Das Terrornetzwerk von Abdelhamid Abaaoud

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Foto: AP/Uncredited Abdelhamid Abaaoud

Brüsseler Attentäter und der mutmaßliche Drahtzieher von Paris standen in Kontakt.

Zwei Tage nach den Terroranschlägen von Brüssel kommt zunehmend Licht in das dahinterliegende Netzwerk. Es wird immer klarer, dass sowohl bei den verheerenden Attacken von Paris im November als auch am Dienstag in der belgischen Hauptstadt dieselbe Terrorzelle am Werk war. Im Zentrum steht dabei Abdelhamid Abaaoud, der im Brüssler Stadtteil Molenbeek geborene, mutmaßliche Drahtzieher von Paris.

In den Ermittlungen taucht immer wieder Abaaoud auf

Abaaoud selbst wurde zwar bei einer Razzia im Paris Vorort Saint Denis wenige Tage nach den Anschlägen vom November getötet. Sein Name taucht jedoch in den Ermittlungsberichten zu zahlreichen - teils gescheiterten oder vereitelten - Attentaten der letzten beiden Jahre auf. So stand er etwa in telefonischem Kontakt zu Mehdi Nemmouche, der im Mai 2014 einen Anschlag auf das jüdische Museum in Brüssel verübte. Auch in den Ermittlungen zum vereitelten Attentat im Thalys-Schnellzug zwischen Brüssel und Paris im August 2015 taucht sein Name auf.

Verbindung zu den Attentätern von Brüssel

Teil der Zelle rund um Abaaoud waren auch die Brüder Brahim und Khalid El Bakraoui. Brahim war einer der beiden Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen, Khalid zündete seinen Sprengsatz in der Metrostation Maelbeek. Letzterer wird zudem verdächtigt, zwei Wohnungen gemietet zu haben, die den Terrorkommandos des 13. November als Unterschlupf dienten. Darunter jene im Brüsseler Stadtteil Forest, in der sich der seit damals in ganz Europa gesuchte Salah Abdeslam bis zum 15. März versteckte, als sie von der belgischen Polizei gestürmt wurde. Abdeslam gelang die Flucht, er wurde drei Tage später in einem Apartment im Viertel Molenbeek festgenommen.

Welche Rolle genau Abdeslam bei den Attentaten von Paris gespielt hat, ist offen. Gesichert scheint, dass er sich zum Anschlagzeitpunkt in Paris aufhielt, möglicherweise trug er auch einen Sprengstoffgürtel, den er nicht zur Explosion brachte.

DNA-Spuren

Mehr gesicherte Informationen gibt es zu Najim Laachraoui, dem nach Angaben aus Polizeikreisen zweiten Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen. Er wird verdächtigt, jene Sprengsätze hergestellt zu haben, die bei den Anschlägen auf die Pariser Konzerthalle Bataclan und das Stade de France zum Einsatz kamen - die Ermittler fanden seine DNA auf beiden. Zudem wird er verdächtigt, von Brüssel aus die Attacken in Paris koordiniert zu haben.

Sowohl Abdeslam als auch Laachraoui hielten sich laut der belgischen Justiz im Vorfeld der Anschläge von Paris zudem in Österreich auf. Beide wurden am 9. September an der österreichisch-ungarischen Grenze kontrolliert, jedoch nicht festgenommen. Begleitet wurden sie von Mohamed Belkaid, der beim Polizeieinsatz im Brüsseler Stadtteil Forest am 15. März getötet wurde. Und noch eine weitere Österreich-Verbindung gibt es: Im Dezember wurden in Salzburg ein Pakistani und ein Algerier verhaftet, die mit falschen syrischen Pässen als Flüchtlinge eingereist waren. Sie befinden sich aktuell in Untersuchungshaft. Laut einem Bericht der französischen Zeitung "Le Parisien" sollen von ihnen getätigte Telefongespräche direkt auf das Umfeld von Abdelhamid Abaaoud verweisen.

(APA / cp) Erstellt am
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