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Spitz in Angst: Ist der Täter unter uns?

    Dass ein Gift-Krimi ausgerechnet in ihrer Heimat stattfindet, macht Einwohnern wie Freunden der Region zu schaffen.

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    Ausnahmezustand. Als würden die Uhren plötzlich langsamer gehen. In der 1720-Einwohner-Gemeinde wird nicht viel gelacht – und das seit mittlerweile neun Tagen. Nicht viel geredet – außer über ein Thema. Den kaltblütigen Mordversuch an einen aus ihrer Mitte. Den Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger.

    Nicht nur, dass der 55-Jährige um sein Leben kämpft, seit er das mit Strychnin vergiftete Mon Chéri gegessen hat, konzentrieren sich die Ermittlungen auch noch auf die Wachaugemeinde. Ein potenzieller Mörder in der idyllischen Wachau? "Das kann nicht sein", sagt Leopold Gruber. "Es gibt keinen Spitzer, der dem Hannes was tun könnte." Die intensiven Ermittlungen der Kriminalisten in der Gemeinde erachtet er für "absolut gut". Er selbst wurde auch einvernommen. "Weil ich am Freitag beim Bürgermeister um 17.30 Uhr in der Sprechstunde war", erzählt Gruber. Um die Fertigstellung einer Straßenbaustelle sei es gegangen – "weil ich einen Heurigenbetrieb hab’."

    Insiderwissen

    "Das war einer, der schon so viel Dreck am Stecken hat", wirft Sitznachbar Karl Pöchlinger ein. "Keiner von uns", sind sie sich einig.
    Andrea Hick gibt aber eine Sache zu bedenken: "Der Täter muss ein großes Insiderwissen haben. Der hat gewusst, dass der Hannes am Freitag Sprechstunde hat und wo sein Auto steht." Sie zuckt zweifelnd mit den Schultern – "dass wirklich einer von weit her kommt . . .?"
    Die zwei Männer an der Bar wissen, was sie damit sagen will. Daher hat das Duo auch nichts gegen DNA-Massentests, die seit der neuen Strafprozessordnung theoretisch durchgeführt werden können. "I fürcht mi net", so Pöchlinger. "Wer nix zu verbergen hat . . ."
    Der Gastronom Franz Hick sagt nur eines zum Fall Hirtzberger. "Hoffentlich packt er’s und es bleibt ihm nichts."

    Waltraut Haas, die Schauspielerin, die als "Mariandl" touristisches Aushängeschild der Wachau wurde, ist ebenso wie ihr Mann Manfred Strahl fassungslos: "Ich habe den Bürgermeister als freundlichen und äußerst charmanten Mann kennengelernt, als mir beim Marillenkirtag die Goldene Marille für Verdienste um die Wachau verliehen wurde. Ich bin entsetzt, dass sowas in der freundlichen Wachau passiert. Aber böse Menschen gibt es überall. Wir hoffen nur, dass ihm keine Schäden bleiben und man den Täter schnell findet."

    Weinpfarrer Hans Denk sagt: "Ich bin zutiefst betroffen. Ich war in Spitz Kaplan und weiß, er ist einer, von dem nicht nur die Gemeinde, sondern die ganze Region profitiert, weil er sich für die Erhaltung der Kultur einsetzt und die Linie seines Vaters fortsetzt. Fast jeden Tag verfolgt uns das und lastet düster über uns."

    "Wir sind gut befreundet. Ich bin Samstagfrüh aus einem Weingarten herausgekommen, hab ihn langsam vorbeifahren sehen und gegrüßt, aber er hat nicht reagiert. Der Schock kommt erst später, am Anfang kann man das gar nicht begreifen", berichtet Topwinzer F.X. Pichler.
    Spitzenköchin Lisl Wagner-Bacher meint: "Für mich ist es schockierend, dass so etwas in unserer gemütlichen Wachau passiert. Hirtzberger ist ein so großartiger Mensch, ich bin einfach erschüttert. Als ich die Nachricht gehört habe, war das für mich einfach unglaublich."
    Indessen hat Gemeinderat Andres Nunzer die politische Leitung in Spitz übernommen, denn auch der Vizebürgermeister ist seit Monaten aus gesundheitlichen Gründen außer Gefecht. "Ich werde in Hirtzbergers Sinn handeln", sagt Nunzer.

    Unterdessen arbeiten die Ermittler auch am Wochenende fieberhaft daran, den Täter einzukreisen. Sie werten die bisher gesammelten Spuren aus und gleichen sie mit den neuen Hinweisen der vergangenen Tage ab.

    Artikel vom 16.02.2008 17:03 | KURIER | Sandra Ramsauer-Hofer, Gilbert Weisbier


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