteien für ihren Mut zur Einigung und rufen dazu auf, alle Gewalt und Konfrontation sofort zu beenden", heißt es darin.

Die Erklärung des deutschen Auswärtigen Amtes im Wortlaut (englisch) finden Sie hier.

Steinmeier hat das Abkommen vorsichtig optimistisch bewertet. „Das war vielleicht die letzte Chance, um einen Ausweg aus der Spirale der Gewalt zu finden. Nicht alle Probleme sind gelöst“. Trotzdem gebe es Grund, „zuversichtlich nach vorne zu schauen“. Der Weg in eine politische Lösung der Krise sei nun möglich. Laut Steinmeier sieht die Vereinbarung vor, dass auch die Verfassung von 2004 vorläufig wieder in Kraft gesetzt wird.

Der Rechte Sektor, eine Radikalenbewegung, hat aber schon angekündigt, das Abkommen abzulehnen: „Diese Mitteilung beinhaltet kein klares Bekenntnis zu einem Rücktritt des Pseudo-Präsidenten“, heißt es.

Das Abkommen ist unterzeichnet, meldet die dpa. Die ukrainische Regierung und Oppositionsführer hätten die vorläufige Vereinbarung zur Lösung der innenpolitischen Krise unterzeichnet, die bisher 77 Menschenleben gefordert hat.

Darin enthalten: vorgezogene Präsidentenwahlen, starke verfassungsrechtliche Vollmachten für die Regierung sowie ein Übergangskabinett.

Zuvor hatte eine EU-Delegation die Zustimmung des sogenannten Maidan-Rates eingeholt. Dem Gremium gehören verschiedene Gruppen an, darunter auch Radikale und Gewaltbereite.

Zurzeit wird am Maidan-Platz die Menge - es sollen 50.000 Menschen sein - über die Geschehnisse unterrichtet. Klitschko soll später auch vor seine Anhänger treten. Ob diese dem Kompromiss zustimmen, ist mehr als fraglich. Auch andere Oppositionsgruppen dürften ihre Probleme haben mit der Einigung.

Ungeachtet des Grolls aus Moskau zeichnet sich nun langsam eine Einigung ab. Polens Außenminister Radoslaw Sikorski sagt, die
Unterzeichnung des Abkommens stehe kurz bevor; dieses sei „ein guter Kompromiss für die Ukraine, gibt dem Frieden eine Chance und eröffnet den Weg für Reformen und nach Europa“. Aber wie gesagt: Unterschrieben ist noch nichts.

Nachrichten aus dem Kreml: Laut der Agentur Itar-Tass friert Russland der Ukraine die Unterstützungsgelder ein - man wolle die weiteren Tranchen der Hilfsgelder (insgesamt 15 Milliarden Dollar) nur zahlen, wenn sich die Situation stabilisiert habe, so Finanzminister Anton Siluanow. Das kann man auch als leise Drohung verstehen.

Einweistweilen haben wir haben die eindrucksvollsten Bilder aus Kiew für Sie gesammelt:

Kurzer Schauplatzwechsel: In Moskau wurden während eines Schauprozesses gegen die angeblichen Anführer der Proteste gegen Wladimir Putin 200 Menschen verhaftet. Die Mutter einer der Angeklagten hatte die Befürchtung geäußert, dass angesichts der Lage in der Ukraine das Urteil wohl besonders hart ausfallen werde. Die Behörden würden damit deutlich machen, dass sie mit harter Hand gegen Unruhen vorgehen würden.

Das Urteil war dann auch nicht besonders milde - die acht Angeklagten wurden für schuldig befunden - mehr dazu hier.

Zeitgleich wird berichtet, dass Sicherheitskräfte und Polizei ihre Posten verlassen - allerdings nur beim Parlament, vor dem Sitz des Präsidenten würden die Einheiten wieder zusammengezogen.

