Erste Verhandlung im "Fall Krems"
In eineinhalb Wochen müssen sich der angeschossene Supermarkt-Einbrecher und sein Komplize in Krems verantworten.
Am 25. November stehen Roland T. und sein Komplize in Krems vor Gericht.
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Roland T. wollte nur eines: Abhauen. Ein kostenintensives Vorhaben, das war ihm klar, jenem Kremser Burschen, der sich in der Nacht von 5. auf 6. August einen Namen gemacht hat. Einen unrühmlichen, wenn auch nie ausgeschriebenen.
Roland T., damals 16 Jahre alt, arbeitslos, wollte das nötige Kleingeld für sich und seine Tamara* in vielen Nächten "zusammentragen". Nicht mit ehrlicher Arbeit, sondern illegal. Im Elternhaus war für das Scheidungskind nichts zu holen. Doch der "große Coup" im Supermarkt ging schief und endete in einer Tragödie. Statt erträumte 100.000 Euro zu gewinnen, verlor der heute 17-Jährige einen Freund. Selbst von einer Kugel getroffen, musste Roland T. den Todeskampf des 14-jährigen Florian P. mitansehen.
Roland T.'s Wunden sind verheilt. Zumindest die körperlichen. Wie der mehrfach vorbestrafte Bursche damit zurechtkommt, ein Kind zum Mitwirken am Einbruch eingeladen zu haben (Anklage) - bleibt wohl unbeantwortet. Auch am 25. November, wenn der erste Prozess im "Fall Krems" im Landesgericht über die Bühne geht.
Unter dem Vorsitz von Richter Gerhard Wittmann wird lediglich das Einbruchsdelikt thematisiert. Die Schüsse aus den Dienstwaffen von zwei Kremser Polizisten beim folgenschweren Einsatz sind kein Thema (siehe Hintergrund). Nur Roland T. und sein Komplize Eugen L. müssen Rede und Antwort stehen.
Für Roland T. kein Neuland. Der Bursche kennt den Sessel vor den braunen Tischen mitten im Gerichtssaal. Die Situation, dass alle Augen auf ihn gerichtet sind.
Das Milchbubengesicht scheint zu täuschen, die Anklageschrift spricht Bände: Verurteilungen wegen gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls, Widerstands gegen die Staatsgewalt, Sachbeschädigung, Körperverletzung sind dort zu finden. Auch schwerer sexueller Missbrauch findet sich in kriminellen Karriere des 17-Jährigen.
Die Strafe dafür hat er verbüßt, das Mädchen, das seinerzeit rechtlich zu jung war für Sex, ist noch immer an seiner Seite. Es ist Tamara, Roland T.'s Romanze aus dem Kinderheim, in das er 2007 einzog. Die Aggression gegen seine Mutter und seinen kleineren Bruder soll unerträglich geworden sein. Die Lehre zum Metallbearbeitungstechniker schmiss er hin, Heimregeln wurden ignoriert (Anklage). Ein neuer Versuch, in der Familienwohnung unterzukommen, endete kurz vor dem Supermarkt-Einbruch: Roland machte einen Fehler beim Pommesbraten. Die Küche glich einer Räucherkammer. Die Mutter warf ihn raus. Eugen L. nahm ihn auf.
T.'s Mama wohnt jetzt im Ausland. Ihr Sohn sitzt hinter Gittern. Ihm drohen bis zu fünf Jahren Haft, Eugen L., 28, bis zu zehn.
*Name geändert



