Schule: Wer darf wen in die Ecke stellen?
Ein Lehrergewerkschafter fordert strengere Strafen für Schüler. Nun wollen Eltern auch Strafen für Lehrer sehen.
Die Lehrer wünschen sich mehr Möglichkeiten im Umgang mit schwierigen Schülern. Die Eltern schlagen zurück.
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Die Lehrer wollen wieder strafen dürfen. Das fordern die Christgewerkschafter bundesweit. Der oö. Vertreter Walter Wernhart, begründet das so: "Die Hemmschwelle bei Schülern ist dramatisch gesunken, Lehrer müssen Grenzen setzen dürfen!" Auch sein Wiener Kollege Stephan Maresch weiß, dass Lehrer "immer mehr Erziehungsaufgaben zu leisten haben, ohne dass sie die oft nötigen Konsequenzen ziehen dürfen. Es sind oft nur wenige Kinder, die Lehrer und Schüler terrorisieren."
Konkret wollen die Gewerkschafter gesetzliche Regelungen für Sanktionen, etwa die Wiedergutmachung von Sachschäden oder den Ausschluss von gemeinsamen Projekten (mit Ersatzunterricht in anderen Klassen). Außerdem will er eine Verhaltensnote auch in der Abschlussklasse möglich machen. Verpflichtenden Sozialdienst von den Tätern für Mitschüler kann er sich ebenso vorstellen.
Auch viele Lehrer wünschen sich mehr Sanktionsmöglichkeiten. "Er ist nötig zum Schutz der Kinder vor gewalttätigen Mitschülern."
Für alle
Jetzt drehen die Eltern den Spieß um: "Es muss auch Konsequenzen für Lehrer geben, die sich falsch verhalten", meint Ilse Schmid aus der Steiermark. Denn wenn es der Gewerkschaft wirklich um die Interessen der Schule gehe, und nicht nur um die Lehrerschaft, dann müsse es auch für sie entsprechende Konsequenzen geben.
Wernhart sieht darin aber "überhaupt keinen Zusammenhang", denn es gebe ja das Disziplinarrecht, mit dem Fehlverhalten der Lehrer vom Dienstgeber sanktioniert werden kann. "Ich kann als Autofahrer ja auch nicht den Polizisten bestrafen."
Die Bundesschülervertreterin Pia Bauer ist "verwirrt": "Wollen die Lehrer ihre Autorität jetzt mittels Gesetz festlegen?" Aus eigener Erfahrung weiß sie, "dass die Lehrer mit der höchsten Autorität nicht auch den meisten Respekt von Schülern bekommen." Sozialdienst findet sie "okay, aber ich weiß nicht, was es pädagogisch bringt, wenn ich dem Lehrer eine Woche die Hefte ins Klassenzimmer trage."
Susanne Jerusalem von den Wiener Grünen, empfindet es als Rückschritt, die Bestrafung auszubauen. Sie ist für ein finnisches Modell: "Jede Schule sollte ein Problemlösungsteam haben, das Präventionsarbeit leistet. Ohne dieses geht es nicht." Dafür sollen Schulen "schwierige Kids nicht so schnell los werden können."
Recht
Was Lehrer dürfen und was nicht, regelt die Verordnung zur Schulordnung (§8). Lehrer dürfen ihre Schüler zwar nicht vom Unterricht ausschließen, insbesondere dann nicht, wenn diese schulpflichtig sind. Denn dann wäre die Aufsichtspflicht verletzt. Der Lehrer könnte den Schüler aber sehr wohl zum Direktor schicken oder ihn vor die offene Tür setzen. In die Ecke stellen darf er ihn aber nicht. " Alles, was den Schüler demütigt, ist untersagt", weiß Monika Schillhammer, Juristin im Wiener Stadtschulrat.
Der Lehrer kann Schüler zum Nachsitzen verdonnern. Aber nur, "um Versäumtes nachzuholen". Er darf ihn nicht nur dasitzen lassen, ohne ihm eine Aufgabe zu geben. Kollektivstrafen sind in jedem Fall unzulässig.
Spielt er am Handy, darf der Pädagoge dem Schüler das "Spielzeug" wegnehmen. Aber nur bis zum Ende des Schultages. Nicht zurückgeben muss er gefährliche Gegenstände wie eine Pistole.
Die Praxis
Auch Schadenersatz kann die Schule vom Täter verlangen, wenn dieser älter als 14 Jahre ist. Wenn nicht, zahlen die Eltern. "In der Praxis ist das schwierig. Da weigern sich Eltern das zu zahlen", glaubt Wernhart.
Sozialdienst steht nicht im Gesetz. Der Schulgemeinschaftsausschuss, in dem Schüler, Eltern und Lehrer sitzen, kann das in der Hausordnung verankern. So müssen sie Klo putzen, wenn sie es absichtlich verschmutzen.





