Afghanische Talibanführer verstecken sich in Pakistan

John Kerry, Sartaj Aziz
Foto: AP/Cliff Owen Sartaj Aziz

Bisher hatte die pakistanische Regierung dies stets dementiert, nun redet ein Vertreter Klartext.

Zum ersten Mal hat ein pakistanischer Regierungsvertreter eingeräumt, dass das Land den afghanischen Taliban Unterschlupf gewährt. Die Führungsriege der Extremisten verstecke sich in Pakistan, erklärte der außenpolitische Berater der pakistanischen Regierung, Sartaj Aziz, laut einem Redemanuskript, das das US-Politikinstitut Council on Foreign Affairs auf seiner Internetseite veröffentlichte.

"Wir haben einen gewissen Einfluss auf sie, weil ihre Führung in Pakistan ist", sagte Aziz. Die afghanische Regierung wirft dem Nachbarland schon seit langem vor, den Taliban im Grenzgebiet Unterschlupf zu gewähren. Bisher hatte die pakistanische Regierung dies aber stets dementiert.

Aziz sagte nun bei seiner Rede am Dienstag in Washington, dass die Talibanführer zusammen mit ihren Familien in Pakistan lebten. Sie würden dort auch medizinisch versorgt. Seinen Angaben zufolge will sich die pakistanische Regierung diese Tatsache nun zunutze machen, um die Taliban zu Friedensgesprächen mit der afghanischen Regierung zu bewegen.

Zähe Friedensverhandlungen

Schon vor einem ersten Anlauf zu Gesprächen im vergangenen Juli habe Pakistan den Bewegungsspielraum der Taliban-Führer und "ihren Zugang zu Krankenhäusern und anderen Einrichtungen eingeschränkt", um sie an den Verhandlungstisch zu zwingen, sagte der Regierungsberater. Islamabad habe ihnen auch damit gedroht, sie letztlich sogar aus dem Land zu werfen.

Eine internationale Koordinierungsgruppe setzt sich derzeit für eine Wiederaufnahme direkter Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban ein. An der Gruppe sind Afghanistan, Pakistan, die USA und China beteiligt. Wie es nach einem Vorbereitungstreffen im Februar hieß, sollen die Gespräche in der ersten Märzwoche in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad stattfinden.

Im Juli hatte es bereits einen ersten Anlauf zu Friedensgesprächen mit den Taliban gegeben. Sie kamen aber zum Erliegen, als der Tod von Taliban-Führer Mullah Omar bekanntgegeben wurde. Durch die Ernennung seines Nachfolgers Mullah Akhtar Mansour brachen interne Konflikte unter den Taliban weiter auf.

(APA / tan) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?