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Donnerstag, 18. März 2010

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Gelähmter antwortet mit Gedankenkraft

Ein angeblicher Wachkoma-Patient kann auf Fragen mit "Ja" und "Nein" antworten, wie eine Studie ergeben hat.

Krankenbett Der Mann wurde von Ärzten als Wachkoma-Patient eingestuft. DruckenSendenLeserbrief
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Ein Mann, der sich nach einem schweren Unfall seit Jahren nicht bewegen und nicht sprechen kann, hat einer Studie zufolge dank einer neuen Scanner-Technik allein durch Gedanken mit Medizinern kommunizieren können. Der 29-Jährige habe mit "Ja" und "Nein" auf einfache Fragen geantwortet, heißt es in einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie, wie die belgische Universität Lüttich am Mittwochabend mitteilte. Lütticher Wissenschafter waren neben Kollegen aus dem britischen Cambridge an der Studie beteiligt, bei dem es um eine Abbildung der Gehirnaktivitäten von Patienten ging.

Der Mann hatte den Angaben zufolge 2003 einen schweren Autounfall und lebt in Osteuropa. Er konnte sich infolge des Unfalls in den vergangenen Jahren weder bewegen noch sprechen. Die Forscher hätten angenommen, dass er sich in einem "vegetativen Zustand" befinde, einer Art Wachkoma. Dank einer neuen Technik namens "Bildgebung durch magnetische funktionelle Resonanz" (IRMf) machten sie jedoch Gehirnaktivitäten sichtbar. Stellte man dem Mann zugleich einfach Fragen wie "Heißt Ihr Vater Thomas?", seien bei einem "Ja" beziehungsweise "Nein" jeweils die gleichen Gehirnregionen aktiv geworden wie bei gesunden Menschen, die solche Fragen auch mündlich beantworten konnten.

Scanner

Die Forscher hätten es nicht glauben können, als sie die Scanner-Ergebnisse des Patienten sahen, erklärte der Cambridger Neurologe Adrian Owen. "Er war fähig, auf die Fragen richtig zu antworten. Und das nur dadurch, dass er seine Gedanken anpasste, die dann durch die IRMf entschlüsselt wurden." Die Mediziner hätten 23 Patienten auf diese Weise untersucht, bei vier hätten sie "Zeichen von Bewusstsein" festgestellt.

Die IRMf-Technik könnte Patienten letztlich womöglich "erlauben, ihre Gefühle auszudrücken und persönlich auf schwierige Fragen wie die der Sterbehilfe zu antworten", erklärte der Lütticher Forscher Steven Laureys.


Zweifel

In Österreich leben zwischen 800 und 1000 Menschen im Wachkoma. Neurologen zweifeln vermehrt an der Bewusstlosigkeit von Wachkoma-Patienten. Der
Neurologe Adrian Owen vom Medical Research Council in Cambridge fordert verbesserte Diagnosekriterien. In Untersuchungen hat er schon vor einigen Jahren in sogenannten Hirnscans festgestellt, dass Wachkoma-Patienten, die sich auf Aufforderung eine Tätigkeit wie Tennis Spielen oder Laufen vorstellen sollten, die gleichen Gehirnaktivitäten aufwiesen wie Personen, die diese Tätigkeiten tatsächlich umsetzten. In Österreich hat eine Schüler-Forschergruppe der HTL Ottakring 2007 das Encephalophon entwickelt, das die Gehirnströme der Patienten in akustische Signale umwandelt. Auch hier wurden vermehrt Aktivitäten festgestellt, wenn die Komapatienten etwas gefragt wurden.

Artikel vom 04.02.2010 13:30 | APA/AFP | thu


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