Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

Nordkorea hat mehreren Ländern eine Evakuierung ihrer Botschaften nahegelegt und bringt Raketen in Stellung.

Nordkorea legt in Sachen Kriegsrhetorik noch eins nach: Das Außenministerium in Nordkorea hat nach russischen Angaben mehreren Ländern eine Evakuierung ihrer Botschaften in Pjöngjang vorgeschlagen. Moskaus Vertretung habe ein entsprechendes Schreiben erhalten, teilte der russische Presseattaché Denis Samssonow mit. Der russische Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich besorgt. "Wir klären gerade die Einzelheiten, dann treffen wir eine Entscheidung", sagte Lawrow. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des russischen Außenministeriums schloss eine Evakuierung der Botschaft in Pjöngjang nicht aus. "Vorrang hat die Sicherheit unserer Bürger", betonte der Diplomat. Er warnte vor "unüberlegten Schritten" im Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm. "Das Überschreiten der roten Linie kann verhängnisvoll sein", sagte er.

Auch Großbritannien wurde vor Gefahren für das britische Botschaftspersonal in Pjöngjang gewarnt. Man habe eine Mitteilung erhalten, in der stehe, dass Nordkorea "im Falle eines Konflikts nach dem 10. April" nicht in der Lage sei, Botschaften und internationale Organisationen zu schützen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in London. Eine Aufforderung zur Evakuierung der Vertretung habe es aber nicht gegeben.

Es gebe auch keine Pläne, die Botschaft zu räumen, hieß es weiter. Vielmehr müsse Nordkorea mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten und sich verantwortungsvoll verhalten, sagte der Sprecher. Die Warnung bezeichnete er als "Teil der derzeitigen Rhetorik Nordkoreas".

Nordkorea hat außerdem der deutschen Regierung empfohlen, die deutsche Botschaft in Pjöngjang zu räumen. Offiziell hieß es vom Auswärtigen Amt in Berlin am Freitag nur: "Die Sicherheit und Arbeitsmöglichkeit unserer Botschaft in Pjöngjang wird angesichts der Eskalation laufend überprüft."

Raketen an Ostküste verlegt

Nordkorea hat nach Angaben aus Seoul eine zweite Mittelstreckenrakete an seine Ostküste verlegt. Pjöngjang habe "Anfang der Woche" insgesamt zwei Raketen per Zug zu seiner Ostküste gebracht und sie auf mobilen Abschussrampen installiert, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen südkoreanischen Regierungsvertreter. Das Verteidigungsministerium in Seoul, das am Donnerstag die Verlegung einer Mittelstreckenrakete bestätigt hatte, äußerte sich zunächst nicht dazu.

Die Raketen haben eine Reichweite von rund 3000 Kilometern, die auf bis zu 4000 Kilometer ausgebaut werden kann. Damit können die Raketen theoretisch die Pazifikinsel Guam erreichen, ein Außengebiet der USA. Experten sehen Nordkorea aktuell allerdings nicht in der Lage, das US-Festland anzugreifen. Nordkorea hatte bereits vor einem Monat mit einem Präventivschlag gegen die USA gedroht. Vergangene Woche ordnete die Armee an, Raketen für einen Angriff in Bereitschaft zu versetzen.

Wer fürchtet sich vor Nordkorea?

Wer hat die Bombe?

Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

Mordopfer Brunnemarkt, Maria Eschelmüller…
Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

dapdA U.S. Navy F/A-18E Super Hornet fighter attack aircraft taxies on to a steam catapult to launch off the deck of the USS George Washington, during a joint military exercise off South Koreas West Sea, in South Koreas West Sea on Tuesday, Nov. 30, 2010.
Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

File photo of Britain's Royal Navy nuclear-powered
Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

