Krems: Deserteur-Gedenktafeln fort
Einer illegalen Denkmal-Errichtung folgte die behördliche Entsorgung durch die Stadtverwaltung. Eine Anzeige wird folgen.
Deserteursdenkmal neben Gedenkstein für Wehrmachtsoffizier
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Keine 24 Stunden sind die neuen Gedenktafeln für Kremser Weltkriegsdeserteure stehen geblieben - weil sie illegal waren: Montagfrüh waren sie plötzlich verschwunden. Hatten die Errichter zuerst vermutet, "Ewiggestrige" hätten sich an den Tafeln vergriffen, so fand der KURIER heraus, dass die Stadtverwaltung agiert hatte: "Wir behandeln alle gleich. Wer etwas ohne Genehmigung errichtet, muss auch mit einer Anzeige rechnen", erfuhr man im Rathaus.
Wie berichtet, hatte ein Personenkomitee um den Kremser Historiker Robert Streibel und Gerhard Pazderka - Enkel eines 1945 ermordeten politischen Gefangenen - Samstagnachmittag eine Gedenkveranstaltung durchgeführt. Die war angemeldet. Nicht aber das Aufstellen der Tafeln.
Streibel hatte vor einigen Jahren mit seinem Buch "Und plötzlich waren sie alle weg" die Stadt mit historischen Details zur Judenverfolgung in Krems geschockt. Er erinnerte in seiner Ansprache an Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen und Deserteure, von denen einige in Krems hingerichtet wurden.
"Mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der regelmäßig Wehrmachtsoffizieren gedacht wird, gedenken wir der Deserteure", sagt Streibel. Er stellte Tafeln unmittelbar neben einem Denkmal für den nahe Stalingrad gefallenen Karl Eibl und beim nahen Sappeur-Denkmal auf.
Montagfrüh verschwanden die Tafeln so schnell, das selbst Mitarbeiter des Stadtgartenamtes, die an einem der Aufstellorte das Beet säuberten, nichts davon mitbekamen.
"Der Anzeige sehe ich mit Gelassenheit entgegen. Ich würde dafür auch ins Gefängnis gehen", meinte Streibel zur Aussage der Stadt. Demnächst will das Personenkomitee jedenfalls einen offiziellen Antrag zur Errichtung eines fixen Denkmals für Deserteure auf öffentlichem Grund einbringen.
"Ich stehe gern für ein Gespräch zur Verfügung", ließ Bürgermeisterin Inge Rinke dazu ausrichten, die grundsätzlich keinen Anlass sieht, nicht darüber zu reden.




