Letztes Update am 29.07.2012, 15:31
16-Tages-Feier: Argentinien weint um Evita.
Vor 60 Jahren starb Evita Peron - in Argentinien gedenkt man der First Lady ganze 16 Tage lang. Die "Primera Dama“ wird noch heute als Volksheldin verehrt.
María Eva Duarte de Perón ist Argentiniens Gesicht nach außen: Weltweit kennt Evita jedermann – nicht zuletzt, weil Madonna ihr in den 90er Jahren im Film ihre Stimme lieh. Das Land hat die Verstorbene jetzt gewürdigt: Mit einer 16 Tage dauernden Feier.
Erinnert wird mit den Feierlichkeiten an den 60. Todestag der facettenreichen Politikerin und früheren First Lady.
1952 war Evita im Alter von nur 33 Jahren an einer Krebserkrankung verstorben.
Das Land hat der als Volksheldin gefeierten Politikerin nun mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen gedacht – am Grab Evitas am Friedhof Recoleta in Buenos Aires legten viele Anhänger und Touristen Blumen und Kränze nieder.
Staatschefin Cristina Fernandez de Kirchner hatte zuvor anlässlich des Gedenktages einen 100-Peso-Schein mit dem Konterfei Perons vorgestellt - der Geldschein zeigt Evita im Profil, die blonden Haare zu dem für sie typischen Knoten zusammengeschlungen.
Die Politikerin habe nicht nur das Leben der Argentinier geprägt, sie sei ein "Markstein" der Weltgeschichte gewesen, sagte Kirchner.
Ihr Lebensweg begann in kleinen Verhältnissen: Evita – damals trug sie noch Duarte als Zunamen - wurde als eines von fünf unehelichen, aber anerkannten Kindern eines Großgrundbesitzers und dessen Liebhaberin geboren.
Als sie 15 war, verschlug es sie nach Buenos Aires – anfangs arbeitete sie dort als Model, später als Radiomoderatorin, schlussendlich als Schauspielerin.
Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung machte sie die Bekanntschaft Juan Perons und wurde dessen Geliebte. 1945 folgte die Hochzeit.
Dies war eine taktisch kluge Entscheidung Juan Perons: Obwohl die Ehe oft angespannt war und das Paar kinderlos blieb – mediale Debatten über das Sexualleben der Perons waren die Folge -, verhalf Evita ihrem Mann massiv zu politischem Erfolg.
In ihrer wöchentlichen Radioshow wandte sie sich, ganz Populistin, vor allem an die arme Bevölkerungsschicht. Sie forderte die Descamisados - die "Hemdlosen" - gar zu einem Aufstand auf.
Mit Verweis auf ihre eigene Biographie – ihr Aufwachsen in ärmlichen Verhältnissen – führte sie auch die gleichnamige Organisation zur politischen Unterstützung von Juan Peron an.
Auch das Frauenwahlrecht, in Argentinien noch nicht eingeführt, war ihr ein Anliegen. Damit stieß sie auch auf Widerstand: Gerade die reiche Elite verachtete die Kämpferin der Mittellosen – man kritisierte, sie spiele in Zeiten, in denen Frauen nicht wählen dürften, eine viel zu große Rolle in der Politik.
Auch außenpolitisch war Evita in der Regierungszeit ihres Mannes aktiv. Sie machte vor allem in Europa Werbung für den Peronismus, der zunehmend als diktatorisch und faschistisch wahrgenommen worden war.
Sogar eine gewisse Nähe zum Nationalsozialismus wurde dem Regime und Evita selbst unterstellt.
Die Peronisten selbst sahen ihre Politik als dritten Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Evitas vor allem frauenpolitischer Einfluss auf die Partei zeigte aber Wirkung: Bei der Wahl 1951, zu der ihr Mann nur durch eine eigens durchgesetzte Verfassungsänderung wieder antreten konnte, durften zum ersten Mal Frauen wählen.
Ihre politische Karriere endete, bevor sie selbst ein Amt antreten konnte. Mit nur 33 verstarb sie an Gebärmutterhalskrebs.
Der Personenkult, in dessen Mittelpunkt sie bereits vor ihrem Tod um gestanden hatte, verstärkte sich dadurch noch: Evitas Leichnam wurde einbalsamiert; der Sarg, der einen Deckel aus Glas hatte, wurde im Kongressgebäude aufgebahrt und zur Schau gestellt.
Bis 1955, dem Sturz Perons, war ihr Leichnam öffentlich zu sehen; danach verschwand er 16 Jahre lang aus der Öffentlichkeit. Evitas Körper wurde nach einigen Wirren auf dem Friedhof Recoleta in Buenos Aires bestattet.
(apa, KURIER)
Erstellt am 27.07.2012, 12:14