"Wird Zeit brauchen ISIS zu zerschlagen"

Alexa Wesner
Foto: KURIER/Jeff Mangione US-Botschafterin Alexa Wesner hat sich mit Familie gut eingelebt.

Seit einem Jahr ist die Alexa Wesner neue US-Botschafterin. Ihre Bilanz, Spionage in Wien und IS-Terror.

KURIER: Frau Wesner, Sie leben nun ein Jahr mit Ihrer Familie in Österreich. Wie gut kennen Sie Österreich schon?

Alexa Wesner: Absolut. Als ich vor einem Jahr nach Österreich kam, waren gerade die Nationalratswahlen. Das war für mich sehr spannend, weil das Wahlsystem hier ein ganz anderes als in den USA ist. In den ersten beiden Monaten war ich sehr fokussiert, dass der Umzug gut klappt, sich meine Kinder in der Schule gut einleben.

Aber mittlerweile habe ich jedes Bundesland zumindest ein Mal besucht, habe die wichtigsten Unternehmer und Politiker getroffen, war mehrmals in den Bergen. Ich bin unheimlich in dieses Grün verliebt, selbst wenn es regnet (lacht). Auch meine Familie liebt das Land.

Der Job ist natürlich hart, aber dieses schöne Umfeld macht es leichter.

In dieser Woche starteten die Bombardements gegen IS-Terrormilizen. Mit an Bord waren arabische Staaten. Ist es nicht problematisch, Länder an Bord zu holen, die mitgeholfen haben, den IS-Terror groß zu machen?

Der Präsident hat in seiner Rede an die Nation am 10. September klargestellt, dass die USA nicht zögern werden, direkt gegen ISIS und Terroristen innerhalb Syriens, die die USA bedrohen, vorzugehen. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien, Bahrain und Katar haben sich uns angeschlossen. Amerika ist stolz auf den Schulterschluss mit diesen Staaten im Zeichen unserer gemeinsamen Sicherheit. Wir handeln hier nicht allein. Über 40 Staaten sind in der Koalition gegen ISIS vereint, einschließlich Österreich. Präsident Fischer hat festgestellt, dass Österreich den Aktivitäten des ISIS nicht neutral gegenübersteht, da diese im krassen Gegensatz zum Islam stehen und eine Verletzung internationalen Rechtes und der Menschenrechte darstellen. Ich meine, dass wir diese moralische und ethische Herausforderung nicht ignorieren dürfen.

Lässt die schärfere Sprache von Präsident Obama vor der UNO darauf schließen, dass der Präsident nun zu allem bereit ist und doch früher oder später Bodentruppen schicken wird?

Der Präsident hat bei mehreren Gelegenheiten, so auch am Mittwoch vor den Vereinten Nationen, unterstrichen, dass wir keine US-Truppen schicken werden, um andere Länder zu okkupieren. Unser Ziel ist es, die Organisation so zu zerschlagen, dass ISIS keine Bedrohung mehr darstellen kann. Das wird Zeit brauchen, da ISIS sich überall verschanzt hat. Gemeinsam mit unseren Partnern können wir die Miliz systematisch zurückdrängen, das Operationsgebiet einschränken, Geldflüsse und Waffenlieferungen unterbinden, und somit diese Bedrohung methodisch und unaufhaltsam am Weiterbestand hindern.

Was unternimmt die USA, dass der IS-Terror nicht auf den nordamerikanischen Kontinent kommt?

Wir glauben, dass sich tausende Personen – auch aus Europa und Amerika – ISIS in Syrien und dem Irak angeschlossen haben. Viele Amerikaner sind angesichts dieser Bedrohung besorgt.

Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?

Das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP hat meine absolute Priorität. Der Handel bringt 30 Millionen Jobs auf beiden Seiten. TTIP könnte die Wertschöpfung in der EU jährlich um 120 Milliarden Euro steigern und 400.000 neue Jobs schaffen. Das ist eine extrem gute Sache, wir brauchen und wollen sie.

Mit diesem Thema werden Sie bei dem Österreicher auf keine offenen Ohren stoßen. Die Österreicher sehen das Abkommen sehr kritisch?

Ich gebe auch zu, da gibt es auch ein oder zwei Kritikpunkte.

Alexa Wesner Foto: KURIER/Jeff Mangione Welche?

GMO (Anmerk. d. Red. gentechnisch modifizierter Organismus)und ISDS (Sonderklagsrechte von Konzernen gegen Staaten) sind zwei Themen, die ganz oben auf der Verhandlungsliste stehen. Aber wir wollen alle dasselbe, das sollten wir nicht aus den Augen verlieren: Mehr Jobs und einen freien Markt.

Wie nehmen Sie die Angst vor dem Chlorhuhn?

TTIP wird keine Standards senken. Im Gegenteil: Es wird sie hoffentlich noch erhöhen. Ich verstehe zwar die Sorgen auf dem Gebiet, allerdings ist es auch so, dass bezüglich TTIP viele Falschinformationen kursieren. Die größte Gefahr bei Fleisch ist, dass es kontaminiert ist. In den USA reduzieren wir dieses Risiko auch durch Chlorierung. Aber keiner wird gezwungen, ein Chlorhuhn zu kaufen.

Letztes Jahr machte eine Villa im 18. Wiener Bezirk, in Pötzleinsdorf, Schlagzeilen. Diese gehört der US-Botschaft, ist voll mit Antennen und soll als Abhörzentrale der USA hier in Österreich dienen. Liegt dort Ihr Spionagezentrum?

All diese Berichte waren nicht richtig. In dieser Villa ist eine Außenstelle des "Open Source Center" untergebracht und das schon seit 40 Jahren. Dort sind keine NSA-Mitarbeiter beschäftigt, dort arbeiten Österreicher.

Was machen die Österreicher in der Villa?

Sie sammeln Daten und werten diese aus. Öffentlich zugängliche Daten, aus Medien, aus Berichten, Sozialen Medien und Analysen. Das sind Informationen, auf die Sie und ich genauso Zugriff haben und die dann jedem zugänglich gemacht werden, der daran Interesse hat.

In den letzten Tagen gab es Berichte, dass auf der Donauplatte nicht unweit von der UNO-City ein Abhörzentrum der NSA liegt. Ist das auch nicht wahr?

Ich kann zu diesen Medienspekulationen keinen Kommentar abgeben.

In Wien geschieht also keine Spionage?

Nein, nichts Geheimes.

US-Botschafterin Alexa Wesner

Texanerin in Wien Die 42-Jährige aus Austin, Texas, stammt aus einer deutsch-baltischen Einwanderer-Familie und ist mit dem Investor Blaine Wesner verheiratet. Das Paar hat drei Kinder. Wesner ist Stanford-Absolventin und war erfolgreiche Leichtathletin und Triathletin . Daneben arbeitete sie in einer Softwarefirma und gründete Mitte der 90er-Jahre ein Hightech-Unternehmen.

Wesner und ihr Mann waren Großspender für den Wahlkampf des Präsidenten. Im Mai 2011 gaben sie ein Spendensammel-Dinner in ihrem Haus, bei dem Obama eine Rede hielt.

(kurier) Erstellt am
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