Thursday, February 23, 2012

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WKR-Ball: Spießrutenlauf zum Rechtswalzer

Zwei Redakteure des KURIER schleusten sich undercover beim Ball ein und gerieten zwischen die Fronten.

Letztes Update am 30.01.2012, 12:01


Kundgebung am Heldenplatz gegen den WKR-Ball: Erst nach deren Ende kam es in der Wiener Innenstadt zu Konflikten zwischen Gruppen von Demonstranten und Ballbesuchern.

Als wir aus dem Taxi steigen, ist sofort klar, dass das ein unangenehmer Abend wird. Seit zwanzig Minuten hat der Taxilenker versucht, zur Hofburg zu gelangen. Jetzt gibt er entnervt auf: "Vielleicht gehen Sie besser zu Fuß weiter, viel Glück." Von der Schottengasse aus müssen wir uns zu Fuß durchschlagen. Direkt vor uns warten Trommeln und Gebrüll, es bleibt nur der Versuch über den verlassenen Mölkersteig auszuweichen. Es ist ein kurzer Moment der angespannten Ruhe, bevor die Gewalt die Innenstadt beherrscht.

In der Herrengasse warten Demonstranten. Nazi-Rufe und Spuckattacken sind die Ouvertüre dafür, was noch folgen soll. Vor dem Café Central blockieren Aktivisten die Straße. Ein ratloser Polizist schlägt vor, über den Minoritenplatz zur Hofburg zu gelangen, die Route sei sicher. Eine Fehlinformation.

Zwei Journalisten des KURIER mischten sich undercover unter die Ballgäste in der Hofburg.

Offiziell war die Presse am Ball nicht erwünscht - allein die Austria Presse Agentur war zugelassen.

Rund 3000 Gäste nahmen an dem umstrittenen Ball teil.

Der Ball wurde dieses Jahr zum letzten Mal in der Hofburg veranstaltet.

Festredner war FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache.

Credit: KURIER

webfreetv

Vom Ballhausplatz kommt eine Schar von Demonstranten gelaufen. In ihren Augen blanker Hass auf jene, die an diesem Abend auf der falschen Seite stehen.

Junge Mädchen schreien und spucken. Stöße, Rempeleien und Bierduschen prasseln auf die vermeintlichen Gegner ein. Wir flüchten mit letzter Kraft bis zur Polizeiabsperrung, Unterstützung durch Beamte gibt es in keiner Weise.

Nach einer Dreiviertelstunde Spießrutenlauf sind wir in der Hofburg. "Sind Sie auch attackiert worden?", fragt ein Student in Frack, das Couleurband und Käppchen in den deutschen Farben gehalten. Es ist der merkwürdigste Moment des Abends, bei dem die Infiltranten erstmals so etwas wie Erleichterung verspüren.

Hasenhatz

webfreetv Viele Farben: Einmarsch der Debütanten und Debütantinnen

Am Eingang grimmige, vernarbte Gesichter und genaue Kontrollen. Man fürchtet Eindringlinge, der Spießrutenlauf ist das Thema. "Wir sind gelaufen wie die Hasen", erzählt ein junger Mann mit Prunktönnchen (Kopfbedeckung). "Die Damen wurden bespuckt, sind hingefallen. Eine Schande."

Der große Festsaal füllt sich langsam, die Eröffnung beginnt mit Verspätung. Es folgt der Einmarsch einer Ideologie, die sich in Zeiten der Globalisierung auf die Treue zum Deutschen beruft.

Die Eröffnungsrede hält FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Er spricht von Tradition und Vaterland, geißelt antidemokratische Demonstranten. "Wir stehen dagegen für Recht und Ordnung", sagt er und erntet lauten Beifall.

"Ein klares NEIN zum WKR-Ball", diesem Credo sind bis zu 8000 Personen am Freitagabend auf den Wiener...

... Heldenplatz gefolgt um großteils friedlich gegen ...

... den vom Wiener Kooperationsring veranstalteten Ball zu demonstrieren. Begleitet von einem ...

.. Großaufgebot der Polizei ...

... kam es nur zu vereinzelten Zwischenfällen und ...

... einigen wenigen Verhaftungen gekommen.

Die Burschenschafter und ...

... ihre Gäste ...

... konnten den Ball, auch ...

... ob einer Sitzblockade im Bereich der Herrengasse erst mit einiger ...

... Verspätung beginnen. Am ...

... in der Öffentlichkeit viel kritisierten Ball nehmen auch ...

... Politgrößen wie Heinz-Christian Strache teil.

Im Zentrum: Die KURIER-Redakteure mitten im Geschehen

Die Zahl der Wangen mit Schmissen ist hoch, viele junge Burschen, die soeben ihre erste Mensur gefochten haben, präsentieren nun ihre blutverkrusteten Narben stolz dem Ballpublikum.

Zum Ende der Eröffnung wird "Die Gedanken sind frei" angestimmt, der ganze Saal singt mit. Viele der Gäste sind unüberhörbar Deutsche. Später in der Disco treffen sich die Jüngeren, manche tanzen zu aktueller Rapmusik. Es ist ein unangenehmer Abend, wir spüren, wir gehören nicht dazu. Die Burschenschafter wollen unter sich bleiben, Gespräche kommen kaum zustande. Ein junges Mädchen aus Deutschland will wissen, warum wir kein Couleurband tragen: "Seid ihr Spitzel?", fragt sie und lacht. Doch die Antwort interessiert sie nicht. Sie will stattdessen lieber tanzen.

Aufgrund der starken Emotionen auf beiden Seiten verzichten die Autoren darauf, den Bericht namentlich zu zeichnen.


Letztes Update am 30.01.2012, 12:01


Artikel vom 28.01.2012 16:54 | KURIER | | « zurück zu Wien


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