Thursday, May 24, 2012

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USA: Romney greift Santorum an

Bei den US-Vorwahlen der Republikaner versuchte Mitt Romney in einer TV-Debatte Mittwochabend den Befreiungsschlag.

Letztes Update am 23.02.2012, 08:03


Rick Santorum hat Mitt Romney laut Umfragen überholt.

Der lange Zeit als Favorit bei den Präsidentschaftsvorwahlen der US-Republikaner gehandelte Mitt Romney geht in die Offensive: Romney hat die Attacken auf seinen Widersacher Rick Santorum verschärft. In einer TV-Debatte der republikanischen Bewerber am Mittwochabend bezichtigte Romney Santorum den republikanischen Schuldenfall schlechthin begangen zu haben: Während seiner Amtszeit als Senator soll Santorum demnach die Staatsausgaben nach oben getrieben haben.

Romney, Santorum, Newt Gingrich und Ron Paul lieferten sich Wortgefechte über Themen von der Wirtschaftspolitik bis zum Syrien-Konflikt.

Mitt Romney war bis vor kurzem noch der aussichtsreichste Kandidat im Kampf um die republikanische Kandidatur für das Präsidentenamt. Der Gouverneur von Massachusetts konnte einige Vorwahlen für sich entscheiden.

Er trat schon bei den Vorwahlen für den Präsidentschaftswahlkampf 2008 an - blieb aber eher farblos. Romney gilt für viele Republikaner als zu liberal.

Rick Santorum aus Virginia gelang eine Sensation: Lange Zeit als Außenseiter belächelt, gewann er bei den Iowa-Vorwahlen. Sein Sieg kam erst durch eine Stimmenüberprüfung ans Licht. Er könnte Romney seine Favoritenrolle streitig machen.

Der erzkonservative Katholik ist der neue Darling der Tea-Party, einer 2009 entstandenen erzkonservativen Protestbewegung. Im liberaleren New Hampshire ist er allerdings lediglich auf neun Prozent gekommen.

Ron Paul ist mit 76 Jahren der älteste und zugleich ungewöhnlichste Kandidat. Paul fordert etwa das Ende aller militärischen Operationen der USA im Ausland, die Abschaffung großer Teile der US-Bürokratie, und die Wiedereinführung des Goldstandards.

In Iowa belegte er den dritten Platz, in New Hampshire schaffte er gar Platz 2.

Eine Zeit lang lag Newt Gingrich in Umfragen gleichauf mit Romney, doch nach einem massiven Negativwahlkampf gegen ihn durch seine Gegner, reichte es in Iowa nur noch für den vierten Platz.

Die Chancen für das republikanische Urgestein, das sich in den 90er Jahren als einer der härtesten Gegenspieler des demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton erwies, schwinden.

Der texanische Gouverneur Rick Perry erfreute sich am Anfang des Wahlkampfes großer Beliebtheit in seiner Partei. Nach etlichen Ausrutschern in öffentlichen Debatten sanken seine Umfragewerte jedoch rapide - er forderte etwa in einer Live-Debatte die Abschaffung von drei Regierungsbehörden, konnte sich aber nur an zwei davon erinnern.

Er hat inzwischen aufgegeben und unterstützt Newt Gingrich.

Jon Huntsman ist nach Mitt Romney der zweite Mormone im republikanischen Kandidatenfeld und war bis Ende April amerikanischer Botschafter in China. Zuletzt versuchte er, mit verbalen Attacken gegen Mitt Romney auf sich aufmerksam zu machen.

Am Wahlkampf in Iowa hat er sich nicht aktiv beteiligt. Nach den Vorwahlen in New Hampshire hat er den Hut gezogen und will fortan Mitt Romney unterstützen.

 

Herman Cain hat sich bereits aus dem Wahlkampf verabschiedet und nahm gar nicht erst an den Vorwahlen in Iowa teil. Auch er war für einige Zeit als Favorit gehandelt worden, bis Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn laut wurden.

