Fastnachts-Feuer: Brandstiftung?
Nach dem tödlichen Brand im deutschen Ludwigshafen prüft die Polizei, ob das Feuer gelegt wurde. Auch die Türkei entsendet Ermittler.
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Steckt hinter dem verheerenden Feuer in einem Wohnhaus in Ludwigshafen möglicherweise Brandstiftung?
Die Polizei geht jetzt diesbezüglichen Hinweisen nach. "Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Fall und verfolgen alle Spuren", sagte ein Sprecher der Polizei. Ein kleines Mädchen will Medienberichten zufolge am Sonntag einen Mann gesehen haben, der an einem Kinderwagen in dem von türkischen Familien bewohnten Haus Feuer gelegt haben soll. Unterdessen schaltete sich auch die Türkei in den Fall ein.
Eine 50-köpfige Sonderkommission arbeitet nach Angaben der Polizei an der Aufklärung der Hintergründe. Nach ersten Vermutungen der Feuerwehr sei das Feuer im hölzernen Treppenhaus des alten Gebäudes ausgebrochen. Auch am Dienstag konnten die Ermittler das Haus zunächst nicht betreten. Von einem Kranwagen aus trugen Rettungskräfte Teile des Gebäudes ab, um weiter ins Innere vordringen zu können.
Gül forderte "sorgfältige Untersuchung"
Der türkische Präsident Abdullah Gül forderte angesichts von Brandanschlägen in der Vergangenheit eine "sorgfältige Untersuchung". Bei dem Feuer in dem viergeschossigen Gebäude waren am Sonntag neun Menschen, darunter fünf Kinder, getötet und 60 Menschen verletzt worden.
Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan bat den deutschen Innenminister Wolfgang Schäuble bei dessen Besuch in Ankara, eine Gruppe türkischer Experten an den Ermittlungen zu beteiligen. Schäuble habe zugesagt, diesen Wunsch an die ermittelnden Stellen weiterzuleiten, teilte das Innenministerium mit. Staatsminister Murat Yazicioglu werde am Abend zusammen mit Fachleuten der Polizei nach Deutschland reisen, sagte Ministerpräsident Erdogan in Ankara. Er selbst will im Rahmen seines geplanten Deutschland-Besuches am Donnerstagabend den Brandort besuchen.
"Kein neues Solingen"
Nach den fremdenfeindlichen Gewalttaten der Vergangenheit stelle sich die Frage, ob das Feuer ein Unfall gewesen sei oder nicht, sagte der türkische Regierungschef. "Wir wollen kein neues Solingen", sagte Erdogan in Anspielung auf den Brandanschlag von 1993, bei dem fünf Türken getötet worden waren.
Die Polizei konnte auch am Dienstag noch nicht 100-prozentig ausschließen, dass sich die Zahl der Toten nicht erhöhen wird. "Zum Glück sind bisher keine weiteren Opfer gefunden worden", sagte Polizeisprecher Michael Lindner. Es werde derzeit niemand mehr vermisst. Beim Ausbruch des Feuers hatten sich zahlreiche Besucher in dem Gebäude befunden, an dem kurz zuvor der Ludwigshafener Fastnachtsumzug vorbeigezogen war.
Wie eine Obduktion der Getöteten ergab, waren acht Menschen an Rauchgasvergiftungen gestorben. Eine Frau war gestorben, als sie aus dem Gebäude in die Tiefe gesprungen war, um sich vor den Flammen zu retten.



