Friday, May 25, 2012

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Stadthallenbad: Nach den Ratten kam der Baustopp

Wegen grober Mängel stoppt die Stadt Wien den Bau, schaltet Kontrollamt und Gerichte ein. Im Bad haben sich bereits Ratten eingenistet.

Letztes Update am 26.03.2012, 23:34


Bis das Bad eröffnet wird, dauert es noch ein Weilchen.

Die Arbeiten gehen ins Finale. Ich freue mich, dass das Stadthallenbad bald wieder zur Verfügung steht." Mit diesen Worten kündigte Sportstadtrat Christian Oxonitsch kurz vor Weihnachten die Wiedereröffnung des Bades für Februar an. Doch schon damals war fix, dass dies nur ein frommer Wunsch ans Christkind war. Wie der KURIER bereits vor drei Wochen berichtete, wurde auf der Baustelle monatelang schwer geschlampt. Es wurden desolate Wände einfach überpinselt, Fliesenböden falsch verlegt und rostige Rohre ignoriert. Die größten Probleme machen jedoch die Schwimmbecken. Zumindest zwei sind bis heute undicht, Wasser dringt in die darunterliegenden Garderoben ein.

Am Montag zog die Stadt Wien die Reißleine. "Wir haben die Bauleitung um 10.30 Uhr vom Baustopp informiert und bereits das Kontrollamt und unseren Anwalt eingeschaltet. Er leitet jetzt eine gerichtliche Beweissicherung ein", sagt Sandra Hofmann, derzeit Leiterin des Sportamts und ab 1. Februar Geschäftsführerin der Stadthalle. "Bis heute konnten weder Generalplaner, noch Bauaufsicht oder eine Firma erklären, woher das Wasser kommt", sagt Hofmann. "Ich kann kein Bad eröffnen, das nicht dicht ist."

Das Wiener Stadthallenbad wurde 1974 anlässlich der in Wien stattfindenden Schwimm-Europameisterschaften eröffnet.

Bis heute ist es das einzige Hallenbad der Stadt mit einem 50 Meter Becken.

In den 1990er Jahren wurde das Bad teilsaniert, seit Mai 2010 wird es generalüberholt.

Ursprünglich war die Eröffnung für Ende 2011 geplant, jetzt wurde sie auf unbestimmte Zeit verschoben.

Dabei sollen nicht nur die Becken, Ruhebereiche und Garderoben erneuert werden.

Auch die gesamte Reinigungs- und Lüftungstechnik wird ausgetauscht.

Besonders Augenmerk wird dabei auf die Wahrung der ursprünglichen Architektur von Roland Rainer  gelegt.

Die gesamten Umbauarbeiten werden deshalb vom Bundesdenkmalamt begleitet.

Jährlich besuchen rund 400.000 Menschen das Stadthallenbad im 15. Wiener Gemeindebezirk.

Credit: APA

Rost der Siebziger

Neben den Becken macht der Hubboden Probleme. Die Steuermodule und Motoren des heb- und senkbaren Podests im großen Becken sind aus den 1970er-Jahren und völlig verrostet. Trotzdem habe der Generalplaner die Elemente nicht getauscht, sagt Hofmann: "Das ist mir unbegreiflich!" Dieser Fehler könnte viel Zeit kosten, Experten gehen von weiteren drei Monaten Bauzeit aus. Auch das Budget könnte weiter belastet werden. 17 Millionen plus 20 Prozent war die Vorgabe der Gemeinde. Hofmann: "Derzeit sind wir noch im Rahmen."

Zahlreiche Baumängel sollen nun untersucht werden, unter anderem Isolierungsschäden.

Dadurch sind auch viele Rohre verrostet.

Der Hubboden macht besondere Probleme.

Die Steuermodule und Motoren des heb- und senkbaren Podests im großen Becken sind völlig verrostet.

Es gibt zahlreiche Islolierungsmängel.

Das undichte Becken verursacht Wasserschäden.

Die gemachten Fehler könnten viel Geld kosten.

Ratten

Während die Arbeiter am Vormittag die Baustelle verließen, bekommt man andere Bewohner nicht so leicht los. Angelockt von der Wärme hat es sich eine Schar von Ratten im Bad gemütlich gemacht. "Vorige Woche haben wir vier Stück gesehen, heute zwei. Vor zwei Wochen ist eine im Becken geschwommen", erzählt ein Arbeiter. Der vom Generalplaner beauftragte Schädlingsbekämpfer bestätigte einen Ratteneinsatz im Stadthallenbad, wollte aber keine Details nennen.

An einen Schwimmbetrieb ist derzeit aber sowieso nicht zu denken. Hofmann hofft, dass man Mitte April aufsperren kann. Garantie gibt es aber keine. Die für 1. bis 4. März angesetzten Hallen-Staatsmeisterschaften mussten nach Graz übersiedeln. "Der Imageschaden für Wien ist enorm. Die Sanierung des Bades ist eine Blamage für die selbst ernannte Sportstadt Wien", kritisiert ÖVP-Sportsprecherin Ines Anger-Koch die Verzögerung. "Es wurde die vollständige Sanierung des Stadthallenbades in Auftrag gegeben und wir werden es nur ordentlich saniert und funktionstüchtig übernehmen", verteidigt Stadtrat Oxonitsch die Vollbremsung.

Der zuständige Architekt und Generalplaner, Georg Driendl, zeigt sich von dem Baustopp überrascht. "Wir standen kurz vor der Fertigstellung. Es war 5 vor 12."

Genau so sah das die Stadt offenbar auch.

 


Letztes Update am 26.03.2012, 23:34


Artikel vom 23.01.2012 14:26 | KURIER | Elias Natmessnig | « zurück zu Wien


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