"Das Böse hat unsere Gemeinde besucht"

Nach dem grauenhaften Blutbad in Connecticut mit 27 Toten herrscht Fassungslosigkeit in den USA. Präsident Obama ringt unter Tränen mit den Worten.

Zwei geschockte Schüler der "Sandy Hook"-Grundschule weinen nach dem Amoklauf in Newtown. Für weitere Bilder bitte weiterblättern. Amerika ist nach der Gräueltat unter Schock. Überall in den USA wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Am Abend gedachte Newtown in seinen Kirchen der Opfer. Im Gotteshaus ist es ganz still, nur von draußen dringt immer wieder Sirenengeheul herein. Draußen vor der Tür brennen kleine Lichter. Es sind 26. Dem Täter mag hier niemand gedenken. Vor dem Weißen Haus hielten Waffen-Kritiker eine Mahnwache ab. Sie fordern eine Verschärfung der laxen Gesetze.

Entsetzen und Fassungslosigkeit in den USA: Ein Amokläufer tötet in einer Grundschule 20 Kinder und sechs Erwachsene. US-Medien sprechen von einem der schlimmsten Massaker in der Geschichte des Landes. Auch der mutmaßliche Täter kam nach Angaben der Polizei ums Leben. Präsident Barack Obama musste bei einer Rede im US-Fernsehen mit den Tränen kämpfen. Bereits Stunden nach dem Blutbad flammt der Streit über die laxen Waffengesetze in den USA neu auf (siehe Bildergalerie unten). Waffen-Kritiker hielten eine Mahnwache vor dem Weißen Haus. Das Motiv der Tat liegt im Dunklen.

Andrew Jacobs prays as his twin brother Matthew Ja Foto: Reuters/JOSHUA LOTT Mahnwache in Newtown

Das Verbrechen ereignete sich in der idyllischen Kleinstadt Newtown nördlich von New York im Bundesstaat Connecticut kurz nach Schulbeginn am Freitag (Ortszeit). Nach Angaben des TV-Senders CNN identifizierten die Behörden den mutmaßlichen Täter als den 20-jährigen Adam L. Nähere Angaben über ihn lagen zunächst nicht vor. Er sei ganz in schwarz gekleidet in die Sandy Hook Elementary School eingedrungen und habe das Feuer eröffnet. Grundschüler sind in den USA zwischen fünf und zehn Jahren alt. Im ganzen Land wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Bis zu 100 Schüsse

Unbestätigten Berichten zufolge gab der Eindringling bis zu 100 Schüsse ab - so viel wie die österreichischen Polizei im ganzen Jahr 2011 nicht verschossen hat (2011 waren es 81 Schüsse). Lehrer versuchten in Panik, ihre Schüler in Sicherheit zu bringen. Einige versteckten sich nach Angaben von Augenzeugen in einer Toilette, andere in einem Schrank. Die Polizei stellte drei Waffen sicher: Ein halbautomatisches Sturmgewehr und zwei Pistolen.

APTOPIX Connecticut School Shooting Foto: AP/Shannon Hicks Ein Polizist führt zwei Kinder und einer Frau nach der Schießereiaus der Schule

Den ermittelnden Beamten habe sich in der Grundschule ein "Bild des Grauens" geboten. "So etwas haben wir niemals zuvor gesehen", sagte Paul Vance von der Staatspolizei Connecticut vor Journalisten in Newtown.

Schütze tötete auch seine Mutter

Laut CNN ist auch die Mutter des mutmaßlichen Amokläufers, Nancy L., unter den Opfern. Sie habe als Lehrerin an der Schule gearbeitet. Ihre Leiche sei in ihrer Wohnung in Newtown gefunden worden. Unklar sei aber, wann sie getötet wurde. Der ältere Bruder des mutmaßlichen Täters, Ryan L., wurde den Berichten zufolge von der Polizei verhört.

