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KURIER
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande stoßen bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant in Berlin-Mitte auf den Elysee-Vertrag an.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande stoßen bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant in Berlin-Mitte auf den Elysee-Vertrag an. - Foto: AP/Jesco Denzel/Pool

Letztes Update am 22.01.2013, 14:31

Ein Gläschen für die Freundschaft. Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande absolvierten ein Jubiläumsprogramm in Berlin - und sind neuerdings per Du.

Am 22. Jänner 1963  wurde der Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft gelegt: Kanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle leiteten mit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags eine historische Annäherung beider Länder ein. Zum 50. Jahrestag haben beide Staaten nun mit zahlreichen Veranstaltungen der Unterzeichnung des Vertrags gedacht. An den Feiern nehmen unter anderem der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident François Hollande und Premierminister Jean-Marc Ayrault teil.

"Die Chemie stimmt"

Die Partnerschaft zwischen Berlin und Paris ist aber bis heute eine schwierige geblieben. "Kanzlerin Merkel und ihr Amtskollege Hollande sind nicht Adenauer und de Gaulle. Sie hegen füreinander keine große Sympathie", schreibt etwa die Süddeutsche Zeitung. Abhilfe schaffen soll nun das Du-Wort, das die CDU-Vorsitzende dem gleichaltrigen Sozialisten - beide 58 - am Montagabend bei einem Essen im Berliner Restaurant „Luttener und Wegener“ anbot. Hollande nahm sofort an. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag im Kanzleramt leitete Merkel dann bereits weiter: „"Du hast das Wort".“


German Chancellor Merkel and French President Holl
Merkel und Hollande: 'Der Strom fließt auch ohne Elektrizität' - Foto: Reuters/THOMAS PETER

Angesichts der Berichte über angeblich immer noch unterkühlte Beziehungen sagte Merkel: „"Es ist ja vielleicht unser bestgehütetes Geheimnis, dass die Chemie stimmt".“ Der französische Präsident fügte hinzu: „"Der Strom zwischen uns fließt, ohne dass es dazu Elektrizität braucht".“ Merkel hatte sich vergangenes Jahr für eine Wiederwahl von Hollandes konservativem Vorgänger Nicolas Sarkozy stark gemacht. Der Sozialist setzte sich dann aber bei der Wahl im Mai klar durch.

Beide Staaten versicherten, weitere gemeinsame Anstrengungen zur Sicherung der Eurozone unternehmen. Kanzlerin Merkel will im Mai gemeinsam mit Hollande Vorschläge zur Stabilisierung und Vertiefung der Währungsunion vorlegen, die beim Europäischen Rat im Juni diskutiert werden sollten, sagte Merkel.. Es brauche "vor allen Dingen Initiativen für einen verbesserten europäischen Arbeitsmarkt".


Kommentar

Feiern, wo grad nichts zu feiern ist

Deutschland und Frankreich sind just außer Tritt, während Großbritannien ein neues Europa will.

Die deutsche Kanzlerin will Französisch lernen, später, wenn sie mehr Zeit hat. Und der französische Präsident hofft insgeheim auch auf später: Auf September, wenn Angela Merkel vielleicht doch nicht mehr im Amt ist. Dass sie bei der Frankreich-Wahl Nicholas Sarkozy offen unterstützte, hat er ihr nicht verziehen.

Keine Frage: Über den Feiern zur Unterzeichnung des deutsch-französischen Élysée-Vertrages vor 50 Jahren liegt der Schatten der Gegenwart. Adenauer und De Gaulle, Schmidt und Giscard d’Estaing, Kohl und Mitterrand, das waren Achsen, von denen Europa vom Euro bis zur Wiedervereinigung profitiert hat – auch wenn Großbritannien, der dritte große Player, damals wie heute bockte. Merkel und Hollande aber haben, trotz des neuen Per-Du, ein Problem. Nicht nur ein persönliches.

In der Krise haben sich die beiden Staaten auseinanderentwickelt. Deutschland ist der Motor Europas geblieben, gibt den Takt vor: Schuldenabbau, Wettbewerbsfähigkeit, Disziplin – deutsche Tugenden, daran soll der Kontinent genesen. Frankreich wiederum droht der nächste Patient auf dem Chirurgentisch der Krise zu werden, mit einem verkrusteten Staatssystem und einem Präsidenten, der vor Reformen zaudert: Staatliche Wachstumsprogramme und Vergemeinschaftung der Schulden, lautet sein Weg.

Hollande an der Spitze der darbenden Südländer Europas, Merkel im Führerstand Nordens – eine gemeinsame Lokomotive Europas schnurrt anders. Und wenn jetzt noch der Brite David Cameron als Weichensteller auftreten will, der einen Verbleib in der EU von einem Gegenkurs zur gemeinsamen Handlungsfähigkeit vorschlägt, dann ist für Feiern wenig Anlass. Eine wirkliche deutsch-französische Achse wäre dringlicher.

(APA/jt) Erstellt am 22.01.2013, 14:31

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