MARINE NATIONALEThe new nuclear powered aircraft carrier Charles de Gaulle enters Toulon harbor, southern France, as it ends its first trip to sea, Wednesday Oct.4, 2000. The vessel will undergo more tests before the end of the year. (AP PHOTO/Marine Nati
Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

epa000280922 (FILES) An undated file picture of USAF F-117 stealth fighter delivering a 2000-pound guided bomb unit GBU-27. The US plans to sell Israel 319 million dollars worth of air-launched bombs, including 500 bunker busters, which have the potential
Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

An army vehicle, carrying the long range surface-to-surface Ghauri missile, passes a portrait of the nations founder Mohammad Ali Jinnah, during a military parade to mark Pakistan day in Islamabad in this March 23, 1999 file photo. Pakistan test fired a s
Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

REUTERSNorth Koreans carry flags and banners during an anti-South Korea rally in Pyongyang in this still image taken from video broadcast by North Korean state TV on March 4, 2012. North Korea threatened "sacred war" against the South in a huge rally in t
Nordkorea empfiehlt Räumung der Botschaften

EPAepa02482593 (FILE) A file photograph showing Mahmoud Ahmadinejad, President of Iran speaks at the opening meeting of the 2010 High-level Review Conference of the Parties to the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons at United Nations Headqu

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat Nordkorea im Konflikt mit den USA und Südkorea zu einem Kurswechsel aufgerufen. "Atomwaffen sind kein Spielzeug", betonte der Südkoreaner am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Madrid. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel außer Kontrolle gerate. Die USA haben unterdessen nach eigenen Angaben "alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen" eingeleitet.

"Man hat die Dinge zu weit getrieben", sagte Ban nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. "Ich bin besorgt, denn jeder Kalkulationsfehler und jede Fehleinschätzung können in der jetzigen Lage auf der koreanischen Halbinsel eine Krise auslösen, die äußerst schwerwiegende Folgen hätte." Nun sollten alle Seiten zur Entspannung der Lage beitragen.

USA ergreifen "Vorsichtsmaßnahmen"

US-Präsidentensprecher Jay Carney sagte am Donnerstag an Bord der Air Force One, alle erforderlichen Maßnahmen würden ergriffen. Zugleich bezeichnete er die Kriegsdrohungen Nordkoreas als "altbekannte Verhaltensmuster" der Führung in Pjöngjang. Sie seien "bedauerlich, aber vertraut".

Der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee hatte zuvor mitgeteilt, es sei nun offiziell grünes Licht für einen Atomangriff auf die USA gegeben worden. Washington forderte Pjöngjang daraufhin auf, seine Kriegsrhetorik einzustellen. Das Pentagon kündigte angesichts der anhaltenden Drohungen aus Pjöngjang die Stationierung eines Raketenabwehrsystems auf der US-Pazifik-Insel Guam an.

Experten sehen das kommunistische Nordkorea aktuell nicht in der Lage, das US-Festland anzugreifen. Pjöngjang drohte aber mit Angriffen auf Guam und Hawaii sowie auf Südkorea und Japan, wo zehntausende US-Soldaten stationiert sind.

Zwei Mal drohte Diktator Kim Jong Un den USA bereits mit einem Atomschlag. Was, so fragt sich die ganze Welt, führt das Regime in Pjöngjang im Schilde, und wie hoch ist die Kriegsgefahr wirklich? Der KURIER versucht die wichtigsten Fragen der jüngsten Nordkorea-Krise zu beantworten.

Will Nordkoreas Diktator Kim Jong Un Krieg? Gegen wen und warum?

Selbst in den USA, Hauptziel der martialischen Drohungen aus Nordkorea, bleibt man gelassen. Aller Kriegsrhetorik zum Trotz hat Nordkorea auf dem Boden der realen Tatsachen bisher keine militärischen Schritte gesetzt, die einen tatsächlichen Raketenangriff erkennen lassen würden. „Das Risiko gefährlicher Zwischenfälle ist groß“, sagte gestern ein Berater von US-Präsident Obama, „aber die US-Regierung geht davon aus, dass Nordkorea nicht in den Krieg ziehen wird. Das wichtigste und erste Ziel des Regimes in Pjöngjang ist es, sein System zu erhalten.“ Ein Krieg, den Nordkorea nie gewinnen könnte, wäre auch das Ende der Kim-Diktatur.

