Thursday, February 23, 2012

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WKR-Ball begann verspätet, Demo blieb "generell ruhig"

Abgesehen von einer Sitzblockade in der Herrengasse und einem verletzten Ballbesucher ist der umstrittene WKR-Ball "ruhig" angelaufen.

Letztes Update am 29.01.2012, 10:00


Die Polizei riegelt das Gelände ab.

Am Freitagabend ging in Wien der umstrittene Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) über die Bühne. Begleitet von Demos und einer Kundgebung dagegen. Dabei kam es zu einigen Auseinandersetzungen mit Ballbesuchern. "Es ist generell ruhig, passiert ist nichts", zog Polizeisprecher Roman Hahslinger kurz nach Ende der offiziellen Kundgebung Bilanz. 21 Festnahmen bei Demonstration, 3 leicht verletzte Ballgäste und drei leicht verletzte Ballgäste blieben als "geringe" Schadensbilanz.

Die Ball-Besucher hatten aufgrund der Gegendemonstrationen Probleme, zur Hofburg zu gelangen. Die Stimmung in den Räumlichkeiten war durch die Proteste allerdings nicht getrübt. Neben Töchterle befanden sich im Ehrenkomitee außerdem noch der Präsident der Österreichischen Universitätskonferenz, Heinrich Schmidinger, sowie der Rektor der Montanuniversität Leoben, Wilfried Eichlseder. Der Wissenschaftsminister will aufklären lassen, warum er selbst im Programmheft des umstrittenen Balls des Wiener Korporationsrings aufscheint.

"Das ist ganz bestimmt nicht die Intention des Ministers", erklärte seine Sprecherin am Freitagabend gegenüber der APA zur Nennung des Ressortchefs im "akademischen Ehrenkomitee". "Wir gehen dem umgehend nach, um aufzuklären, wie er auf diese Liste gekommen ist", kündigte sie an.

Schätzungen über die Größe der Demonstration gehen dabei, wie gewohnt, weit auseinander. Während die Polizei von knapp 2500 Teilnehmern spricht, gehen die Veranstalter von bis zu 8000 WKR-Ball-Gegnern aus. Auf Seiten der Demonstranten wird immer wieder von Verhaftungen und "Anhaltungen" berichtet.

"Ein klares NEIN zum WKR-Ball", diesem Credo sind bis zu 8000 Personen am Freitagabend auf den Wiener...

... Heldenplatz gefolgt um großteils friedlich gegen ...

... den vom Wiener Kooperationsring veranstalteten Ball zu demonstrieren. Begleitet von einem ...

.. Großaufgebot der Polizei ...

... kam es nur zu vereinzelten Zwischenfällen und ...

... einigen wenigen Verhaftungen gekommen.

Die Burschenschafter und ...

... ihre Gäste ...

... konnten den Ball, auch ...

... ob einer Sitzblockade im Bereich der Herrengasse erst mit einiger ...

... Verspätung beginnen. Am ...

... in der Öffentlichkeit viel kritisierten Ball nehmen auch ...

... Politgrößen wie Heinz-Christian Strache teil.

"Wir sind anständige Demokraten"

Burschenschafter auf dem Weg zum Ball.

Als sich schließlich alle Gäste in der Hofburg eingefunden hatten, hielt FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache persönlich die Eröffnungsrede: "Wir haben heute ein wundervolles kulturelles Fest, das wir uns nicht nehmen lassen", meinte dieser im Hinblick auf die Demonstrationen gegen die Veranstaltung und betonte: "Wir sind anständige Demokraten." Organisator Udo Guggenbichler begrüßte in seiner Rede mehr als 3.000 Ballgäste und meinte: "Wir werden auch in Zukunft Bälle veranstalten, ob es anderen gefällt oder nicht."

