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"Es ist kein Wettbewerb der Trauer"

Haider-Todestag: Ein weinender Dörfler, ein neuer Landesfeiertag und eine fliegende Verschwörungstheorie.

Gedenktafel Am Unfallort: 800 bis 1000 Personen waren gekommen, um "ihrem Jörg" zu gedenken. In die Trauer der Menschen mischt sich auch Wut über die Kritik an ihrem verstorbenen Idol. DruckenSendenLeserbrief
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Das Herzog-Quintett II stimmt gerade das Kärntner Lied "In Gedanken bin Ih bei Dir" an, als es Gerhard Dörfler überkommt. Ein Landeshauptmann, der weint, das sieht man auch nicht alle Tage.
Die feierliche Enthüllung eines Bildstocks am ersten Todestag Jörg Haiders hat 800 bis 1000 Personen (laut Polizei) nach Lambichl gelockt. Erwartet hatte man mehr, sagt die Polizei.
"Es ist kein Wettbewerb der Trauer", betont Dörfler. Trotzdem waren 500 Grabkerzen vorbereitet und ein Landesbeamter abgestellt worden, um sie anzuzünden und unter das Volk zu bringen. Der Geruch von brennendem Wachs und angesengtem Plastik hängt in der Luft.
Die Kärntner BZÖ-Spitze ist gekommen, auch eine Delegation der Lega Nord aus Friaul. Wie schon bei der Eröffnung der Haider-Ausstellung am Freitag und der Gedenkmesse des BZÖ Klagenfurt am Sonntagvormittag war kein Vertreter anderer Parteien anwesend. Josef Martinz (VP) und Reinhart Rohr (SP) besuchten lieber den Gedenkgottesdienst des Landes Kärnten Sonntagabend in der Stiftskirche in Ossiach als die BZÖ-Veranstaltung an der Unfallstelle.
"Ein Monument des ewigen Miteinander soll der Bildstock sein", betont Dörfler in seiner Rede, "und ein Warnsignal, dass wir alle zu schnell leben. Das soll jeder deuten, wie er will."

Was die Person Jörg Haider betrifft, lässt Dörfler aber keine Zweifel aufkommen, wer die Deutungshoheit inne hat: "Haider-Experten sind die Menschen in Kärnten und sonst niemand", sagt er in Richtung der internationalen Journalisten und Kritiker im eigenen Land. "Wir Kärntner wissen schon, wer Jörg Haider war. Da können andere schreiben, was sie wollen."

Verschwörung

Unter den Besuchern werden vor allem Verschwörungstheorien diskutiert, zahlreiche Anwesende wollen die Unfallversion einfach nicht glauben. Dörfler bemüht sich zu erklären, dass es sich tatsächlich um einen Verkehrsunfall gehandelt habe. Trotzdem steht an der Unfallstelle weiter ein Schild, das Verschwörungstheorien nährt. Dörfler dazu: "Das ist die Freiheit der Gedanken", sagt er, "wenn jemand hierherkommt, wird er wohl seine Sicht der Dinge loswerden dürfen". Dass unmittelbar nach Ende der Feier ein Flugzeug mit Transparent im Schlepptau "Wahrheit für Jörg Haider" einfordert, hat dann wohl selbst den toleranten Landeschef überrascht.

Die Botschaft aus der Luft kommt bei den Haider-Fans jedenfalls an. Ein Mann mit Haider-Tätowierung auf dem Oberarm meint: "Unfall war das sicher keiner." Wie Haider aber seiner Meinung nach tatsächlich zu Tode gekommen sein soll, will er nicht sagen, das sei ihm "zu gefährlich". Und eine kritische Stimme ist dann doch zu hören: "Kriegt jetzt künftig jeder, der ang'soffen auf der Straße stirbt, ein Denkmal?"


Kein Zufall

Schicksalsergeben gibt sich dann Kärntens BZÖ-Chef Uwe Scheuch in seiner Rede: "Es kann kein Zufall sein, dass wie vor einem Jahr nach einer regnerischen Nacht wieder die Sonne scheint. Und es kann kein Zufall sein, dass er genau in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober von uns gegangen ist. Der Landesfeiertag und Jörg Haider waren eine Einheit."
So soll es auch künftig, laut Scheuch, drei große Feiertage im Lande geben: Den 5. März, den Tag des Landespatrons, den 10. Oktober, den Tag der Volksabstimmung, und den 11. Oktober, Haiders Todestag.

Artikel vom 12.10.2009 15:27 | KURIER | Manuela Prirsch und Hannes Uhl


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