Warum kämpft das bitterarme Nordkorea darum, Atomwaffen zu besitzen?Seit Jahrzehnten sieht das Regime darin eine Art Lebensversicherung. Als Nuklearstaat , so das Kalkül, sei man vor Angriffen und Invasionen geschützt. Von seiner Atompolitik wird das Regime deshalb trotz aller UN-Sanktionen nicht abrücken.

Warum stößt Nordkoreas Führung immer neue Drohungen aus, was will Pjöngjang wirklich?

Die alljährlichen, bis Ende April dauernden Manöver südkoreanischer und amerikanischer Truppen haben in Pjöngjang schon bisher immer wütende Kriegsrhetorik ausgelöst – nie allerdings so heftig wie derzeit. Zudem wurde Nordkorea heuer mit den bis dato strengsten UN-Sanktionen belegt, was Nordkorea ebenfalls schwer erzürnte. Mit martialischen Gebärden nach außen könnte der erst seit 16 Monaten amtierende Jung-Diktator zudem seine Stellung im Inneren festigen, vermuten Experten in Seoul – zumal es im Vorjahr auch Kritik des allmächtigen Militärs an Kim Jong Un gegeben haben soll. Dieser hatte die Armeespitze abberufen und mit seinen Getreuen nachbesetzt. Südkoreanischen Geheimdienstberichten zufolge ließ der Diktator daraufhin seine Häuser monatelang mit gepanzerten Wagen umstellen und seinen Personenschutz massiv verstärken.

Spüren auch die Nordkoreaner die Spannungen?

Nordkoreas Medien schüren unablässig die Angst vor einer Invasion der „amerikanischen Imperialisten“. Doch daran sind die Menschen gewöhnt. Deutlich zugenommen haben hingegen im Vormonat die Luftschutzübungen für Zivilisten. Teilzunehmen ist Pflicht – auch wenn man dafür stundenlang in eiskalten Bunkern sitzen muss.

Bedeutet die Ernennung eines neuen Premiers ein Signal für Wirtschaftsreformen?

Tatsächlich hatte der nun wieder eingesetzte Ministerpräsident Pak Pong Ju schon einmal erfolgreich Wirtschaftsliberalisierungen durchgesetzt, ehe er wieder abgesetzt worden war. Will Pjöngjang nun aber Reformen angehen, braucht das Land Frieden – und massive internationale Wirtschaftshilfe. Gegen Reformen spricht auch Nordkoreas Blockade seines eigenen, bisher erfolgreichsten Wirtschaftsmodells: Die von Südkorea finanzierte Sonderwirtschaftszone Kaesong ist seit drei Tagen gesperrt. Wird sie, wie Nordkorea nun droht, ganz gesperrt, entgehen dem Regime jährlich Einnahmen von 100 Mio. Dollar.

Gibt es einen Weg, Nordkorea friedlich einzubremsen?

So lange Nordkorea seine selbst gewählte Abschottung von der ganze Welt weiter pflegt, hat nur sein Nachbar China – begrenzten – Einfluss. Über Peking laufen die einzigen noch offenen Finanzflüsse, ohne Chinas Ölexporte würden Nordkoreas Energieversorgung und Industrieproduktion zusammenbrechen. Doch Chinas primäres Interesse an Nordkorea ist eine stabile Nachbarschaft. Maßnahmen, die das Regime in Pjöngjang schwächen oder gar stürzen könnten, wird China nicht setzen.KURIER.at/auslandLaufend aktuelle Berichteüber den Atomstreit zwischen Nordkorea und den USA sowie mehr Informationen über die Atommächte finden Sie online.

Kommentare