Donnerstag, 9. September 2010

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Exklusiv-Termine für Privatpatienten

Bei Spitalsterminen werden Patienten mit Zusatzversicherung zum Teil bevorzugt. "Das darf nicht sein", geben die Spitäler zu.

Arzt Mit dem Hinweis auf eine Zusatzversicherung konnten sich die Tester in neun von 30 Ambulanzen einen Vorteil verschaffen. DruckenSendenLeserbrief
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Das ist eine Todsünde in einem öffentlichen Gesundheitssystem", sagt Patientenanwalt Gerald Bachinger. Es habe immer wieder Gerüchte gegeben, dass Privatpatienten in manchen Spitälern bevorzugt werden, aber das sei bisher schwer zu beweisen gewesen. "Dieser Test zeigt, dass es in gewissen Bereichen eine Zwei-Klassen-Medizin gibt."

Grund für die Aufregung ist ein aktueller Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Die allgemeinen Ambulanzen der Gynäkologie, Orthopädie und Chirurgie in zehn öffentlichen Spitälern wurden mit erfundenen Operations-Überweisungen auf die Probe gestellt.

Das Ergebnis: Mit dem Hinweis auf eine Zusatzversicherung konnten sich die Tester in neun von 30 Ambulanzen einen Vorteil verschaffen - entweder bekamen sie einen früheren Termin oder wurden auf die Privatordination eines Spitalsarztes verwiesen.

Besonders entgegenkommend waren dabei die orthopädischen Ambulanzen. Hier gaben die Tester Schulterbeschwerden an. Im LKH Feldkirch wurde die Wartezeit um 20 Tage verkürzt, nachdem man auf die Zusatzversicherung hingewiesen hatte. Im AKH Linz wurde der Termin sogar um 28 Tage vorgezogen. Bei Letzteren begründet man das auf KURIER-Rückfrage damit, dass die Entscheidung je nach Belegung der Sonderklasse-Zimmer gefällt wird.

In vier Ambulanzen stellte man einen Termin in der Privatordination eines Spitalsarztes in Aussicht. "Das legt die Vermutung nahe, dass man dadurch eher Zugang zu den Krankenhausleistungen bekommt", sagt VKI-Projektleiterin Angela Tichy.

Irritiert

Vom KURIER auf das Testergebnis angesprochen, zeigte man sich in den Spitälern überrascht und irritiert. "Das darf nicht sein", lautet der allgemeine Tenor. Die Termine in den Spitalsambulanzen würden grundsätzlich "ohne Rücksicht auf den Versicherungsstatus der Patienten nur nach medizinischen Kriterien vergeben", heißt es etwa aus dem LKH Feldkirch. In den Ambulanzen würden aber auch die Privatordinationen von Ärzten zur Verfügung stehen - deren Terminplanung sei aber unabhängig, genauso wie die Organisation und Abrechnung.

Das wird im Wiener SMZ-Ost - offiziell - anders gehandhabt: "Es ist eine klare Richtlinie, dass niemand in die Privatordinationen geschickt wird. Das ist von der Optik her nicht gut", sagt der stv. ärztliche Direktor Univ.-Prof. Karl Philipp. "Privatpatienten bekommen auch über die Privatordinationen keinen früheren OP-Termin."

Tichy: "Es scheint zwar kein System dahinter zu sein, aber je weniger dringlich die Operation und je länger die Wartezeit war, desto eher war es möglich, dass man mit einer Zusatzversicherung einen früheren Termin bekommen konnte."

INFO: Den ausführlichen Test finden Sie im aktuellen Konsument oder unter konsument.at (siehe Link unten)


Artikel vom 27.07.2010 17:18 | KURIER | Laila Daneshmandi


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