Jeder dritte Italiener für Loslösung von Rom

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Foto: EPA/MASSIMO PERCOSSI Ein Drittel der Italiener will weg von Rom.

Separatistische Bestrebungen innerhalb der EU nehmen zu: Auch Teile Italiens wollen sich von Rom abspalten.

Während sich mehr als 1,6 Millionen Menschen bei der inoffiziellen Volksbefragung in Katalonien für die Abspaltung ihrer Region von Spanien ausgesprochen haben, nehmen auch in Italien separatistische Bestrebungen zu. Jeder dritte Italiener will sich von Rom loslösen, geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage der römischen Tageszeitung La Repubblica hervor.

Separatistische Tendenzen wachsen nicht nur in Norditalien, wo die rechtsföderalistische Oppositionspartei Lega Nord seit Jahren mit ihren sezessionistischen Slogans Erfolg hatte. Auch auf Sizilien und Sardinien wächst die Forderung nach einer Loslösung von der Zentralregierung in Rom. 45 Prozent der Befragten auf Sardinien drängen auf ihre Unabhängigkeit, in Sizilien liegt dieser Prozentsatz bei 44 Prozent.

Veneto fordert Sonderstatus

Am stärksten ist die Forderung nach Unabhängigkeit im norditalienischen Veneto. 53 Prozent der Befragten befürworten laut der Umfrage die Trennung vom Rest Italiens. Das regionale Parlament des Venetos hat sich bereits in den vergangenen Monaten für ein Referendum für die Einführung eines Sonderstatuts nach dem Südtirol-Modell ausgesprochen. Gegen das regionale Gesetz, mit dem das Referendum ausgeschrieben wurde, stemmt sich jedoch die Zentralregierung in Rom, die es als verfassungswidrig bezeichnet. Der Fall muss jetzt vom Verfassungsgericht überprüft werden.

Im vergangenen März hatten Separatisten im Veneto ein Online-Unabhängigkeitsreferendum ohne politische oder rechtliche Verbindlichkeit organisiert, bei dem 89 Prozent von angeblich 2,36 Millionen Wahlbeteiligten ihr "Ja" zur Selbstbestimmung abgegeben haben. Die hohe Beteiligung wurde jedoch bestritten. Die Separatisten versprechen weitere Initiativen in Richtung einer Gründung der "Republik Venedig".

Hintergrund

Unabhängig durch Abspaltung

Abspaltungsbewegungen gibt es auch in Schottland (mehr dazu hier) und Belgien, sowie vereinzelt in der Bretagne und in Bayern. Auf Korsika und im Baskenland gibt es immer wieder terroristische Attentate durch Separatisten. Die Republika Srpska strebt die Unabhängigkeit von Bosnien und Herzegowina an. Ebenso Grönland: Die geologisch zu Nordamerika gehörende größte Insel der Erde hofft auf den Klimawandel. Was anderswo auf dem Globus als Bedrohung gesehen wird, weckt bei den Grönländern die Hoffnung auf Wohlstand und staatliche Unabhängigkeit.

Als Separatismus werden Sezessionsbestrebungen einer Teilbevölkerung bezeichnet. Sie gehen nicht zwangsläufug mit kriegerischen Auseinandersetzungen einher. Separatismus wird häufig mit Regionalismus und Nationalismus assoziiert.

(apa / dk) Erstellt am
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