Die "Diffamierung" der Ballgäste und -veranstalter im Vorfeld habe nahezu alles überboten was bisher dagewesen sei, meinte Strache. Darum sei der diesjährige Besuch auch so wichtig. Die Gegner des Balles nannte der FPÖ-Chef "antidemokratische Gewalttäter", von solchen "undemokratischen Mechanismen" solle man sich nun aber nicht ablenken lassen. Der Ball sei "zum Symbol geworden "für Demokratie und Meinungsfreiheit", die Burschenschafter würden auch in Zukunft "unbeirrbar unsere Feiern abhalten".

Andreas Mölzer

21:20

Ein verletzter Ballbesucher im Bereich des Ballhausplatzes. Der Mann soll am Kopf verletzt worden sein - er wird von Rettungskräften versorgt.

Großaufgebot der Polizei am Kohlmarkt: Demonstranten und Ballbesucher sind aneinander geraten.

21:12

Bis auf einige Feuerwerkskörper und Bengalenfeuer verlaufen die Proteste weitgehend friedlich. Die Veranstalter sprechen von 6.000 bis 8.000 Teilnehmern, die Polizei von 2.500. Ein Zwischenfall: Auf der Bühne am Heldenplatz gab es eine Zeit lang keinen Strom - der Generator gab den Geist auf.

21:11

Es wird gezwischert, dass die Kundgebung am Heldenplatz nun offiziell zu Ende ist.

21:05

Hinter dem Innenministerium kam es zu Zusammenstößen zwischen Ballgästen und Demonstranten. Die Polizei hat schlichtend eingegriffen.

21:00

Es sind mehr Menschen auf der Straße als in der Hofburg, freut sich die Österreichische Hochschülerschaft. "Wir haben heute ein starkes aber friedliches Zeichen gegen Rassismus, Deutschnationalismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie gesetzt", resümiert das Bündnis via Aussendung.

20:55

Beim Bundeskanzerlamt haben sich laut Twitter 150 Protestanten eingefunden. Die Polizei ist im Anmarsch.

20:40

Erste Störaktionen: Eine Gruppe Demonstranten hat sich spontan auf der Herrengasse zum Sit-In zusammengefunden und damit die Zufahrt für einen Bus mit Burschenschaftern
versperrt. Sie steht unter Beobachtung: Ein Hubschrauber des Innenministerium schwebt über den Köpfen der sitzenden Protestanten. Die Ball-Gäste wurden von der Polizei aus dem Bus geholt und in Richtung der Veranstaltung begleitet. "Es ist nichts passiert", sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger.

Auch vor Hofburg der rückte die Polizei zusammen. Es wurden Knallkörper geworfen.

Etwas ruhiger geht es auf dem Heldenplatz zu - hier wird friedlich musiziert.

20:20

Mediales G´riss um Heinz-Christian Strache. Der FPÖ-Chef wird bei seiner Ankunft von Fotografen und Journalisten umringt. Im Vorfeld kündigte Strache rechtliche Schritte gegen Personen und Organisationen an, die gegen den Wiener Korporationsball und seine Besucher hetzen. "Diese Hetze verletzt die Menschenwürde der Ballbesucher und erfüllt teilweise auch den Tatbestand der Verleumdung und der üblen Nachrede", stellte der Bundesparteiobmann fest.

19:30

Erste Ballgäste treffen auf dem Heldenplatz. Abgeschirmt von den Demonstranten sind nach KURIER-Beobachtungen auch Bundesheer-Angehörige in Uniform zu sehen. Die Autorität des Verteidigungsministers scheint enden wollend, zumal dieser einen Auftritt in Uniform bereits im Vorfeld verboten hatte. FPÖ-Chef Strache hatte dagegen im Uniform-Verbot eine "rechtswidrige Weisung" geortet, die man prüfen lassen werde.

WKR-Ball-Gegner tun ihren Unmut auf zahlreichen Plakaten und Spruchbändern kund.

19:00

Immer mehr Menschen strömen auf den Heldenplatz. Die Protestkundgebung ist in vollem Gange. In einer knappen Stunde werden die ersten Festgäste erwartet. Die Lage ist sowohl aus Polizei- als auch aus Teilnehmersicht weiterhin friedlich.

