Wie viel Kohlendioxid schluckt der Wald?
Die EU-Umweltminister suchten vor Beginn des Kopenhagen-Gipfels eine einheitliche Position gegenüber anderen Staaten.
Streitfall Wald: Wälder können als Speicher von Treibhausgasen wie angerechnet werden. Österreich befürchtet, dass seine intensive Waldnutzung negative Auswirkungen auf die Emissionen haben könnte und will die Verhandlungsziele aufweichen.
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Zwei Wochen vor Beginn der UN-Klimaverhandlungen in Kopenhagen versucht die EU positive Stimmung zu verbreiten. Es werde einen Klimavertrag geben, der für alle Staaten Emissionsreduktionen vorschreibe, "den auch alle Länder unterstützen können", sagte der Vorsitzende des EU-Umweltrates, Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren.
Bei der Sitzung der EU-Umweltminister am Montag in Brüssel ging es zum letzten Mal vor dem Weltgipfel in Kopenhagen um die Verhandlungsposition der EU. Wie sich zeige, ist derzeit "alles offen", kritisiert der Umweltökonom Stefan Schleicher.
EU-USA
Die EU will den Kohlenstoff-Ausstoß bis 2020 zumindest um 20 Prozent reduzieren, dieses Ziel sogar bis minus 30 Prozent erhöhen, sofern andere Staaten, vor allem die USA, zu ähnlichen Zielen bereit sind. US-Präsident Obama dürfte eine CO2-Reduktion von minus 17 Prozent anbieten, heißt es aus Washington. Ob er dafür auch die Zustimmung des Senats bekommt, wird bezweifelt.
Gestritten wird, von welchem Basisjahr aus reduziert werden soll. Die USA wollen 2005, die EU beharrt auf 1990. Hintergrund: Mit Basisjahr 1990 hätten fast alle osteuropäischen Länder die Klimaziele für 2020 bereits erreicht, weil nach 1990 die CO2-intensiven Industrien des ehemaligen Ostblocks zusammengebrochen sind. Diese Staaten hätten damit CO2-Gutschriften von mehr als 2000 Millionen Tonnen, die sie an westliche Industrieländer verkaufen könnten.
Auch Russland (rund 900 Millionen Tonnen CO2-Gutschriften) ist deshalb auf der Seite der EU. Die USA hätten das Nachsehen.
Klimaschutz-Fonds
Die Industriestaaten haben sich verpflichtet, in einen Fonds einzuzahlen, damit sich weniger entwickelte Länder wie China CO2-freundliche Technologien leisten können. Für die EU wären das ab 2013 jährliche Zahlungen von zwei bis 15 Milliarden Euro, sagt die EU-Kommission. Doch wer innerhalb der EU wie viel einzahlt, ist ebenso offen wie die Höhe der Beiträge anderer Industriestaaten.
Verbindlichkeit
Ob es beim Klimagipfel in Kopenhagen zur Ratifizierung verbindlicher Ziele kommen wird, wird in Verhandlerkreisen stark bezweifelt. Ungeklärt bleibt zudem, wie die UNO all diese Ziele überprüfen soll.
Österreich, aber auch Schweden und Finnland, wollen sich nach Ansicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace den eigenen Wald als CO2-Speicher deutlich besser anrechnen lassen, als das sinnvoll wäre. "Damit unterlaufen wir eine sinnvolle Verhandlungsposition etwa gegenüber Russland, das damit überhaupt keine Emissionen mehr einsparen müsste", warnt Klima-Experte Bernhard Obermayr von Greenpeace.
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