Donnerstag, 9. September 2010

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Spielerisch Fortschritte machen

Der Therapiebedarf für Kinder mit besonderen Bedürfnissen steigt. Doch es gibt zu wenige Zentren, die Wartezeiten sind lang.

Kinder bei der Therapie auf einer Schaukel Gleichgewichtstraining auf der Schaukel. DruckenSendenLeserbrief
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Hinter einer unscheinbaren Tür - eine von 23 in einem langen, hell gestrichenen Gang - beginnt eine andere Welt: Kletterseile, Schaukel, Sprossenwand samt Rutsche. Im hinteren Raumteil dominiert eine bunte Kletterwand. Auf die haben es Paul, 13, und Jakob, 11, auch abgesehen. Mit Begeisterung klettern sie kreuz und quer und sammeln vorher auf den Griffen platzierte, kleine Figuren ein.

Die Kletterwand ist eine der beliebtesten Stationen im "Ambulatorium Wiental" in Wien 15. "Das Therapieklettern fördert Konzentration und auch die soziale Kompetenz". sagt die ärztliche Leiterin Elisabeth Vodopiutz. Hier nimmt man sich seit 30 Jahren Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen an. Es geht um Kinder mit Körperbehinderungen, Frühchen mit Entwicklungsverzögerungen, Kinder mit Verhaltensproblemen oder leichter geistiger Behinderung. Aber auch Unfallopfer mit Schädel-Hirn-Trauma, sowie schwer mehrfach behinderte Kinder haben hier, in der Graumanngasse 7, einen Ort, wo sie gefördert werden.

Individuelle Therapie

"Wir versuchen für jeden Patienten die individuelle Autonomie zu erreichen. Unsere Einstellung ist: Entwicklung ist immer möglich. Auch ganz kleine Schritte sind sehr wichtig. Das Kind soll nach seinen Möglichkeiten am Alltag teilnehmen können", erklärt Vodopiutz. Herausfordernd sei ihre Arbeit, aber auch befriedigend: "Es ist ein ganz tolles Erlebnis, wenn etwa ein bewegungsunfähiges Kind mit Cerebralparese (Hirnlähmung, die Bewegungsstörungen hervorruft, Anm.), das nicht sprechen kann, dann computerunterstützt mit einem Finger kommunizieren kann."

Physio-, Ergo- oder Musiktherapie: Jeder Raum hat im Ambulatorium seine spezielle Ausrichtung. Das Musikzimmer zum Beispiel ist schallisoliert. Am auffälligsten ist eine riesige Trommel mit vier Beinen, die speziell für Rollstuhl-Kinder adaptiert wurde.

"Sprachbehinderte können damit auch nonverbal kommunizieren. Aber auch sanfte Vibrationen sind zu spüren", erklärt Soziologin Marion Rinnofner, eine von zwei Geschäftsführern. Sogar das Arztzimmer schaut hier anders aus - eher wie ein freundliches Besucherzimmer. Eine Krabbelmatte wartet mit speziellen Puppen und eine knallgelbe Sonne strahlt als Kuschelpolster auf der Couch. "Die Kinder sollen sich frei und unverkrampft bewegen können, in einer freundlichen Atmosphäre. Das ist wichtig für die ärztliche Arbeit", sagt Vodopiutz.


Wartezeiten bis zu neun Monaten

Der Bedarf für Therapieeinrichtungen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen stieg in den vergangenen Jahren österreichweit. Das zur Verfügung stehende Angebot hielt den Bedürfnissen nicht Stand.

Verantwortlich für den gestiegenen Bedarf sind laut Elisabeth Vodopiutz, ärztliche Leiterin des "Ambulatoriums Wiental", unter anderem Fortschritte in der Medizin. "Heute überleben wesentlich mehr Frühchen, aber auch Kinder mit komplexen Syndromen", sagt Vodopiutz. "Es würden insgesamt noch 800 bis 1000 Plätze mehr gebraucht. Besonders im Schulalter steigt dann der Förderbedarf. Viele Probleme oder Entwicklungsverzögerungen von Frühgeburten werden erst beim Schuleintritt sichtbar", ergänzt Marion Rinnofner, Geschäftsführerin des Vereins.

In Wien müsse man derzeit mit Wartezeiten bis zu neun Monaten rechnen. Das kann zu fatalen Situationen führen: "In vielen Fällen gibt es ein ideales Zeitfenster für eine bestimmte Therapie, das die Entwicklung unterstützt. Das Fenster schließt sich aber, wenn das Kind in dieser Zeit keine Therapie erhält."

Artikel vom 29.07.2010 15:34 | KURIER | Ingrid Teufl


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