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Donnerstag, 11. März 2010

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China/USA: Ton wird rauer

Die zwei Super-Mächte rittern um Einfluss - und darum, wer seine eigenen Ziele besser durchsetzen kann.

Obama Barack Obama auf der Großen Mauer: China wird für den US-Präsidenten zur großen Herausforderung. DruckenSendenLeserbrief
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Nachdem es Peking monatelang die Hand ausgestreckt hat, begreift das Obama-Team, dass Peking nicht die Absicht hat, Händchen zu halten." Diese paar-therapeutische Analyse von Elizabeth Economy, Asien-Expertin einer amerikanischen Denkfabrik, trifft einen Grund für die derzeit spannungsgeladenen Beziehungen zwischen den beiden Super-Staaten recht genau. Chinas kommunistische Führung will es wissen: Die schon bald zweitstärkste Volkswirtschaft der Welt, die die Krise bisher gut gemeistert hat, gibt sich selbstsicher und im Tonfall zunehmend rauer.

Nach der freundlichen Gesten, Besuchen und der Beteuerung, künftig stärker gemeinsam nach Lösungen für die großen Probleme zu suchen, schlägt jetzt wieder offen die Realität zu Buche: Die beiden Länder verfolgen bei allen wirtschaftlichen Verflechtungen, die es gibt, unterschiedliche Interessen. Und sie pflegen ihre eigenen Werte und Ideologien. Das heizt die latente Rivalität an.

Die bisher eher vorsichtigen Töne von US-Präsident Barack Obama nach dem Motto: "Nichts geht mehr ohne China" wurden von China oft nur schweigend registriert. Oder mit Pragmatismus quittiert. Eine Art und Weise, mit der man im Reich der Mitte gewöhnt ist, Probleme, wenn nicht zu lösen, so doch im Zaum zu halten.

Klimaschutz China, der mittlerweile größte Schadstoffproduzent, fordert modernen Technologietransfer. Vorzugsweise soll dieser gratis sein. Weil die Wirtschaft in Zukunft noch weit stärker als die im Westen wachsen wird, könne der -Ausstoß nicht drastisch verringert, sondern nur das Wachstum abgeschwächt werden.

Währung Der Appell Obamas an China, dem größten Gläubiger der Vereinigten Staaten, man möge den künstlich niedrig gehaltenen Yuan aufwerten, stößt auf taube Ohren. Denn die billige Währung kurbelt Chinas Export weiter an.

Handel China braucht ausländische Investoren sowie den amerikanischen und den europäischen Markt für seine Billig-Produkte und damit für Arbeitsplätze. Jobs sind es aber auch, die - nicht nur - in den USA jetzt bitter fehlen. Peking wirft Amerika Protektionismus vor, setzt aber seinerseits auf Strafzölle. Jüngstes Beispiel: Ab Ende der Woche müssen Importeure für die Einfuhr von Hühnerfleisch aus den USA 105 Prozent Zuschlag auf den Verkaufspreis zahlen. Ausgestanden ist diese Diskussion noch lange nicht. Sie passt zu den harscher werdenden Verbal-Gefechten der vergangenen Wochen.

Taiwan Die Eskalationsstufe Rot wurde vor gut einer Woche erreicht, als die USA einen schon länger geplanten Waffen-Deal mit Taiwan in Höhe von sechs Milliarden Dollar ankündigten. Peking setzte daraufhin die militärische Zusammenarbeit mit den USA aus und kündigte Sanktionen gegen US-Firmen an, die mit dem Rüstungsgeschäft zu tun hätten.

Dalai Lama Richtig wütend wurde das Regime, als Obama trotz Drohgebärden aus dem Fernen Osten dabei blieb, den Dalai Lama im Weißen Haus empfangen zu wollen. Das religiöse Oberhaupt der Tibeter wird ab 16. Februar für zehn Tage Richtung USA aufbrechen. In China ist er die persona non grata schlechthin und gilt als "Separatist", der die Loslösung Tibets betreibt. Ihn zu hofieren oder etwa an Taiwan Waffen zu liefern, trifft das Kern-Interesse Pekings nach Erhalt von Einheit und Stabilität. Frankreich brauchte ein Jahr, um sein Verhältnis mit Peking zu normalisieren, das wegen des geplanten Empfangs des Dalai Lama angeschlagen war.

Von der Vorherrschaft eines starken Paares ("Chimerica"), wie sie manche erwarten, sind die USA und China noch meilenweit entfernt.


Partner und Rivalen

Wirtschaft An Peking führt kein Weg vorbei - auch und besonders nicht für Washington: Das flächenmäßig nahezu gleich große, bevölkerungsmäßig aber vier Mal so starke China ist der größte Gläubiger der USA. Diese stehen bei der kommunistischen Supermacht mit 800 Mrd. Dollar in der Kreide.

Militär Auch militärisch holt China auf: Die Rüstungsausgaben lagen mit 85 Mrd. Dollar 2008 zwar noch unter denen der USA (607 Mrd.), dafür verfügt Peking über mehr Soldaten.

Artikel vom 07.02.2010 19:08 | KURIER | Romana Klär


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