Burning Gears 2010
Burning Gears 2010
Burning Gears 2010

Mittwoch, 17. März 2010

» Registrieren / Anmelden

Uni-Platznot: Deutschland will Österreich unterstützen

Deutschlands Bildungsministerin Schavan zeigt erstmals Verständnis für Österreichs Nöte mit dem Ansturm deutscher Studenten.

Uni Die Hörsäle platzen aus allen Nähten. DruckenSendenLeserbrief
kommentieren Bookmark and Share
Ursache der massiven Studenten-Proteste im Herbst waren die schlechten Studienbedingungen - nicht zuletzt auch wegen des Ansturms aus Deutschland. Als erste Notmaßnahme wurden in besonders überlaufenen Fächern wie Medizin und Zahnmedizin die Studienplätze für EU-Bürger auf maximal 20 Prozent beschränkt. Außenminister Spindelegger will diese - nach EU-Recht nur bis 2012 erlaubte - Ausnahme zur Regel machen und eine EU-weit gültige Quotenregelung für Österreichs Unis durchsetzen. Er hat aber bisher dafür kaum Zuspruch in der EU bekommen. Das ändert sich nun. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), enge Vertraute von Bundeskanzlerin Merkel, signalisiert im KURIER-Interview erstmals Unterstützung.

KURIER: Mehr als 60.000 Deutsche studieren in Österreich, in Modefächern sind sie an manchen Unis schon in der Mehrheit. Haben Sie Verständnis für die Nöte der österreichischen Politik damit?
Annette Schavan:
Ja, ich habe Verständnis - und deshalb mit meinen österreichischen Kollegen schon mehrfach darüber beraten. Zum Bologna-Prozess gehört aber immerhin auch die Förderung der Mobilität der Studierenden europaweit. Dennoch: Es ist eine schwierige Situation.

Die Lawine deutscher Studenten ist direkte Folge des Numerus Clausus in Deutschland, der die Schwächeren nach Österreich treibt. Gibt es da einen Handlungsbedarf von Ihrer Seite?

Wir haben in der letzten Legislaturperiode in Deutschland einen Hochschul-Pakt zwischen Bund und Ländern abgeschlossen - mit einem großen Zuwachs an Studienplätzen: Bis 2015 plus 275.000, das sind große Investitionen. Aber klar ist auch: Unsere Studienzulassungen sind spezifischer als in anderen EU-Ländern .

Schavan Schavan signalisiert, Österreich beim Wunsch nach Quoten entgegenzukommen.Auch in Belgien und den Niederlanden hat sich die Zahl deutscher Studenten in kurzer Zeit verdreifacht. Eine EU-Vergleichsstudie sagt, deutsche Universitäten sind so ineffektiv wie die in Osteuropa. Liegt es daran?
Dieses Urteil teile ich überhaupt nicht. Unsere Hochschulen sind weltweit anerkannt und sehr konsequent dabei, die neue Studienstruktur einzuführen, das bedeutet mehr Orientierung, mehr Wirksamkeit im Studium und in der Beziehung zu künftigen Berufsfeldern. Hier hat sich enorm viel getan, nicht zuletzt durch unsere "Exzellenz-Initiative".

Warum mutet Deutschland seinen Unis nicht die Probleme zu, die es Österreich schafft? Vollere Hörsäle gäbe es an der FU Berlin ohne Numerus Clausus auch nicht als jetzt an der Uni Salzburg.

Der Numerus Clausus ist nur ein Weg zur individuellen Auswahl der Studienberechtigten. Zur Qualität des Systems einer modernen Hochschule gehört auch, dass sie Studierende selbstständig auswählen kann, also deren Qualität sich nicht nur an der Abitur-Note festmacht. Damit werden auch späte Studienwechsel und -abbrüche vermindert. Kein Land ist gezwungen, auf diese Steuerung zu verzichten.

Das heißt, Sie legen Österreich nahe, ebenfalls schärfere Kriterien einzuführen?
Ich kann und möchte Österreich keine Ratschläge geben. Wir versuchen aber, auf EU-Ebene klar zu machen, dass ein Land ganz ohne Zugangsbeschränkung diese nicht nur für ein einziges anderes der EU einführen kann. Deutschland hat aber immer akzeptiert, dass es Situationen geben kann, in denen man sagt, unsere Hochschulen sind damit überlastet.

Wird Deutschland also Österreich unterstützen, die Übergangsregelung mit dem Kontingent von 20 Prozent für EU-Studenten auf Dauer rechtlich zu fixieren, auch gegen Widerstände in der EU?

Deutschland wird Österreich bei diesem Bemühen in der EU unterstützen.


Artikel vom 04.02.2010 16:40 | KURIER | Reinhard Frauscher/BERLIN


kommentieren

Kommentare werden geladen...