Reizen Viren den Blinddarm?
Hinter der häufigen Erkrankung könnten ähnliche Mechanismen stecken wie hinter einer Grippewelle.
Schmerzen in der rechten Bauchhälfte sind ein mögliches Symptom bei einer Blinddarmentzündung.
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Blinddarm-Operationen oder - genauer gesagt - die Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes gehören zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Bisher gingen Mediziner davon aus, dass hinter der äußerst schmerzhaften Entzündung meist eine Reizung durch Fremdkörper wie Kotsteine oder Kirschkerne steckt. Eine aktuelle Studie aus den USA könnte diese Annahme über den Haufen werfen: Bei der Auswertung von Patientendaten war den Forschern von der University of Texas in Dallas aufgefallen, dass das Auftreten der Entzündungen einem ähnlichen Muster folgt wie die saisonale Influenza: Bei beiden Erkrankungen variiert die Zahl der Erkrankungen mit dem Wechsel der Jahreszeiten, berichtet Die Welt in ihrer online-Ausgabe.
Auch über die Jahre hinweg ist der Verlauf ähnlich: Zwischen 1970 und 1995 sank die Fallzahl bei beiden Krankheiten, während sie in den Jahren danach wieder stetig anstieg.
Hinzu kommt eine regionale Häufung: Wenn irgendwo eine Blinddarmentzündung auftritt, ist es sehr wahrscheinlich, dass es bald darauf in der selben Gegend weitere Fälle gibt.
Die Forscher gehen nicht davon aus, dass das Influenza-Virus direkt die Blinddarm-Entzündungen verursacht, schließlich würden Letztere eher im Sommer auftreten. Möglicherweise gebe es aber einen gemeinsamen Faktor, der beide Krankheiten beeinflusst.
Noch zurückhaltend bei der Bewertung dieser Studie ist Prim. Rudolf Roka, Chirurg an der Wiener Rudolfstiftung: Für Österreich gebe es noch keine Daten, die eine zeitliche und räumliche Häufung der Fälle bestätigen würden.
Wann operieren?
Den immer wieder erhobenen Vorwurf, in Österreich werde zu leichtfertig operiert, will Roka nicht gelten lassen: "Das ist eher die Ausnahme." Zumindest für die Wiener Gemeindespitäler gelte: "Wir sind froh, wenn wir nicht operieren müssen, weil wir die Betten dringend brauchen." Ein Entfernen des Wurmfortsatzes sei nur bei Vorhandensein bestimmter klinischer Symptome gerechtfertigt. Dazu gehören neben den typischen Druckschmerzen im Bauch, die immer stärker werden, Fieber und Erbrechen. Zur genauen Abklärung werden ein Blutbefund im Labor und eventuell auch eine Untersuchung mittels Ultraschall oder Computertomografie durchgeführt.
Appendix: 14.000 Operationen pro Jahr
Wurmfortsatz
Der sogenannte Appendix ist ein Anhängsel des Blinddarmes (Anfangsteil des Dickdarmes) und etwa zehn Zentimeter lang.
Entfernung
Jährlich gibt es in Österreich 14.000 Blinddarm-Operationen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Um den Appendix zu entfernen, ohne Narben am Bauch zu hinterlassen, schlagen manche Chirurgen den Mund oder andere Körperöffnungen als möglichen alternativen Zugangsweg vor. Dieses Verfahren wird bisher erst vereinzelt angewandt. Sein tatsächlicher Nutzen ist noch umstritten.





