Dienstag, 9. Feber 2010 | Schriftgröße: AAA

» Registrieren / Anmelden

Der Kampf gegen das soziale Aids

Aids-Tag: Ärger als die gesundheitlichen sind häufig die gesellschaftlichen Folgen einer HIV-Infektion.

Aids-Schleife HIV-Infizierte werden oft von Familie, Freunden und Arbeitgeber fallen gelassen. DruckenSendenLeserbrief
kommentieren Bookmark and Share
Mit einer zwiespältigen Bilanz warten Experten anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember auf: Einerseits ist dank moderner Medikamente inzwischen ein einigermaßen normales Leben mit der Erkrankung möglich, andererseits steigt in Österreich die Zahl der jährlichen HIV-Neuinfektionen nach wie vor an: Für das Jahr 2009 weist die Statistik hochgerechnet 523 Fälle aus - ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Eine wachsende Sorglosigkeit der Bevölkerung ist ein Grund für diese Entwicklung. "Möglicherweise hängt der Anstieg auch damit zusammen, dass heute mehr Diagnosen durchgeführt werden als früher", sagt Dennis Beck, Obmann der Aids Hilfe Wien.

Selbst die besten Medikamente können nicht das "soziale Aids" in den Griff bekommen - Diskriminierung und Vorurteile, unter denen manche Patienten mehr leiden als unter der Krankheit selbst. "Wir wissen schon seit Jahrzehnten, wie man sich anstecken kann, trotzdem gibt es immer noch Leute, die HIV-Infizierten nicht die Hand schütteln", sagt Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely.

Hysterie

"Ich empfehle niemanden, seine Infektion ohne Weiteres bekannt zu machen, denn ein offenes Leben mit HIV ist nach wie vor nicht möglich. Mitmenschen, aber auch Polizei oder Rettung reagieren oft überängstlich, ja sogar hysterisch", betont Wiltrut Stefanek, die selbst seit 13 Jahren HIV-positiv ist und die Selbsthilfegruppe PULSHIV leitet. Immer wieder komme es vor, dass Betroffene nach Bekanntwerden der Diagnose ihre Freunde oder ihren Job verlieren würden. "Viele müssen zurückgezogen am Existenzminimum leben."

Stefanek kennt auch Patienten, die Opfer von Datenschutzverletzungen werden: "Oft werden Betroffene von öffentlichen Stellen wie etwa dem Arbeitsamt auf ihre Infektion angesprochen, ohne dass klar ist, woher die Behörde diese Information hat." Dabei unterliege der HIV-Status dem Datenschutz. "Wir fordern, dass dieser auch strikt eingehalten wird." Weiters sei ein bundesweites Antidiskriminierungsgesetz nötig, das auch Regelungen für den Arbeitsplatz miteinschließt.

Neben medizinischen Fortschritten werden auch diese sozialen Aspekte Thema der 18. Welt-Aids-Konferenz sein, die im Juli 2010 in Wien statt findet. 25.000 Teilnehmer werden erwartet.


Mehrheit der Patienten männlich

Von den derzeit mit Aids lebenden 1247 Österreichern sind 34 Prozent homo- bzw. bisexuell. 24 Prozent sind Personen, die abhängig von intravenös verabreichten Drogen sind. 21 Prozent sind heterosexuell. 79 Prozent sind männlich, knapp die Hälfte der Patienten lebt in Wien.

Anlässlich des Welt-Aids-Tages findet morgen, Samstag, im Aids Hilfe Haus Wien (1060, Mariahilfer Gürtel 4) ein Open House statt, bei dem u.a. die Vienna Swing Sisters und Eddie Cole auftreten. Einlass: 20 Uhr. Karten: 12€ (Vorverkauf), 14€.

Rückgang bei Neuinfektionen

Die Zahl neuer HIV-Infektion ist weltweit in den vergangenen acht Jahren um 17 Prozent zurückgegangen. Auch die Todesfall-Statistik weist für die vergangenen fünf Jahre ein Minus von mehr als zehn Prozent aus, geht aus einem aktuellen UN-Bericht hervor.

Der Rückgang sei laut Experten auf Vorsorgeprogramme und den verbesserten Zugang zu lebensrettenden Arzneien, vor allem in den stark betroffenen Gebieten Afrikas, zurückzuführen.

Dennoch steckten sich allein im Vorjahr 2,7 Millionen Menschen neu mit dem Virus an. Seit Beginn der Aids-Pandemie vor knapp 30 Jahren infizierten sich rund 60 Millionen Personen, 25 Millionen starben an der Immunseuche. 2008 waren es rund zwei Millionen.

Artikel vom 26.11.2009 16:32 | KURIER | Josef Gebhard


kommentieren

Kommentare werden geladen...


Werbung