Dienstag, 9. Feber 2010 | Schriftgröße: AAA

» Registrieren / Anmelden

Nach Anschlag: Kripo warnt Politiker

    Strychnin in der Praline – vom Täter, der hinter der Attacke auf den Wachauer Bürgermeister Hannes Hirtzberger steckt, fehlt bisher jede Spur.

    DruckenSendenLeserbrief
    Ich wollte dir was Wichtiges sagen. Du bist für mich was ganz Besonderes." Keine Unterschrift, kein persönlicher Gruß. Der Text und die roten Herzen auf der Grußkarte sind aufgedruckt. Die einzelne Schoko-Praline liegt oben drauf. Der Wachauer Bürgermeister fackelt nicht lange nach der abendlichen Sitzung in seiner Heimatgemeinde und legt die kuriose Botschaft – die ihm direkt vor dem Spitzer Rathaus aufs Dach seines Mercedes gelegt wurde – auf den Beifahrersitz.

    Am Morgen danach die Tragödie: Der Lokalpolitiker und prominente Anwalt isst das Mon Chéri. Seither schwebt der 55-Jährige in Lebensgefahr und liegt im Tiefschlaf. Der Verdacht, dass es sich um einen Gift-Anschlag handelt – der KURIER berichtete exklusiv – wurde Sonntagfrüh bestätigt. Die Praline war mit Strychnin, einem leicht erhältlichen Rattengift, präpariert. Nun warnen Kriminalisten Politiker und Prominente vor "verdächtigen" Zusendungen.

    Denn wer hinter dem Wahnsinns-Attentat steckt, ist bisher unklar. "Es gibt derzeit keine klaren Hinweise", erklärte Oberst Ernst Schuch vom Landeskriminalamt NÖ bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz Sonntagfrüh. "Doktor Hirtzberger ist nicht nur ein bekannter Lokalpolitiker, sondern auch ein erfolgreicher Anwalt." Aber auch das private Umfeld des 55-jährigen Familienvaters wird unter die Lupe genommen. Nicht nur Leopold Etz, Chefermittler der Mordkommission im Landeskriminalamt und das Team des LKA, Außenstelle Krems, ermitteln intensiv: Auch der Landesverfassungsschutz ist eingeschaltet.

    "Ich bin vergiftet worden"

    Wie berichtet, stoppte Hannes Hirtzberger Samstagfrüh seine Fahrt nach Krems in Unterloiben, nachdem er zu Hause die Praline gegessen hatte. Mitten im Ort kippte er aus seinem Auto und soll geschrien haben: "Ich bin vergiftet worden." Im Notarzthubschrauber musste er reanimiert werden. "Er wurde in künstlichen Tiefschlaf versetzt, um die Hirnfunktionen zu schützen", so Primarius Reinhard Resch vom Krankenhaus Krems. Das Ergebnis toxikologischer Analysen in Seibersdorf brachten die traurige Gewissheit: "Es hat sich gezeigt, dass eine Vergiftung mit Strychnin vorliegt", so Resch. Die erste Vermutung – Zyankali – bestätigte sich nicht.

    Das Gift wurde mit einer Nadel in die Praline injiziert. "Es sind einige Spuren, die nicht typisch sind für diese Praline, im Brief, beziehungsweise auf dem Brief. Wir hoffen, dass wir hier vielleicht einen Ansatzpunkt finden", so Oberst Schuch.

    In Spitz gab es am Sonntag kein anderes Gesprächsthema. Pfarrer Josef Gugler betete mit der Gemeinde um die Genesung des Ortschefs. "Ich kann einfach nicht glauben, dass das aus unserer Gemeinde kommt", so Pensionist Leopold Doppler. "Hannes hat keine Feinde, selbst beim Hochwasserschutz hat er zuletzt alle wieder geeint. Wir haben keine Idee warum", sagt der Bruder des Anschlagsopfers, der Winzer Franz Hirtzberger.

    Warnung

    Die Polizei warnt Politiker und Prominente, verdächtige Post und Geschenke zu öffnen: Kripo alarmieren. Außerdem bittet sie um Hinweise: Wem sind am Freitag (zwischen 17 und 19.30 Uhr) Verdächtige vor dem Spitzer Gemeindeamt aufgefallen? LKA: 05/91 33 – 30 3333

    Artikel vom 11.02.2008 15:23 | KURIER |


    Werbung