Burning Gears 2010
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Freitag, 12. März 2010

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Junger Meister mit alter Tradition

Ein 17-Jähriger Wiener mit chinesischen Eltern gewinnt die Go-Meisterschaften

Go-Spieler Spannendes Finale der Go-Meisterschaft DruckenSendenLeserbrief
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Der alte neue österreichische Meister im Strategiespiel mit den schwarzen und weißen Steinen (Go) heißt Viktor Lin. Der nunmehr 17-Jährige holte sich den Titel (in der allgemeinen, nicht in der Jugend-Klasse) diesmal aber erst in einem Entscheidungsspiel.

Im Finale der besten sechs heimischen Go-Spieler musste er sich einem geschlagen geben - dem 18-jährigen Yorick Traxler. "Ich hab einige blöde Fehler gemacht", begründet Lin dem Jugend-KURIER gegenüber seine Aufgabe in der allerersten Meisterschaftspartie.

"Du hättest gar nicht aufgeben sollen", rügt ihn freundschaftlich-aufmunternd Traxler. Und die beiden beginnen auf dem leergeräumten Brett ihre Steine wieder so aufzulegen, wie sie die eben zu Ende gegangene Partie begonnen hatten. Manche der kritischen, vielleicht entscheidenden Phasen spielen sie nun in abgeänderten Varianten nach. Das sofortige gemeinsame Analysieren ist durchaus üblich nach Go-Spielen.

In den folgenden beiden Tagen gewann Lin - immer begleitet von seinen Maskottchen, diesmal einem plüschigen Pinguin und wieder seinem Fächer - die restlichen vier Partien. Vier Siege verzeichnete auch Jürgen Suntinger. Und das machte ein Entscheidungsspiel erforderlich. Dieses wurde nach traditioneller japanischer Manier ausgetragen: Spielbrett mit Sockel (Go-Bang) auf dem Boden stehend, die beiden Finalisten auf dem Teppich hockend, kniend oder sitzend. Teekanne und Schalen. Die reine Spielzeit von jeweils eineinhalb Stunden wurde fast vollständig ausgeschöpft.

Doch dann stand der neue alte Meister fest. Wobei sein Finalgegner meinte, Lins Sieg sei schon um etliches früher festgestanden, "aber er hat mir's zeigen wollen", den sich abzeichnenden Sieg länger auskosten wollen.

Training im Go-Land Korea

Go-Turnier mit Meister Meister schaut zuSeit dem Vorjahr "sind wir alle stärker geworden", antwortet Viktor Lin auf eine entsprechende Frage. Seinen großen Sprung vom Hobby- zum Meisterspieler hatte er allerdings schon vor mehr als einem Jahr in den vorigen Sommerferien, wie der Jugend-KURIER schon anlässlich seines ersten Titels im Vorjahr berichtete.
Da verbrachte er den Großteil der Ferien im derzeit vielleicht stärksten Go-Land, Korea. Bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr kam der neue/alte österreichische Champion auf Platz 23. "Mehr hätt ich mir schon erwartet", zeigt er sich enttäuscht.
Doch einigermaßen weitergebracht hätte ihn "vor allem viele Partien spielen und sicher auch Aoki-Sensei. Dieser japanische Go-Großmeister weilte die vergangenen drei Monate in Wien - als fernöstliche Entwicklungshilfe für dieses Strategiespiel in Österreich.

Seine Vorgängerin Chizu Kobayashi erfüllt diese Aufgabe nunmehr in Frankreich, nachdem Österreich ihre Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert hatte.
"Schuld" an Lins Go-Leidenschaft ist - wie bei fast allen jugendlichen SpielerInnen - die Manga-Serie: "Hikaru no Go" (siehe unten).

Viktor Lin, Gymnasiast in Wien-Margarethen (Rainergymnasium, 8. Klasse), übt gar nicht besonders verbissen. "Ich les in der U-Bahn Go-Lektionen", gestand er im Vorjahr nach dem Meistertitel.

Immerhin hat er neben seinem - Noch-Hauptjob Schule - zwei andere Leidenschaften. Seit 14 Jahren spielt er Klavier und Geige.


Stichwort Brettspiele

Go
Zwei Leute setzen abwechselnd schwarze und weiße runde Steine auf die Kreuzungspunkte eines quadratischen Spielfeldes. Ziel ist es, Gebiete mit den eigenen Steinen abzugrenzen (und gegnerische Steine zu fangen). Schwächere Spieler bekommen Vorgaben - dürfen anfangs einige Steine aufs Brett setzen.

Schach
Die Spielfiguren sind meist ebenfalls schwarz und weiß - sechs verschiedene (Bauer, Turm, Pferd oder Springer, Läufer, Dame, König). Für jede gelten andere Regeln, wie sie ziehen. Ziel ist, den gegnerischen König (persisch Schah) so "einzusperren", dass sie keinen Zug mehr machen kann - matt. Obwohl die Regeln komplizierter sind, ist es allerdings schon lange gelungen, starke Schachcomputer zu programmieren. Beim Go sind Top-Programmierer bislang "gescheitert". Trotz viel einfacherer Regeln gibt viel mehr Möglichkeiten und deren Bewertung ist fast unmöglich.

Manga als Einstieg

Manga-Bestseller Hikaru no goHikaru rächt alte UngerechtigkeitHikaru no Go - Mangas in gedruckter und Zeichentrick-Serien in bewegter Form - sind schuld daran, dass etliche Jugendliche das Strategiespiel Go entdeckten.

Worum geht es nun in dieser mittlerweile fast zwei Dutzend Bände umfassenden Serie, die wie Mangas auch auf Deutsch von rechts nach links zu lesen ist.
Ein Bursch namens Hikaru findet auf dem Dachboden seines Opas einen Tisch, der ihm sehr eigenartig vorkommt. Es ist ein Spielfeld mit Sockel (Go-Bang) für dieses japanische Strategiespiel. Dieser weist Blutflecken auf, die trotz noch viel Wischens nicht weggehen.

Der Geist eines uralten Go-meisters, des wahrscheinlich besten Spielers aller Zeiten, ersucht nun Hikaru, in dessen Körper spielen zu dürfen. Er selbst wurde durch Intrigen vom Hof des Kaisers in Heian-Kyo (Kioto) vor mehr als 1000 Jahren vertrieben, sinnt auf Rache - in Form eines sogenannten perfekten Spiels - Kami no itte ("Hand Gottes") genannt.

Plötzlich wird das "Alte-Männer"-Spiel für den jungen Hikaru total interessant. Vor allem die Revanche für die dem Supergroßmeister zugefügte Ungerechtigkeit ist für ihn Ansporn zum Go.

Artikel vom 04.01.2010 10:09 | KURIER | Heinz Wagner


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