18:30

Der erste Demozug hat den Heldenplatz erreicht. Nach Polizeiangaben haben sich demnach bislang knapp 700 Personen eingefunden. Außer einiger Knallkörper sei die Lage bislang "ruhig". Indes ist auch die Seite des WKR-Ball nicht mehr erreichbar.

Am Freitagabend marschieren die Burschenschafter wieder in der Hofburg auf.

Der Anlass: Der Ball des Wiener Korporationsrings.

Ob Wiens FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus auch das Tanzbein schwingen wird, steht noch nicht fest. Er ist jedenfalls einer der prominentesten freiheitlichen Burschenschafter, der heute anwesend sein wird. Doch auch bei den weniger feierlichen Gemeinderatssitzungen ist Gudenus unter Seinesgleichen: Fast die Hälfte der Mitglieder der FPÖ-Rathausfraktion sind Mitglied einer Burschenschaft.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sowie Gudenus betätigen sich in der schlagenden Mittelschulverbindung „Vandalia“. Strache hört dabei auf den Couleurnamen „Heinrich“, Gudenus auf „Wotan“.

„Die FPÖ ist somit fest in den Händen der Burschenschafter“, resümiert Andreas Peham, Rechtsextremismusforscher beim DÖW.

Auch Andreas Mölzer, FPÖ-Abgeordneter zum Europäischen Parlament,  ist Mitglied im Corps Vandalia.

Ex-Minister Herbert Haupt ist Mitglied in der Akademischen Landsmannschaft Kärnten zu Wien.

Studentenverbindungen gibt es seit der Gründung der ersten Universitäten in Europa im 12. Jahrhundert, "Burschenschaften" seit Beginn des 19. Jahrhunderts.

Im Jahr der bürgerlichen Revolution 1848 waren sie treibende Kraft. Nicht alle Verbindungen sind zwar zwangsläufig deutsch-national ausgerichtet, das doch recht häufige Bekenntnis zur "deutschen Nation" ist es aber, das ihnen den Vorwurf des rechtsextremen bis hin zum nationalsozialistischen Gedankengut einbringt.

Von Verbindungsseite betont man wiederum, dass derartige Organisationen etwa in Zeiten des Nationalsozialismus verboten waren. Für negative Schlagzeilen sorgten auch bekannte rechtsextreme Redner bei Veranstaltungen mancher Verbindungen.

Neben der Nähe der Burschenschafter zum Antisemitismus und Rechtsextremismus, der die Diskussion im Vorfeld des WKR-Balls geprägt hat,...

...sticht bei den schlagenden Verbindungen auch der offen zur Schau gestellte Deutschnationalismus ins Auge. „Es lebe die alte deutsche Treue“, erklingt bei Burschenschafter-Feiern ebenso wie das „Deutschlandlied“.

Von Anzeigen und Hacker-Attacken

Die FPÖ plant eine Anzeige gegen gewisse Gegner des Balls des Wiener Korporationsringes. Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf sieht in Aufrufen zur Gegendemonstrationen den Tatbestand der Verhetzung erfüllt. Er und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache verteidigten abermals die Veranstaltung, weder Rechtsextreme noch Antisemiten werde man dort antreffen. Gefahr gehe stattdessen von manchen Gegnern aus.

Eine Anzeige - unter anderem gegen den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Ariel Muzicant - werde derzeit geprüft, so Graf.  "Gegner würden zu Gewalt gegen die Besucher des WKR-Balls aufrufen. "Wir werden jede einzelne Behauptung prüfen lassen und werden niemanden verschonen", so der Dritte Nationalratspräsident. Die Israelitische Kultusgemeinde sieht den Klagsdrohungen "mit Gelassenheit entgegen". Man sei davon überzeugt, dass ein solches Unterfangen nur mit einer blamablen Niederlage für den freiheitlichen Politiker enden könne.

Unterdessen startete am Freitagnachmittag bereits die erste Protestaktion gegen den WKR-Ball. Doch die Aktion fand nicht auf der Straße, sondern im Internet statt. Das Hacker-Kollektiv AnonAustria legte die Webseite des WKR lahm und ersetzte die Startseite mit dem Bild einer sowjetischen Fahne sowie dem für Anonymous typischen Pony "Rainbow Dash".