Russische Medien berichten über die Bedingungen der radikalen Opposition: Sie will das Abkommen nur unterzeichnen, sofern in der neu zu konstituierenden Regierung weder Vitali Sachartschenko - er ist jetzt Innenminister - noch Viktor Pschonka, Leiter der Generalprokuratur und somit leitender Staatsanwalt, vertreten sein werden, berichtet die russische Agentur Interfax unter Berufung auf Swoboda-Führer Tjahinbok. Der simple Hintergrund der Forderung: Die beiden werden für die Gewaltsexzesse am Maidan verantwortlich gemacht.

Man habe noch nicht unterzeichnet, betont der Anführer der rechten Partei außerdem - Vermittler aus dem Westen hingegen vermelden, dass die Einigung stehe, ohne Verweis auf die Bedingungen.

Es scheint vorwärts zu gehen Die ukrainische Opposition und radikale Regierungsgegner haben einer Einigung mit der Regierung über eine Lösung der Krise im Land angeblich zugestimmt - dies berichtet die dpa unter Berufung auf EU-Delegationskreise. Auch dei Bild berichtet dies unter Berufung auf Vitali Klitschko. Auch ein Sprecher des polnischen Außenministers bestätigt die Bereitschaft der Vertreter der Demonstranten, die ausgehandelte Vereinbarung mit der Regierung zu unterzeichnen.

Wladimir Lukin, Vermittler aus Moskau, ist indes wieder auf dem Weg zurück nach Russland - ob dies nun ein positives oder negatives Signal ist, ist schwer zu sagen.

Hier nochmal ein Überblick darüber, wer eigentlich mit wem verhandelt, welche Akteure in den Konflikt um die Ukraine involviert sind - ein Glossar:

Die Stimmung am Maidan ist gespannt - Beobachter sprechen davon, dass die dortigen Oppositionellen sich nicht damit zufrieden geben werden, was als Kompromiss angeboten wird. Ganz egal, was herauskommt: Ohne den Rücktritt Janukowitschs werden die Demonstranten nicht weichen. Denn noch immer campieren Tausende auf dem Unabhängigkeitsplatz; immer mehr Menschen radikalisieren sich - auch eine Folge des gewaltsamen Vorgehens der Regierung.

Die Vertreter der Opposition, allen voran Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko und Timoschenko-Vertrauer Jazenjuk, sollen nun weiterverhandeln, um einen Rücktritt Janukowitschs zu erzwingen - sie sind derzeit am Weg zu ihm:

Seit Tagen geht nicht nur am Maidan, sondern in der ganzen Ukraine die Angst vor dem Eingreifen des Militärs um. Bislang zeigte sich die Armee neutral, heute ist sogar der stellvertretende Armeechef zurückgetreten, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Auch die NATO und die EU warnen die Streitkräfte vor einer Einmischung in den Konflikt: Falls die Regierung die Armee gegen Demonstranten einsetze, hätte das "äußerst negative Auswirkungen" auf die Beziehungen zur NATO, meinte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. "Das Militär eines Landes darf sich nicht gegen das Volk wenden." Er forderte beide Seiten auf, die Konfliktspirale zu beenden. Auch mehrere EU-Minister sollen sich ähnlich geäußert haben: "Das stand zwar nicht auf der Tagesordnung, aber einige Minister haben gesagt, dass die ukrainischen Streitkräfte nicht eingreifen dürfen", so der griechische Verteidigungsminister Dimitris Avramopoulos nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister.

Es wird weiterverhandelt: Die zwei EU-Außenminister Steinmeier und Sikorski sind zu Gesprächen bei den Regierungsgegnern, meldet das deutsche Auswärtige Amt.

Zwei Tage nach der Entlassung des ukrainischen Armeechefs Wolodimir Samana ist nun auch dessen Stellvertreter Juri Dumanski zurückgetreten, damit das Militär nicht gegen die Demonstranten einschreitet. „Ich habe beschlossen, meinen Rücktritt einzureichen, um eine Eskalation zu verhindern“, sagte Dumanski am Freitag im TV-Sender Kanal 5.

