Donnerstag, 9. September 2010

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Klassenkampf in der Medizin

Widerstand gegen den Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin in Spitälern. Private würden immerhin das System stützen.

Ärzte beim Operieren Exklusiv-Behandlung: Keine Einigkeit, ob Privatpatienten im Spital über die Hotelkomponente hinaus Vorteile haben sollten. DruckenSendenLeserbrief
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Für heftige Reaktionen sorgt ein aktueller Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), der im Mittwoch-KURIER erstmals veröffentlicht wurde. Wie berichtet, ist bei Schein-Anfragen in 30 Ambulanzen öffentlicher Spitäler in ganz Österreich herausgekommen, dass neun davon Patienten mit Zusatzversicherung Vorteile verschafft haben. Patientenanwalt Gerald Bachinger klassifizierte das als "Todsünde in einem öffentlichen Gesundheitssystem".

Für Univ.-Prof. Ernst Wolner, den Vorsitzenden des Obersten Sanitätsrats, ist es nur logisch, dass es in allen Bereichen des Lebens Unterschiede gibt: "Die öffentliche Hand muss dafür sorgen, dass alle Menschen in einem vernünftigen Zeitraum eine notwendige Behandlung bekommen." Wolner zieht Vergleiche zum Verkehrssystem: "Wenn jemand von Wien nach St. Pölten fahren will, muss gewährleistet sein, dass er das auch kann - egal, ob mit Öffis oder mit einem Luxusauto." Die Illusion der gleichen Gesellschaft werde es niemals geben.
"In medizinischen Belangen gibt es keine Zwei-Klassen-Medizin. Jedes Spital wird versuchen, einem Patientenwunsch nachzukommen", betont dagegen Stefan Dorner vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV). Hier haben sich seit zwei Jahren die OP-Wartezeiten aufgrund eines zentralen Computersystems für alle Gemeindespitäler und längerer OP-Zeiten zudem deutlich verkürzt. "Bevorzugungen sind nicht möglich. Operationen können nicht ohne dieses System vergeben werden."

Sponsoren

Für Wolner sind die Privatversicherten "die größten Sponsoren des Gesundheitssystems", daher sei es auch legitim, dass sie gewisse Ansprüche stellen. "Es gibt ja auch ein Konkurrenzverhältnis. Die Privatspitäler warten nur darauf, dass man den Privatpatienten in öffentlichen Häusern kein Service bietet."

Laut aktuellen Daten des Versicherungsverbands Österreich gibt es derzeit rund 2,8 Millionen Verträge bei privaten Krankenversicherern - die jährlichen Versicherungsleistungen daraus betragen etwa eine Milliarde Euro. "Diese Menschen finanzieren acht Prozent der Spitalsausgaben", sagt Robert Hawliczek von der Ärztekammer. "Das ist das Sahnehäubchen, das bei uns die Qualität ausmacht - und das kommt allen zugute."

Diese Erklärungen lässt Patientenanwalt Bachinger nicht gelten: "Die Zahlen sprechen für sich, aber das Argument geht vollkommen am rechtlichen Status vorbei. Wenn man hier die Tür aufmachen will, dann muss man auch offiziell sagen, dass man sich mit Geld Vorteile im Gesundheitssystem verschaffen kann und dass wir eine Zwei-Klassen-Medizin haben."


Artikel vom 28.07.2010 18:01 | KURIER | Laila Daneshmandi und Ingrid Teufl


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