Das Ziel fest im Visier: Jeder Spieler kann pro Runde zwei der Granitsteine auf die Reise schicken
Jeden Donnerstag packen Marcus Schmitt und seine Kollegen ihre Besen aus und beginnen wie wild zu wischen. Ort des Geschehens ist aber nicht ihr Wohnzimmer, sondern die Eishalle in der Stadthalle.
"Es ist weit anstrengender, als man denkt, vor allem das Wischen", sagt Schmitt, während hinter ihm die Granit-Steine über das Eis der Stadthalle flitzen. Es ist die einzige Curling-Halle in Wien, in der die beiden Wiener Curling Vereine "Curling für Österreich" und "Ottakringer Curling Club" gemeinsam trainieren.
Vor dem Spielen muss die Eisfläche noch einmal aufgespritzt werden, dass sie ganz glatt wird, erklärt Schmitt. Erst dann rutschen die Steine schnell über das Eis, unterstützt von den Wischern der Spieler.
Ziel des Spiels ist es, den Stein, der meist aus schottischem Granit ist, so genau wie möglich in die Mitte des "House" zu platzieren. Die Teams bestehen aus vier Spielern, von denen immer abwechselnd einer den Stein auf die Reise schickt, zwei andere wischen. Der Vierte zeigt an, wo der Stein hingehen soll. Das Team, das es schafft, einen Stein genau mittig zu platzieren, gewinnt eine Runde. Ein Spiel dauert acht bis zehn Runden.
Doch grau ist alle Theorie, wie die Schnuppergruppe auf dem Eis beweist. Da wird geschrubbt, geschrien, vor allem aber gelacht. "Das wichtigste am Curling ist Miteinander", sagt Schmitt. So gibt es die Regel, dass das Verlierer-Team von den Siegern nach dem Spiel auf ein Getränk eingeladen wird.
Taktik
Wisch und weg: Mit viel Einsatz wird die Fahrt des Steins verlängert.
Das Zweitwichtigste ist aber die Taktik. "Curling wird oft als Schach auf dem Eis beschrieben", sagt Andrea Höfler vom Ottakringer Curling Club.
Sie und ihre Freunde haben vor knapp sechs Jahren eine Sportart gesucht, mit der man zu Olympia fahren kann. "Bei Europameisterschaften war ich schon", sagt Höfler und lacht. 2006 wurde der Club gegründet, mittlerweile haben sie 27 Mitglieder. Natürlich kennt Höfler die vielen Putzfrauenwitze über Curling, tatsächlich spielen aber weit mehr Männer Curling. Woran liegt das?
"Ich glaube ein wenig an der Kälte in der Eishalle", sagt Höfler. Doch mit einer wärmenden Ausrüstung könne man den Minusgraden gut begegnen.
Wer Lust auf den Eissport bekommen hat, kann sich auf www.curling-wien.at für ein Probetraining anmelden.