Auf dem Maidan ist man sowieso skeptisch, was eine Einigung mit Janukowitsch betrifft:

Der russische Ukraine-Vermittler Wladimir Lukin hat sich der Agentur Interfax zufolge geweigert, ein Abkommen zur Lösung der Krise in Kiew zu unterzeichnen. Das meldete die russische Agentur am Freitag unter Berufung auf informierte Kreise. Zuvor waren vonseiten der EU Steinmeier und Sikorski zu neuen Gesprächen mit Regierungsgegnern aufgebrochen. Es habe bisher doch noch keine Einigung auf ein ausgehandeltes vorläufiges Abkommen gegeben, hieß es in Kiew.

Eine Vereinbarung zwischen dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und der Opposition liegt nach den Worten des polnischen Regierungschefs Donald Tusk in weiter Ferne. Möglicherweise werde die Opposition dem vorliegenden Entwurf nicht zustimmen. Die EU-Kommission wartet mit einer Bewertung des angekündigten Übergangskabinetts in der Ukraine und vorgezogene Wahlen noch ab. „Wir haben noch keine offizielle Ankündigung“, erklärte eine Sprecherin am Freitag in Brüssel. „Wir erwarten Nachrichten aus Kiew.“

Zwei in der Ukraine stark vertretene österreichische Banken haben ihre wegen der Zusammenstöße in Kiew geschlossenen Filialen am Freitag wieder geöffnet. Die RBI -Tochter Aval Raiffeisen habe alle bis auf fünf Filialen im Stadtzentrum wieder geöffnet, sagte eine Sprecherin. Aval ist mit 800 Filialen die viertgrößte Bank des Landes. Auch bei der zu UniCredit gehörenden Bank Austria seien bis auf vier Niederlassungen in der Nähe des Unabhängigkeitsplatzes (Maidan) alle Standorte von zehn bis 15 Uhr geöffnet, sagte ein Sprecher. Die UniCredit stellt die sechstgrößte Bank des Landes mit rund 380 Filialen. Sowohl RBI als auch UniCredit besitzen auch ukrainische Staatsanleihen: Raiffeisen im Umfang von 534 Millionen Euro, UniCredit von 220 Millionen Euro. Viele andere Banken haben sich schon in den vergangenen Jahren aus dem Land zurückgezogen - darunter die Erste Group, Commerzbank und die schwedische SEB und die Swedbank. Auch Raiffeisen hatte zuletzt einen Verkauf ihrer Tochter geprüft - das dürfte nun angesichts der Krise schwierig werden. UniCredit hatte Ende vergangenen Jahres eine Trennung von der Ukraine-Tochter nicht ausgeschlossen. Verkaufsverhandlungen gebe es allerdings nicht.

Zu Mittag dann die Ernüchterung: Führung und Opposition haben sich in Kiew noch nicht auf eine Lösung der politischen Krise geeinigt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wolle sich erneut mit der Opposition treffen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa in Kiew am Freitagmittag aus Delegationskreisen.

Am Vormittag hieß es, es sei eine Einigung zwischen Regierung und Opposition sei erzielt worden - später sollte sich herausstellen, dass Präsident Janukowitsch zu früh vorgesprescht ist.

Die Demonstranten sind - solange Janukowitsch im Amt ist - ohnehin nicht einverstanden mit einer Einigung. Sie verharren weiter auf dem Maidan, versorgen sich weiter mit Reifen und Pflastersteinen.

Nach den schweren Auseinandersetzungen mit vielen Toten zwischen Regierung und Opposition steht die Ukraine nach Meinung der US-Ratingagentur Standard & Poor's kurz vor der Pleite. Ein Zahlungsausfall des in einer Staatskrise steckenden Landes werde immer wahrscheinlicher. Entsprechend senkte S&P die Bonitätsnote der Ukraine um eine Stufe auf „CCC“ mit negativem Ausblick, teilte S&P am Freitag mit.

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