Nicht nur auf der Bühne wieder vereint
Interview mit jenen Zwillingen, die die Zwillingsschwestern "Doppelten Lottchen" spielen
Zwillinge spielen Zwillinge: Birgit und Nicole Radesch(nig) im Einsatz als Lotte Körner und Luise Palfy
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In einer flotten, rasanten, kurzweiligen inszenierten Theaterversion ist derzeit Erich Kästners "Das doppelte Lottchen" am Theater der Jugend (Renaissancetheater, Wien) zu erleben. Kurz vielleicht für die, die's nicht kennen, die Story: Lotte Körner und Luise Palfy lernen einander in einem Feriencamp kennen. Sie wissen nichts voneinander, weil Mutter und Vater sich früh getrennt und jede/r eine Zwillingstochter mitgenommen hat. Hier kommen sie auf ihre Schwesternschaft drauf und nutzen aus, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen - sie tauschen bei der Heimfahrt die Rollen.
Gespielt werden die beiden von Birgit und Nicole Radesch (wie sie ihren Nachnamen Radeschnig nun als Künstlerinnen verwenden). Die beiden Schauspielerinnen sind - das "Geheimnis" sei gelüftet - (zweieiige) Zwillinge.
Praktisch alles gemeinsam
Szenenfotos aus "Das doppelt Lottchen"Schon früh begann ihre künstlerische Laufbahn. "Wir hamm mit fünf Jahren angfangan bade das erste Instrument zu schnapp'n, das es geb'n hat. Natürlich woar das die Blockflöte", beginnt Birgit.
"Außerdem samma Schauspielgruppe gongan", ergänzt Nicole. Beides spielte sich in der Vorschule ab. Die Blockflöte "woar uns dann aber bald amal zu fad und dann hamma Klarinett'n ang'fangan - mit acht."
Praktisch alles gilt für beide, sprechen sie streckenweise im Interview auch im Duett. "Wir wollten bade des moch'n, hom immer die gleich'n Interesseng'hobt, außer Gitarre und E-Gitarre, das spül nur i (Birgit) und du host g'sungan" (an Nicole gewandt). Das war aber erst mit 13 Jahren. "Wir hom in ganz vü Bands gspüt, im Kirchenchor und bei der Lindenhofer Bauern(blas)kapelle - überall hamma mitgmocht. Und in aner Bigband und in an Orchester. Ach ja, da hamma a no Klavier gspüt - wieder bade."
Alles, was es so künstlerisch zu tun gab im Bezirk, das deckten die beiden ab. "Mia war'n überall dabei. Also mit Schul geh'n war net vül, nur in die Schul gaungan und danach glei in die Musikschul, Chorproben und Klanggruppen..."
Bis elf seien sie immer gleich angezogen gewesen, sogar gleich hergerichtet, frisiert... "Daun is uns des voll am Oasch gaungan und mia hom uns durchgsetzt, hom des voll vaändat, san a nimma in da gleich'n Reih g'sess'n und so..."
Privat nix geredet
Die Zwillinge in einer SzeneNach dem Gymnasium (da es nur einen musikalischen Zweig gab, waren sie auch da angewiesen, die gleiche Klasse zu besuchen), landeten die beiden sofort danach in Wien und bewarben sich um die aufnahme im Konservatorium - für musikalisches Unterhaltungstheater. "Komischerweise hamma's bade g'schafft."
In den vier Jahren wohnten sie auch in einer - kleinen - gemeinsamen Wohnung. "Do is es schon schwierig word'n, weil's kane Ausweichmöglichkeiten gab. Künstlerisch im Kons war's ka Problem, do hat's supa funktioniert und mia hom a a gemeinsames Kabarettprogramm g'mocht, aber daham hamma anfoch nima mitanander gredet. Mia hom uns ignoriert. Vier Joar lang. Sogoa beim Schul geh'n, do is imma ane a poa Meta vurne gaungan. Fia uns woa des gaunz normal, fia Außenstehende vielleicht net."
Abstand bringt (wieder) Nähe
Szenenfotos aus "Das doppelt Lottchen"Alles wurde anders als nach dem Ende der Ausbildung Nicole ein Engagement im Stuttgarter Palladium-Theater bekam - in "Wicked - die Hexen von Oz". Eineinhalb Jahre spielte sie eine der drei Hexen. "Fia mi woar des im ersten Moment a Horror", gesteht Birgit "weul i des erste Mol allan verantwortli woar fia mi." Das gab sich aber mit dem ersten Engagment (im 82er Haus in Gablitz), dann schreib sie das gemeinsame Kabarettprogramm auf solo um und trat damit im Theater im Alsergrund auf...
Mit dem Abstand verbesserte sich auch das persönliche Verhältnis der beiden Zwillingsschwestern. die Telefonate wurden häufiger und schließlich folgten auch Besuche von Birgit in Stuttgart. Bei Nicoles Rückkehr im März des Vorjahres war "des Vahöltnis wia nei" (Birgit). "Mia hom a des erste Mol wieder mitanonder Spaß g'hobt" (Nicole). Im Nachinein gesehen, sei die - vorübergehende - Trennung das beste gewesen, was passieren konnte. Beide sahen, dass es alleine auch geht. Muss aber nicht sein, gemeinsam geht's auch (wieder). Gleich nach der Rückkehr in einem Film - "Nullpunkt". Und dann kam schon das Vorsprechen fürs Doppelte Lottchen. "Mia wollten immer schon in dem Haus (Theater der Jugend) spielen, weil's an guaten Ruf hot und qualitativ echt hochwertig is", begründet Nicole, weshalb sie überhaupt zum Vorsprechen gegangen seien. "Die Bühne is halt a Wahnsinn, des woar schon ein großes Ziel. Ja, und dass es dann glei Hauptrollen werd'n, des is natürli supa!"
Erst spät das Buch gelesen
Das Bild auf dem Programmheft des StücksOb sie nicht die Befürchtung hätten, nur genommen worden zu sein, weil sie Zwillinge sind? Erstens sei es schon ein sehr hartes Vorsprechen gewesen - zwei Tage lang und zweitens wäre es für Birgit und Nicole Radesch(nig) ein Problem gewesen, wenn es nicht davor die Solophase gegeben hätte. "Jetzt wiss ma, doss ma nimma vonananda abhängig san!"
"Das doppelte Lottchen" haben, so gestehen sie übrigens, "erst glesen, nachdem mia die Roll'n kriagt ham. Mia hom's zwoa gekannt, aber des hat uns nie interessiert, weil Zwillingsthema", erklären sie plausibel. ....
Heinz Wagner
Infos
Bis 20. Jänner
Renaissancetheater, 1070, Neubaugasse 38
Tel.: (01) 521 10
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