Studentenproteste im Burgtheater
Blaha: "Wir liegen hinter der Türkei" Zum Hauptartikel
Interview mit Barbara Blaha: Die Ex-ÖH-Chefin und SPÖ-Dissidentin über das Uni-Chaos, Studiengebühren und rote Wahlverluste.
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Sie war Hochschülerschafts-Vorsitzende und sorgte 2007 mit ihrem SPÖ-Austritt wegen der Studiengebühren für Aufsehen. Der KURIER fragte Barbara Blaha, die dieser Tage ihr Studium abschließen wird, wie sie das Uni-Chaos sieht, was sie von Zugangsbeschränkungen hält und wen sie zuletzt gewählt hat.
KURIER: Frau Blaha, an den Unis wird wegen der teils unzumutbaren Studienbedingungen protestiert. Wie würden Sie die Probleme lösen?
Barbara Blaha: Wäre ich Wissenschaftsministerin, hätte ich bei den Budgetverhandlungen dafür gesorgt, dass ich ausreichend Budget für Wissenschaft und Forschung herausschlage. Minister Hahn hat ja jetzt auch eine Finanznotspritze in der Höhe von 34 Millionen Euro angekündigt. Die Unis brauchen das Geld ganz dringend, wobei klar ist, dass 34 Millionen nicht ausreichen.
Experten meinen, mehr Geld allein reicht nicht aus. Würden Zugangsbeschränkungen, etwa in Massenfächern, nicht Sinn machen?
Zugangsbeschränkungen senken die Studierendenzahlen. Wir liegen hier jetzt schon hinter der Türkei. Das ist für das viertreichste Land der EU ein Armutszeugnis. Es gibt ja das Bekenntnis von allen im Wissenschaftsbetrieb, dass es mehr Studierende braucht. Zu den Massenfächern ein Beispiel: Natürlich gehen nicht alle Politikwissenschaftler in die Politik oder werden Politologen, aber sie haben eine sozialwissenschaftliche Ausbildung, die in vielen Berufsfeldern einsetzbar ist. Das zeigen die Arbeitslosenzahlen, die bei Geistes- und Sozialwissenschaftlern gering sind.
Wir haben hohe Drop-out-Raten. Wäre es nicht sinnvoll, Studenten binnen eines Jahres einen Überblick zu geben und dann zu entscheiden, ob sie weiterstudieren können?
Grundsätzlich stehe ich einer Studieneingangsphase positiv gegenüber, aber an deren Ende darf nicht eine Knock-out-Prüfung stehen. Bei der jetzigen Mangelausstattung würde jede Uni die Studieneingangsphase nur dazu verwenden, die Studentenzahlen zu senken.
Die Wissenschaftlerin Renée Schroeder sagt: "Was nichts kostet, ist nichts wert." Sie ist für Studiengebühren, wenn sie durch Stipendien abgefedert sind. Dem können Sie nichts abgewinnen?
Ich habe studiert, als es Studiengebühren gab. Den tollen Qualitätssprung habe ich nicht bemerkt. Die Gebühren können ohnedies nie die Kosten eines Studiums decken, auch wenn sie noch so hoch sind. Außerdem werden Studiengebühren durch die Hintertür, etwa durch Stipendien, letztlich wieder öffentlich finanziert. Da bleibt dann nur der symbolische Charakter über.
Sie studieren Germanistik, ein Fach, das nicht die besten Berufsaussichten bietet. Würden Sie sich heute wieder dafür entscheiden?
Ja, weil meine Leidenschaft den Büchern gilt. Aber, wenn ich noch einmal 18 wäre, würde ich vielleicht noch ein zweites Fach dazunehmen. Da ich weiß, wie wichtig es ist, Gesetzestexte lesen und verstehen zu können, würde ich eventuell auch noch Jus studieren.
Sie sind 2007 wegen der Nicht-Abschaffung der Studiengebühren aus der SPÖ ausgetreten. War die Abschaffung 2008 kein Grund für einen Wieder-Eintritt?
Nein, weil die Nicht-Abschaffung nur das i-Tüpfelchen war. Tatsächlich war im Regierungsprogramm keine sozialdemokratische Handschrift drinnen. Und wenn ich mir die Regierung Faymann anschaue, gibt es wenig, das mich motivieren könnte wieder einzutreten.
Die SPÖ verlor zuletzt eine Wahl um die andere. Warum?
Die SPÖ hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, etwa durch den Bruch diverser Wahlversprechen unter Gusenbauer. Und Gusenbauer und Faymann haben leider gezeigt, dass man als Sozialdemokrat Bundeskanzler sein kann, und trotzdem passiert keine sozialdemokratische Politik.
Was ist sozialdemokratische Politik für Sie?
Nehmen wir die Uni-Diskussion: Tausende Studierende gehen auf die Straße und kämpfen für sozialdemokratische Programmatik wie freien Hochschulzugang. Dann stellt sich der SPÖ-Kanzler hin und sagt: Zugangsbeschränkungen, gute Idee, machen wir das doch.
Wen wählen Sie derzeit?
Bei der Nationalratswahl habe ich ungültig gewählt. Bei der EU-Wahl habe ich sogar SPÖ gewählt, weil Josef Weidenholzer kandidiert hat, den ich sehr schätze.
Haben Sie jemals mit einer anderen Partei geliebäugelt?
Ich bin Sozialdemokratin und habe daher weder in der derzeitigen SPÖ noch in einer anderen Partei was verloren.




