Donnerstag, 2. September 2010

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Kosovo: Was soll ich dort tun?

Arigona Zogajs unsichere Zukunft im Kosovo Zum Hauptartikel

Was Familie Zogaj im Kosovo erwartet. Ihre Chancen, auf legalem Weg nach Österreich zurückzukehren, sind kaum vorhanden.

Arigona 2007 Arigona Zogaj wird in den nächsten Wochen Österreich verlassen. DruckenSendenLeserbrief
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Dass Arigona Zogaj nicht in Österreich bleiben kann, ist fix. Aber was für eine Zukunft erwartet sie? Fragen und Antworten.

Gibt es für Arigona und ihre Familie Chancen auf einen legalen Aufenthalt in Österreich?

Voraussetzung wäre die freiwillige Ausreise in den Kosovo. Dann könnten Anträge auf Schüler-Visa gestellt werden, wobei nachzuweisen wäre, dass die Mittel für Unterkunft, Versicherung und tägliches Leben vorhanden sind. Die Mutter hätte die Möglichkeit - temporär - mit einem Touristenvisum ins Land zu kommen. Im Jahr 2011, spätestens 2012, dürfte zudem die Visumpflicht für Kosovaren für die Einreise in den Schengen-Raum fallen. Dann könnte Arigona als Touristin zurückkehren, nicht aber in Österreich arbeiten.

Was erwartet die Zogajs nach einer Rückkehr in den Kosovo?
In ihrem Heimatdorf Kaliqan, einer der ärmsten Regionen im ohnehin strukturschwachen Kosovo, scheint ein Neubeginn schwierig. Das Haus der Zogajs ist seit dem Krieg eine Ruine, im Dorf gibt es keine Arbeit, keine Schule, keine wirtschaftliche Zukunft. Als reich gilt, wer einen Esel besitzt. Besser stehen die Chancen in den größeren Städten, wo Infrastruktur vorhanden ist. Doch auch hier sind Jobs Mangelware, insbesondere unter den Jugendlichen: Drei Viertel sind arbeitslos.

Besteht im Kosovo Gefahr für die Rückkehrer?
Die politische Lage im jüngsten Staat Europas ist seit einigen Jahren stabil, auch die Spannungen zwischen albanischer Mehrheits- und serbischer Minderheitsbevölkerung haben nachgelassen, gelten aber bei Weitem noch nicht als gelöst. Weitaus schlechter ist die Lage der Roma (zu denen die Zogajs nicht zählen, Anm.) , die zu 95 Prozent arbeitslos sind und teilweise mit Verfolgung zu leben haben.

Wer wird den Zogajs beim Start helfen?
Sozialhilfe gibt es, aber mit 45 Euro pro Monat lässt sich auch im Kosovo nur einige Tage durchkommen. Überlebenswichtig sind in einem Land, wo die staatlichen Strukturen so schwach sind, Familie und Freunde. Fast alle Familien im Kosovo haben Verwandte im Ausland, die Geld nach Hause schicken - die Zogajs haben dies nicht. Pfarrer Friedl will in die eigene Tasche greifen und Spenden sammeln.

Wie viele Kosovaren dürfen in Österreich bleiben?

Nach Russen und Afghanen sind die Kosovaren die drittgrößte Gruppe an Asylsuchenden. Doch die Chance auf einem Platz in Österreich ist äußerst gering, gerade einmal drei
Prozent der Ansuchen von Kosovaren wurden heuer positiv abgeschlossen, in absoluten Zahlen sind das lediglich zehn Fälle. Insgesamt sind im Vorjahr 4069 Flüchtlinge freiwillig zurückgekehrt, 2481 wurden abgeschoben.

Wie oft wird humanitäres Bleiberecht gewährt?
Seit April 2009 kann ein humanitäres Bleiberecht leichter beantragt werden. 1300-mal wurde das im Vorjahr vom Innenministerium auch gewährt, allerdings nicht für die Zogajs. Sie hatten bereits 2005 - nach dem alten Gesetz und vergeblich - um Aufenthalt angesucht.

Welche Bildungschancen hätte Arigona im Kosovo?

Die 18-Jährige besucht in Linz die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HBLW). Ähnliche Schultypen gibt es im Kosovo nur in größeren Städten. Jobs für Absolventen sind rar. Dazu kommt, dass Arigona inzwischen Schwierigkeiten hätte, dem Unterricht in albanischer Sprache zu folgen.

Kann die Krankheit der Mutter behandelt werden?

Teilweise. In den Städten gibt es Spitäler, Fachärzte und Apotheken. Im ländlichen Raum sind nur praktische Ärzte vorhanden, die viel improvisieren müssen.


Video: Was Arigona Zogaj im Kosovo erwartet



Artikel vom 17.06.2010 10:55 | KURIER | Ullrich Kapl, Dominik Schreiber, I. Steiner-Gashi


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