Graz: Boa lag hinterm Küchenkasten
Die Würgeschlange ist wieder da und braucht ein neues Zuhause. Ihr Besitzer will die österreichweit bekannte Schlange nicht mehr.
Aufgetaucht: Experte Werner Stangl lag richtig mit der Idee, die Wohnung noch einmal zu durchsuchen.
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Das gibt's doch nicht, haben wir uns gedacht. Also haben wir die Wohnung noch einmal ganz genau durchgeschaut", schildert Klaus Löschnig. Und siehe da: Hinter einem Küchenkasten hat sie sich verkrochen, die Ausreißerin. "Da ist sie ganz aufgerollt gelegen." Zehn Zentimeter schmal ist der Schlitz nur, in dem man fündig wurde. Amanda, Österreichs mittlerweile wohl bekannteste Boa Constrictor, ist also wieder da. Nicht in einem Keller, nicht am Dachboden, nicht in Holzhaufen oder schon gar nicht in einem nahen Hühnerstall hat sich das 20 Kilogramm schwere Reptil versteckt. Sondern in der Grazer Wohnung, aus der man sie eigentlich als ausgebüxt gemeldet hatte.
Experte Werner Stangl lag richtig mit seiner Vermutung: Amanda könne nicht weit sein. Von ihm kam der Tipp, doch noch einmal die Wohnung zu durchstöbern. Polizisten und Polizeischüler haben wegen ihr die Nachbarschaft durchkämmt. Sogar eine Wärmebildkamera wurde eingesetzt, obwohl die Schlange als wechselwarmes Wesen dadurch wohl kaum zu finden gewesen wäre.
Tagelange Suche
Die Nachbarn in der Siedlung in Graz-Liebenau können also wieder aufatmen, die aufgehängten Warnungen vor der Würgeschlange wieder entfernt werden. Seit Sonntag wurde fieberhaft nach Amanda gesucht: Die drei Meter lange Schlange ist so kräftig, dass sie eventuell kleinen Kindern gefährlich werden könnte, wurde gemutmaßt. Deshalb durften die Kinder eines in der Siedlung ansässigen Kindergartens nicht im Garten spielen. Dabei lag Amanda rund vier Tage lang still hinter einem Kasten, nur ein paar Meter von ihrem kaputten Terrarium entfernt. Da barst nämlich eine Glasscheibe, als Amanda die Hand Klaus Löschnigs mit dem Hasen verwechselte, den er ihr zu fressen geben wollte und ihn biss statt des Futtertieres. Darauf verließ der Grazer die Wohnung; als er wieder heimkam, war das Terrarium zerbrochen und Amanda verschwunden. Weil ein Fenster einen Spalt geöffnet war, nahm Löschnig an, dass die Würgeschlange ins Freie geraten sei und alarmierte die Polizei.
Wirbel
Er ist jedenfalls froh, dass der Wirbel um Amanda vorbei und die Schlange wohlbehalten aufgetaucht ist. Allerdings will er sein Haustier, das innerhalb von zehn Jahren von kurzen 40 Zentimetern auf satte drei Meter Länge zugelegt hat, nicht länger um sich haben. "Ich werde sie weggeben", sagt der Grazer. "Das ist jetzt für alle das Beste, auch wegen der Nachbarn. Es wird sich sicher jemand finden, der Amanda nimmt."
Vollkommen ausgestanden ist der Trubel für den Grazer allerdings noch nicht. Amanda, als Boa Constrictor ein meldepflichtiger Mitbewohner, war nicht bei der Behörde angezeigt. Deshalb droht ihrem Noch-Besitzer ein Verwaltungsstrafverfahren, eventuell auch wegen des laut Polizei zu kleinen Terrariums.
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