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Venetia: Sechs Monate Zahlungsverzug

    Das Bildungsinstitut Venetia ließ 200 Kurstrainer ein halbes Jahr auf ihre Gehälter warten. Erste Zahlungen erhielten sie am Mittwoch.

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    Ich lebe derzeit am Limit des Überziehungsrahmens. Jedes Monatsende muss ich mir von Freunden Geld ausleihen." Maria Jessner* gehört zu mehr als 200 geschädigten Kursleitern: Sie erhielten von ihrem Arbeitgeber, dem Wiener Bildungsinstitut "Venetia - Bildung geht weiter", seit September kein Honorar. (Der KURIER berichtete.) Eine Person wartete sogar auf 20.000 Euro.

    Die offene Gesamtsumme belief sich auf 700.000 Euro, wie Kurt Datzer, Geschäftsführer und Eigentümer von Venetia, bestätigte. Laut eigenen Angaben hat er am Dienstag mit ersten Zahlungen an die Trainer begonnen. Das Geld beziehe er aus "einem dritten Standbein". Einige Trainer konnten am heutigen Mittwoch den Eingang von etwa einem Drittel der offenen Beträge bestätigen. Als Grund für die stockenden Zahlungen nannte er "hohe Abfertigungen an das Management", das im Herbst das Institut verlassen hatte.
    Seit September 2007 warteten Dutzende Trainer - großteils Frauen - auf ihre Gehälter. Mangels Alternative arbeiteten viele weiter. "Mir hat Datzer das Honorar erst ausbezahlt, als ich mit Kursabbruch drohte", sagt die Wirtschaftstrainerin Birgit Heumann*. Ein weiteres Problem: Die Sozialversicherung holte sich ausständige Beiträge von den Trainern zurück. Eine Betroffene muss 700 Euro zahlen.
    Die Trainer fühlten sich auch vom Arbeitsmarktservice (AMS) Wien im Stich gelassen. Sie informierten die zuständige Vergabestelle bereits im Oktober über die Zahlungsrückstände. Trotzdem erhielt Venetia weiterhin AMS-Gelder, was auch Datzer bestätigt. Die letzte Zahlung habe er Anfang Dezember erhalten. "Das AMS muss kontrollieren, ob die Trainer ihr Honorar auch bekommen", forderten die Geschädigten.

    Dafür fühlt sich das AMS Wien aber nicht zuständig. "Die Trainer rechnen ihre Honorare direkt mit dem Institut ab", so Sprecher Hans-Paul Nosko. Im Sommer 2007 hatte das AMS Wien dem Bildungsunternehmen jedenfalls 1,3 Millionen Euro bewilligt. Die Höhe der tatsächlich seither an Venetia ausbezahlten Summen konnte Nosko aufgrund des Datenschutzes nicht nennen.

    Eingestellt

    Seit Anfang des Jahres stehen die Kursräume leer. Laut Datzer sollen die Trainer bis Ende März die restlichen offenen Beträge erhalten - das Institut will er auf jeden Fall weiterführen.

    Venetia wurde 1992 von Kurt Datzer gegründet. Das Privatinstitut beschäftigte mehr als 400 großteils freiberufliche Trainer an insgesamt 16 Standorten in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Als Bestbieter bei Ausschreibungen war Venetia bisher wichtiger AMS-Partner. Das Institut verweist auf 87.000 Kursteilnehmer in den letzten 15 Jahren. Angeboten wurden Eingliederungsmaßnahmen für Arbeitslose sowie Kurse in den Bereichen Berufsorientierung, EDV, Wirtschaft und Sprachen.

    * Name von der Redaktion geändert

    Artikel vom 28.02.2008 21:17 | KURIER ONLINE | Nicole Thurn