Burning Gears 2010
Burning Gears 2010
Burning Gears 2010

Dienstag, 16. März 2010

» Registrieren / Anmelden

Schutzimpfung gegen Allergien

Salzburger Forscher arbeiten an einem Gentech-Verfahren, das den Ausbruch von Allergien verhindern soll.

Allergien Aber auch Menschen, bei denen sich eine Allergie erst im Alter ankündigt, kann geholfen werden. DruckenSendenLeserbrief
kommentieren Bookmark and Share
Salzburger Forschern ist ein wissenschaftlicher Durchbruch gelungen. Sie haben eine vorbeugende Schutzimpfung gegen Allergien entwickelt. "Die Zukunft könnte so aussehen, dass es einen Impfcocktail gegen die häufigsten und aggressivsten Allergien, wie jene gegen Birke, Gräser, Hausstaub und Tierhaare gibt", sagt Molekularbiologe Josef Thalhamer.

Bisher wurden allergische Reaktionen und damit einhergehendes Asthma durch Impf-Therapien gelindert. Jetzt kann durch einen genetischen Impfstoff im Ansatz verhindert werden, dass die Allergie überhaupt auftritt. "Genetische Immunisierung ist nicht ganz unumstritten. Aber wir haben es geschafft, mit RNA - also nackter Ribonukleinsäure - zu impfen. Der Impfstoff wird sofort wieder im Körper abgebaut. Es gibt keine Nebenwirkungen für das Immunsystem. Der Impfstoff kann nicht ins Erbgut eingebaut werden und dort Schaden anrichten."

Pioniere

Seit fast zehn Jahren arbeitet Thalhamer mit seinem Forscherteam an der Entwicklung der Impfung. "Wir waren in Europa Pioniere auf diesem Gebiet. Wir wussten, dass es funktionieren muss, einen Impfstoff herzustellen, der wieder verschwindet, nachdem er seine Arbeit erledigt hat. Wir haben mit Biss und Ehrgeiz daran gearbeitet, dass er auch die höchsten Sicherheitskriterien erfüllt", sagt Experte Thalhamer. Jetzt wurde das Verfahren weltweit patentiert.

In einer breit angelegten Studie wurde der Impfstoff bereits an Mäusen getestet. 2012 soll es eine erste klinische Studie geben, die vom Biotech-Unternehmen Biomay finanziert wird. Stellen sich die erhofften Erfolge ein, wird es die Allergie-Impfung schon bald geben.

Ansprechen will man damit vor allem Kinder, die durch ihre Eltern erblich bedingt ein Risiko für Allergien haben. "50 bis 60 Prozent der Kinder von Allergikern entwickeln auch Allergien. Wenn sie in einem besonders sauberen Umfeld aufwachsen, steigert das das Risiko noch", so Thalhamer.

Der Wissenschaftler ist überzeugt, dass Eltern einer Allergie-Impfung positiv gegenüberstehen werden. "Eltern, die selbst eine Allergie durchgemacht haben, wollen das ihren Kindern ersparen. Allergiker sind chronisch kranke Menschen. Gehen sie einmal drei Stockwerke hinauf und atmen sie durch einen
Strohhalm: So fühlt sich ein Asthmatiker", sagt Thalhamer. Asthma ist eine häufige Spätfolge von Allergien.


Pflaster statt Spritze

Aber auch Menschen, bei denen sich eine Allergie erst im Alter ankündigt, kann noch geholfen werden. "Bei einer beginnenden Allergie kann das Immunsystem noch stabilisiert und in die rechte Bahn gebracht werden", so der Forscher. An ihrem nächsten Coup arbeiten die Salzburger Forscher bereits. Die Allergie-Impfung soll in Zukunft nicht mittels Spritze, sondern durch ein Pflaster erfolgen.



Bald jeder Zweite betroffen

Allergie Der eigene Körper hat gelernt, fremde Eindringlinge zum Schutz der Gesundheit abzuwehren. Bei Allergikern verschiebt sich jedoch im Laufe des Lebens das Gleichgewicht in der Kontrolle der Abwehr. Der Körper reagiert auf manche Eindringlinge viel stärker als es notwendig wäre. Diese Abwehrreaktion des Immunsystems ist dann so heftig, dass sie selbst zum Krankheitszustand wird.

Anstieg Derzeit beträgt der Allergiker-Anteil in der Bevölkerung 30 Prozent. In 20 Jahren sollen es schon 50 Prozent sein. 80 Prozent der unbehandelten Allergien führen zu Asthma.

Behandlung Gegen akute Beschwerden helfen Entzündungshemmer. Hinzu kommen Impfkuren vor Beginn der Pollensaison. Bei Gräserallergien werden auch Tabletten verabreicht.

Auslöser
Neben der genetischen Veranlagung sind Umweltverschmutzung, Feinstaub, und übertriebene Hygiene verantwortlich, dass es zu Allergien kommt.

Artikel vom 07.02.2010 16:42 | KURIER | Brigitte Kirchgatterer


Kommentare werden geladen...