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Medizin-Uni rät gesamter Bevölkerung zur Impfung

Schweinegrippe: Wie gefährdet sind Kinder? Zum Hauptartikel

Nach dem Tod des Mädchens in Innsbruck sorgen sich Eltern um ihre Kinder. Jugendliche stecken sich leichter an als Erwachsene.

Kinder am Spielplatz Kinder stecken sich leichter mit dem neuen H1N1-Virus an und haben häufiger schwere Erkrankungen. DruckenSendenLeserbrief
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Wie gefährdet sind Kinder durch die Neue Grippe? Diese Frage bewegt Eltern nach dem tragischen Tod des elfjährigen Mädchens aus Südtirol in Innsbruck.

Sind Kinder durch die Neue Grippe gefährdeter als Erwachsene?
"Kinder und Jugendliche stecken sich leichter mit dem H1N1-Virus an, bei ihnen kommt es auch häufiger zu schweren Krankheitsverläufen", sagt Prim. Wilhelm Kaulfersch, Vizepräsident der Österr. Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde. Mehr als 50 Prozent der Neuerkrankungen an H1N1 betreffen unter 18-Jährige. Eine mögliche Erklärung: Ältere Personen hatten im Laufe ihres Lebens bereits Kontakt mit ähnlichen H1N1-Viren und haben dadurch zumindest einen teilweisen Immunschutz. Insgesamt sind schwere Atemwegsinfekte, die im Spital behandelt werden müssen, aber relativ selten - demgegenüber ist die Zahl der Neuerkrankungen ein Vielfaches höher, allein in Deutschland sind es derzeit bereits mehr als 3000 neue Fälle pro Woche.

Sind zuvor gesunde Kinder genauso gefährdet wie chronisch kranke?
"Nein. Fünf von sechs Kindern, die in den USA an der Schweinegrippe sterben (insgesamt bisher 145, Anm.) , hatten chronische Krankheiten", sagt Kinderarzt Prim. Karl Zwiauer. Andererseits waren 40 Prozent aller Patienten mit Lungenerkrankungen (alle Altersgruppen) nach einer H1N1-Infektion zuvor völlig gesund.

Derzeit zählen nur chronisch kranke Kinder zu den Risikogruppen, die als Erste geimpft werden sollen. Wird das geändert?
"Nein, die Risikoeinschätzung beruht auf internationalen Daten", sagt Sigrid Rosenberger vom Gesundheitsministerium. "Es handelt sich um einen sehr bedauerlichen Einzelfall, mit dem zu rechnen war" - "An der Risikobewertung ändert sich nichts", sagt auch Zwiauer.

Sind die Nebenwirkungen der Impfung bei Kindern häufiger oder schwerer als bei Erwachsenen?
Der Impfstoff Celvapan wurde in einem - wegen der Pandemie beschleunigten - Verfahren nur aufgrund von Daten von 606 Erwachsenen zugelassen. Erst seit zirka fünf Wochen laufen auch klinische Studien mit Kindern (insgesamt sollen es 400 werden). Bisher gibt es keine Hinweise auf andere Nebenwirkungen als bei den Erwachsenen (v. a. Hautrötungen, Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber). Allerdings ist die Zahl der Probanden noch zu gering, um mögliche seltene Nebenwirkungen zu erfassen.

Sollen also Eltern auch gesunde Kinder impfen?
"Schwere Komplikationen durch die Neue Grippe werden auch bei Kindern Einzelfälle bleiben", sagt Kaulfersch. "Dennoch müssen wir uns fragen, ob wir diese freiwillig auf uns nehmen wollen, wo es doch eine Impfung gibt, die von den Behörden als sicher erachtet wird. Aber natürlich steht der Arzt hier vor einem Dilemma."

Viele homöopathische und anthroposophische Kinderärzte sehen hingegen Nutzen und Sicherheit als nicht ausreichend erwiesen. Die Leiterin des Boltzmann-Institutes für Health Technology Assessment, Claudia Wild, meint: "Die Impfwirkung sollte nicht überschätzt werden. Es ist nur eine Verflachung und Verlangsamung der Erkrankungswelle, keinesfalls eine Verhinderung der epidemischen Ausbreitung der in Influenza in Österreich realistisch erwartbar."


Artikel vom 04.11.2009 11:25 | KURIER | J. Gebhard, E. Mauritz, M. Prirsch und I. Teufl


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