Am Freitagabend marschieren die Burschenschafter wieder in der Hofburg auf.

Der Anlass: Der Ball des Wiener Korporationsrings.

Ob Wiens FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus auch das Tanzbein schwingen wird, steht noch nicht fest. Er ist jedenfalls einer der prominentesten freiheitlichen Burschenschafter, der heute anwesend sein wird. Doch auch bei den weniger feierlichen Gemeinderatssitzungen ist Gudenus unter Seinesgleichen: Fast die Hälfte der Mitglieder der FPÖ-Rathausfraktion sind Mitglied einer Burschenschaft.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sowie Gudenus betätigen sich in der schlagenden Mittelschulverbindung „Vandalia“. Strache hört dabei auf den Couleurnamen „Heinrich“, Gudenus auf „Wotan“.

„Die FPÖ ist somit fest in den Händen der Burschenschafter“, resümiert Andreas Peham, Rechtsextremismusforscher beim DÖW.

Auch Andreas Mölzer, FPÖ-Abgeordneter zum Europäischen Parlament,  ist Mitglied im Corps Vandalia.

Ex-Minister Herbert Haupt ist Mitglied in der Akademischen Landsmannschaft Kärnten zu Wien.

Studentenverbindungen gibt es seit der Gründung der ersten Universitäten in Europa im 12. Jahrhundert, "Burschenschaften" seit Beginn des 19. Jahrhunderts.

Im Jahr der bürgerlichen Revolution 1848 waren sie treibende Kraft. Nicht alle Verbindungen sind zwar zwangsläufig deutsch-national ausgerichtet, das doch recht häufige Bekenntnis zur "deutschen Nation" ist es aber, das ihnen den Vorwurf des rechtsextremen bis hin zum nationalsozialistischen Gedankengut einbringt.

Von Verbindungsseite betont man wiederum, dass derartige Organisationen etwa in Zeiten des Nationalsozialismus verboten waren. Für negative Schlagzeilen sorgten auch bekannte rechtsextreme Redner bei Veranstaltungen mancher Verbindungen.

Neben der Nähe der Burschenschafter zum Antisemitismus und Rechtsextremismus, der die Diskussion im Vorfeld des WKR-Balls geprägt hat,...

...sticht bei den schlagenden Verbindungen auch der offen zur Schau gestellte Deutschnationalismus ins Auge. „Es lebe die alte deutsche Treue“, erklingt bei Burschenschafter-Feiern ebenso wie das „Deutschlandlied“.

Video: Johann Gudenus über WKR-Ball

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Strache wiederum sieht im Uniform-Verbot für Bundesheerangehörige durch Verteidigungsminister Norbert Darabos eine "rechtswidrige Weisung", die man ebenfalls prüfen lassen werde. Der FPÖ-Chef verteidigte die Veranstaltung der Burschenschafter erneut. Der Ball sei ein "Akademikerball und kein parteipolitischer Ball". Den "linksextremen Gegnern" gehe es nicht um Freiheit und Demokratie, sondern darum, den Freiheitlichen zu schaden. Der FPÖ-Chef befürchtet gewalttätige Ausschreitungen durch Hunderte "Demotouristen" aus Deutschland, die die "Herrschaft der Straße" anstreben würden.

Vorwürfe, der Termin des Balls am Holocaust-Gedenktag sei ein bewusster Affront, lässt Strache nicht gelten. Mit Antisemitismus habe man nichts zu tun, diesen lehne man vehement ab. Graf wiederum meinte, der Tag würde von den Gegnern als Vehikel für ihre Demonstration gegen den Ball missbraucht. Den Gedenktag findet er ebenfalls wichtig: "Man hätte uns auch ins Boot holen können - wenn man es auch gewollt hätte."


Letztes Update am 29.01.2012, 10:00


Artikel vom 27.01.2012 13:53 | apa, red | dk, stb, lm, js | « zurück zu Nachrichten


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