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Alleskönner im Fruchtwasser

Stammzellen aus dem Fruchtwasser sind so entwicklungsfähig wie jene aus Embryos, haben Wiener Forscher entdeckt.

menschliche stammzelle Embryo-Stammzellen: Um sie zu gewinnen, müssen lebensfähige Embryos zerstört werden DruckenSendenLeserbrief
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Ein bedeutsamer Fortschritt in der Stammzell-Forschung ist zwei Wiener Medizinern gelungen: Der Genetiker Univ.-Prof. Markus Hengstschläger und der Gynäkologe Univ.-Prof. Wilfried Feichtinger haben gemeinsam mit US-Kollegen herausgefunden, dass Stammzellen aus dem Fruchtwasser ein ähnlich hohes Entwicklungspotenzial haben wie solche, die aus Embryonen gewonnen werden. Das bedeutet, dass aus ihnen eine Fülle verschiedener Gewebetypen gezüchtet werden kann - mögliches Ersatzmaterial für geschädigte Organe.

Den Forschern ist es laut Fachzeitschrift Oncogene gelungen, im Labor aus einzelnen Fruchtwasser-Stammzellen so genannte Embryoid bodies zu züchten. "Das war bisher hauptsächlich mit embryonalen Stammzellen möglich", sagt Hengstschläger. Embryoid bodies sind Zellhaufen, die Embryos sehr ähnlich sind, sich aber nicht zu einem Menschen entwickeln können. Dazu fehlt ihnen die Fähigkeit, eine Plazenta zu bilden. "Ansonsten können sich aus ihnen aber noch alle Arten von Zellen entwickeln", betont der Genetiker.

Vertretbar

Seit Jahren suchen Forscher nach gleichwertigen Alternativen zu den Embryo-Stammzellen, deren Einsatz zu Forschungs- und Behandlungszwecken aus mehreren Gründen problematisch ist: Um sie zu gewinnen, müssen entwicklungsfähige Embryos zerstört werden, was für viele Forscher ethisch nicht vertretbar ist. Außerdem können aus ihnen bösartige Tumore entstehen. "Aus den Fruchtwasser-Stammzellen bilden sich hingegen keine Krebszellen. Das wurde in Versuchen mit Mäusen nachgewiesen."

Hengstschläger und sein Team denken bereits über praktische Anwendungsgebiete für diese Zellen nach: "Wir möchten damit in den nächsten Jahren Kinder behandeln, die mit schweren Nierenschäden zur Welt gekommen sind." Diese Patienten sterben häufig, weil bei Neugeborenen eine Dialyse oder eine Nierentransplantation nur sehr schwer möglich ist. Nach einer Stammzell-Injektion könnten sie zumindest so lange überleben, bis sie kräftig genug für eine Organverpflanzung sind. "Auch Babys mit offenem Rücken könnten mit Stammzellen behandelt werden", so der Genetiker. Vereinzelt gibt es auch schon vollständige Ersatz-Organe, die zumindest teilweise aus Stammzellen entwickelt wurden: Anthony Atala, Forscher an der Wake Forest Uni (USA) und Mitautor der aktuellen Studie, züchtet Harnblasen, die später implantiert werden. Hengstschläger: "Die Blase hat den Vorteil, dass es sich bei ihr um ein relativ einfach aufgebautes Organ handelt."


Artikel vom 23.11.2009 16:19 | KURIER | Josef Gebhard


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