Es folgten eher peinliche TV-Auftritte, die sein Unwissen in Sachen Außenpolitik offenlegten. Cain sah sich schließlich Anfang Dezember gezwungen, seine Kampagne zu beenden.

Auch Sarah-Palin-Lookalike Michele Bachmann hat ihre Kampagne vorzeitig beendet. Dabei konnte sie noch im Sommer des vergangenen Jahres den Iowa "Straw Poll" für sich entscheiden.

Einige Monate später lag sie – trotz Unterstützung der Tea Party - abgeschlagen am letzten Platz unter den relevanten Kandidaten. Bachmann zog die Konsequenzen.

Show-Debatte im TV

Während Santorums Amtszeit im Senat seien die Staatsausgaben um 80 Prozent angestiegen, sagte Romney im TV. Der frühere Senator habe mehrfach für die Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze der USA gestimmt, ohne sich für Einsparungen einzusetzen. Außerdem habe Santorum für die Vergabe von Mitteln an die Organisation Planned Parenthood gestimmt, die auch Abtreibungen anbietet. Dabei hat sich Santorum im Wahlkampf als absoluter Abtreibungsgegner positioniert.

Der christlich-konservative Ex-Senator warf Romney umgehend vor, die Fakten zu verzerren. "Sie wissen nicht, wovon sie reden", wetterte er. Santorums längere Erklärung, wie der US-Kongress die Mittel im Haushalt zuweise, quittierte Romney mit einem kurzen Kommentar. "Ich bin all dem nicht ganz gefolgt", sagte der Ex-Gouverneur. Aber er werde dafür sorgen, dass die "exzessiven Ausgaben" im Kongress ein Ende hätten.

Umfragen sehen Sontorum schon vor Romney


Paul, Santorum, Romney und Gingrich lieferten sich Wortgefechte am Mittwochabend.

Wegen seiner finanzstarken Wahlkampforganisation und der Unterstützung durch das Partei-Establishment galt Romney lange als Favorit, um bei den Wahlen im November für die Republikaner Präsident Barack Obama herauszufordern. Allerdings hält die konservative Basis der Republikaner Abstand von dem Ex-Gouverneur von Massachusetts. Der erzkonservative Santorum ist laut Umfragen Romneys gefährlichster Rivale um das Kandidatenticket der Republikaner.

Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der Universität Quinnipiac zufolge liegt Santorum derzeit landesweit mit 35 Prozent klar vor Romney mit 26 Prozent. Gingrich kommt demnach nur auf 14 Prozent - der Ex-Chef des Repräsentantenhaus hatte noch im Jänner die Rolle des ärgsten Romney-Rivalen inne. Die Zustimmung der republikanischen Anhänger für den Ultra-Liberalen Paul liegt laut der Umfrage bei elf Prozent. Die Ideen des texanischen Abgeordneten für einen Minimalstaat gelten auch in weiten Teilen der eigenen Partei als nicht vermittelbar.

Alles offen

Romney hatte Anfang Februar überraschend drei Vorwahlen an Santorum verloren, in Missouri, Minnesota und Colorado. Bei der Vorwahl in Maine hatte sich dann wieder Romney durchgesetzt. Am Dienstag stimmen die Republikaner in Romneys Geburtsstaat Michigan und in Arizona ab. Santorum hat laut Umfragen in Michigan die Nase vorn. Auch bei der Abstimmung in Arizona muss Romney wegen eines recht knappen Vorsprungs noch um den Sieg bangen. Eine Vorentscheidung dürfte dann beim sogenannten Super-Dienstag am 6. März fallen, wenn in zehn Staaten gleichzeitig abgestimmt wird. Die offizielle Kandidatenkür findet dann auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner Ende August statt.

 


Letztes Update am 23.02.2012, 08:03


Artikel vom 23.02.2012 07:25 | apa | mn | « zurück zu Nachrichten


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