Letztes Update am 05.05.2012, 16:06
Ballroom-Geflüster von Dieter Chmelar
Spätestens seit dem Länderkampf Kärnten-Burgenland, in dem der "brave" Marco Ventre die brillante Eva Maria Marold vom Parkett und damit aus dem Dancing Stars-Rennen schubste, sollten es endlich alle wissen (vom einfachen Zuschauer bis zu dreien von vier Juroren):
"Gerechtigkeit" ist gut, aber aus. Und genau darin liegt zugleich der Reiz des fabelhaft-fiesen Formats, jedenfalls ab einer fortgeschrittenen Phase der Staffel: Egal, wie umwerfend oder aufwühlend man auch getanzt hat; egal, wie viele Punkte einem elitäre Experten zu Füßen legten, man ist dem Daumen des Publikums ausgeliefert. So wie einst Roms Gladiatoren dem Daumen Caesars.
Dort, im Circus Maximus, ging er schicksalhaft nach oben oder nach unten. Hier, im Großen Fernsehtheater des ORF, wird kühl taxiert, wie oft er nach unten ging (auf Abertausenden Handys der Voter nämlich), um jemanden nach oben zu pushen. Ja: Ventre hat eindeutig mehr Daumen in der Hinterhand, besser gesagt: im Hinter-Land, als Marold. Willkommen in der Wirklichkeit!
Dieses Daumen-Kino mag wettbewerbsverzerrend erscheinen, ist aber legitim. Ventre hat zwei "Waffen": Kärntner und Schlagersänger ... Beide dresoluten Randgruppen erheben sich gern gegen den Osten und die Ober-g’scheiten. Das dürfen sie.
Bei Dancing Stars wie bei wirklichen Wahlen.
dieter.chmelar(at)kurier.at
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