Friday, May 25, 2012

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Neuer Ammoniak-Alarm: Kripo ermittelt

Mittwochvormittag gab es erneut Alarm wegen Ammoniak und zehn neue Verletzte in Wien-Landstraße.

Letztes Update am 22.02.2012, 19:39


Die Zahl der Verletzten nach dem Ammoniak-Unfall erhöhte sich am Mittwoch auf 72

Die Entwarnung kam zu früh. Am Mittwochvormittag musste erneut der Katastrophenzug der Rettung nach Wien-Landstraße ausrücken, um zehn Patienten ins Spital zu bringen. Alle Mitarbeiter der dem Kühlhaus benachbarten Bekleidungsfirma Astro klagten über Husten und Augenreizungen. Vermutlich hatten sich Ammoniakdämpfe in der Klimaanlage eingenistet und waren so über das Firmenareal geblasen worden. Auch bei der Arena wollte man am Mittwoch erneut die Feuerwehr rufen. Produktionsleiter Andreas Milchrahm: „Wir überlegen bereits, weitere Konzerte abzusagen. Es stinkt noch immer enorm.“

Höhere Opferzahl

Die Opferzahl erhöhte sich am Mittwoch auf insgesamt 72. „Ammoniak hat den Vorteil, dass es bereits stark riecht, bevor man es überhaupt messen kann“, sagt Christian Feiler, Offizier der Feuerwehr. Die 50 am Dienstag in Spitäler gebrachten Verletzten konnten auch deshalb am Mittwoch alle wieder entlassen werden. „Alle haben leichte Symptome. Man muss aber sicherheitshalber prüfen, ob sich ein Lungenödem bildet“, so Karl Sipek von der Wiener Rettung. Insgesamt waren unter den Opfern 39 Feuerwehrleute, fünf Mitarbeiter der Rettung und 18 Zivilisten.

Das Landeskriminalamt hat jedenfalls Ermittlungen aufgenommen. Es geht vor allem darum, herauszufinden, ob eine Fahrlässigkeit die Ursache für den Chemie-Unfall war. Geschäftsführer des betroffenen Frigoscandia-Kühlhauses, Rainer Schreckenthaler, erklärte via Aussendung: „Nach jetzigem Kenntnisstand ist die Ursache wahrscheinlich auf einen Materialfehler in einem Pumpenflansch im Bereich der Tiernahrungsproduktion zurückzuführen.“ Ein Flansch ist das Verbindungsstück zwischen zwei Rohren.

Beim KURIER beklagten sich jedenfalls mehrere Menschen aus der Umgebung, dass es sehr oft Geruchsbelästigungen durch das große Kühlhaus gibt. „Wir hatten schon mehrfach mit denen Probleme“, sagt Andreas Jelinek von der Arena-Security. „Es riecht dort immer extrem“, bestätigte eine Anrainerin.

Leidtragende am Rande des Unfalls waren rund 4000 Besucher von Konzerten und des Musicals „Cats“. Auch Hilde W. aus Bruck an der Leitha mit Sohn Christoph wurden Opfer: „Wir waren heute, Mittwoch, in Wien wegen eines AKH-Termins. Weil das Park and Ride zugeparkt war, haben wir den Wagen bei Astro abgestellt.“ Als die beiden zurückkamen, war Astro geschlossen, alle Mitarbeiter samt Schlüssel weg. Die Heimfahrt war somit am Mittwoch mehr als fraglich.

Der Austritt von Ammoniak aus einer Großkühlanlage in der Baumgasse hat am Dienstagabend für einen Großeinsatz im Wiener Bezirk Landstraße gesorgt.

62 Personen wurden leicht verletzt, 12 wurden ambulant behandelt, 50 in die umliegenden Krankenhäuser gebracht.

Das Leck wurde von Technikern der Firma in Zusammenarbeit mit den Experten der Feuerwehr, ausgerüstet mit Gasschutzanzügen, abgedichtet.

Die erste Warnung war kurz nach 19.00 Uhr von der Feuerwehr gekommen: "Menschen klagen über Augenschmerzen und Atemnot."

An die Anrainer erging der Appell, die Fenster geschlossen zu halten und in den Wohnungen zu bleiben.

Dramatische Szenen spielten sich an Ort und Stelle ab: Straßen wurden großräumig gesperrt, die Leute per Lautsprecher aufgefordert, sich in geschlossene Räume zu begeben.

Die Maßnahmen liefen nach ersten Bilanzen gut koordiniert und professionell ab.

Die Wiener Rettung rückte mit dem gesamten Katastrophenzug aus, sagte Mediensprecher Ronald Packert.

In der Arena wurde das Konzert der Gruppe Eisbrecher abgesagt, das nahe Etap-Hotel auf dem Franzosengraben geräumt, die evakuierten Gäste in anderen Häusern untergebracht.

Nach Ende der Vorstellung des Musicals "Cats" im Zelt auf dem Medienareal Neu Marx sorgten Einsatzkräfte für eine rasche Abreise der Besucher. Einige Fans konnten nicht mehr zum Auftritt von Tim Bendzko ins Gasometer vordringen.

Insgesamt 80 Feuerwehrleute und Chemiker standen im Einsatz. Im Zuge der Maßnahmen war es zu umfangreichen Straßensperren gekommen.

Größere Staus blieben laut ÖAMTC aus. Die U-Bahn-Linie U3 verkehrte nur zwischen Ottakring und Kardinal-Nagl-Platz, die Straßenbahnlinie 18 wurde kurzgeführt.

Taxis waren keine mehr zu bekommen. Viele Fußgänger warteten entlang der Sperrzone zunächst an den Haltestellen, machten sich dann aber zu Fuß auf den Weg.


Letztes Update am 22.02.2012, 19:39


Artikel vom 22.02.2012 15:22 | KURIER | D. Schreiber, L. Lassnig, U. Rathensteiner | « zurück zu Wien


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