"Es war entsetzlich", beschrieb eine 29-jährige Lehrerin das Horrorszenario an ihrer Schule. "Ich habe nicht geglaubt, dass wir überleben würden", sagte Kaitlin Roig dem US-Sender ABC. Als sie Schüsse hörte, habe sie sich mit ihren 14 Schülern auf der Toilette eingeschlossen. "Ich habe ihnen gesagt, sie müssten absolut still sein". "Es wird alles gut werden", habe sie die weinenden Kinder getröstet, erzählte die Lehrerin unter Tränen.

APTOPIX Obama Connecticut School Shooting Foto: AP/Charles Dharapak Obama kämpft während seiner Pressekonferenz mit den Tränen

Aber nicht nur die Kleinstadt Newtown, sondern ganz Amerika ist nach der Gräueltat unter Schock. Politiker suchten verzweifelt nach Worten. "Unsere Herzen sind gebrochen", sagte Obama. "Heute Abend werde ich tun, was alle Eltern tun werden: Ich werde meine Kinder noch fester umarmen." Derartige Tragödien passierten zu häufig in den USA. Obama deutete die Notwendigkeit an, gegen die lockeren Waffengesetze vorzugehen (siehe Video).

Gouverneur: "Das Böse hat unsere Gemeinde besucht"

Der Gouverneur des Bundesstaates Connecticut, Dan Malloy, sagte: "Das Böse hat unsere Gemeinde besucht. Es ist eine schreckliche Zeit", sagte er und fügte tröstend hinzu: "Wir werden damit fertig werden."

Augenzeugenberichte auf CNN:



Augenzeugen sprachen von chaotischen Szenen in der Schule. "Es machte Bang, Bang, ich habe Schreie gehört", schilderte ein Junge die Szene. Dann seien Polizisten und Lehrer in sein Klassenzimmer gestürmt und hätten die Schüler aus dem Raum gedrängt.

Der Amokläufer habe mindestens 100 Schüsse abgegeben, sagte eine Schülerin einem Lokalsender. Ein Kind berichtete, die Lehrer hätten sie mit der Begründung aus der Schule geführt, dass es dort "ein wildes Tier" gebe.

20 Kinder getötet

Nach Angaben der Polizei waren 18 der Kinder auf der Stelle tot, zwei weitere starben später im Krankenhaus. CNN zufolge befinden sich auch die Schuldirektorin und ein Schulpsychologe unter den Opfern. Sie hätten während einer Konferenz die Schüsse gehört und seien zusammen mit dem stellvertretenden Schulleiter aus dem Raum gegangen, um nachzusehen. Nur der Vizedirektor sei verletzt zurückgekehrt.

Die endgültige Identifizierung der 26 Opfer wird frühestens im Laufe des Samstag abgeschlossen werden. Es handle sich um eine "gewaltige Untersuchung", sagte Polizei-Lieutenant Vance. Es geben derzeit nur eine vorläufige Liste mit den Namen der getöteten 20 Kinder und 6 Erwachsenen. Die Familien seien entsprechend informiert worden.

Der Todesschütze verübte offenbar Selbstmord: Nach Angaben der Behörden gaben die Polizisten bei ihrem Einsatz keinen Schuss ab.

Weltweite Bestürzung

Das Massaker an der Schule in Connecticut ist weltweit auf Entsetzen gestoßen. Papst Benedikt XVI. sandte ein Kondolenzschreiben an die Gemeinde in der Stadt Newtown, das bei einem Gottesdienst in dem Ort am Freitagabend vorgetragen wurde. "Ich bitte Gott, unseren Vater, all denen Trost zu spenden, die trauern, und der gesamten Gemeinde die spirituelle Kraft zu geben, die mit der Macht der Vergebung, Hoffnung und versöhnender Liebe über Gewalt triumphiert", schrieb das katholische Kirchenoberhaupt.

Zuvor hatten sich bereits UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Queen Elizabeth II., die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso bestürzt über die Tat gezeigt. Auch der britische Premier David Cameron, Frankreichs Präsident Francois Hollande, Kanadas Premier Stephen Harper und die australische Regierungschefin Julia Gillard drückten ihr Mitgefühl aus.

Weiterführende Links

Hintergrundbericht über Massaker in den USA (Washington Post)

Live-Blog bei The Atlantic Wire

(APA/dpa / jt) Erstellt am

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