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KURIER

Letztes Update am 05.05.2012, 15:36

Prominente Lachnummern. Humor hält gesund – aber nicht jeder lacht, weil er er sich amüsiert. Jährlich wird am ersten Sonntag im Mai der Weltlachtag begangen.

Weltlachtag: Eine Typologie der Erheiterung

Kinder tun es 400-mal, Erwachsene nur 15-mal täglich – wohl auch am heutigen Weltlachtag, der seit 1998 als Friedensstatement gedacht ist.

Charlie Chaplin meinte: "Lachen sorgt dafür, dass die Bösartigkeit des Lebens uns nicht ganz und gar überwältigt." Fakt ist: Lachen fördert die Gesundheit von Körper und Seele. Aber nicht jedes Anzeichen mimischer Erheiterung ist als Amüsement zu werten. Der deutsche Psychologe und Humorforscher Michael Titze weiß, was hinter der Typologie des Lachens steckt.

Schadenfreude

So manch einer findet es extrem lustig, wenn er einen Witz über Burgenländer oder Kärntner hört. Die Freunde des deftigen Humors amüsieren sich, wenn Dieter Bohlen bei "Deutschland sucht den Superstar" der jungen Kandidatin mit der dünnen Stimme sagt, wie "unglaublich scheiße" ihr Gesang sei. Szenen, bei denen das Publikum schadenfroh grölt. Szenen, die genau aus diesem Grund inszeniert werden, weiß Michael Titze. "Je schwächer das eigene Selbstwertgefühl entwickelt ist, desto stärker ist der Wunsch, auf einen Mitmenschen zu schauen, der sich als schwächer, inkompetenter und peinlicher erweist." Den niedrigen Instinkt der Schadenfreude hat die Fernseh- und Unterhaltungsbranche wohl deshalb für sich entdeckt. Bitterböse Satire-Serien wie "Little Britain", bei denen Menschen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes oder ihrer Herkunft vorgeführt werden, haben dieses Spiel perfektioniert. Und auch Harald Schmidt ist sich über die Wirkung seines Humors im Klaren: "Wenn ich die Leute wirklich zum Lachen bringen will, muss ich auf Zoten zurückgreifen!"

Ein uraltes Prinzip, denn schon in der antiken Komödie empfand man das Verhöhnen und Verlachen von Menschen mit Handicap als lustig, so Titze. "Im Grunde ist jeder Humor mehr oder weniger schadenfreudig." Ob man nun über anderer Leute Pleiten und Pannen lachen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. So sieht es zumindest der Psychologe: "Das Gewissen muss ,grünes Licht" geben. Sigmund Freud führte das Lachen auf ,erspartes Mitleid" zurück. Wer also sehr gewissenhaft ist, wird sich das Lachen über andere Menschen grundsätzlich verkneifen."

Lachkrampf

Ob bei Beerdigungen oder Passkontrollen am Grenzübergang – es gibt immer wieder Situationen, in denen einem das innere Gefühl rät, nicht zu lachen. Dass die Verlockung genau dann besonders groß ist, ist bekannt: "Je rigider diese Normen sind, desto aufregender, spannender, lustvoller ist es, sie zu verletzen." Und wenn der Lachkrampf erst einmal einsetzt, gibt es kein Halten mehr – der Körper siegt, so Michael Titze. Der Triumph über den Verstand. "Im echten Lachen wird die lebenslang eingeübte Selbstkontrolle so außer Kraft gesetzt, dass manche Körperfunktionen entgleisen: So können Tränen fließen, und mancher macht sich dabei sogar in die Hose."

Humor hilft zudem, Peinlichkeiten elegant zu überspielen. "Menschen, die in einer unangenehmen Situation unter einer Scham-Attacke leiden, geraten in die Position des unfreiwilligen Clowns. Wer gegen dieses unfreiwillige Komisch-sein nicht mehr ankämpft, sondern es bewusst akzeptiert und nach Möglichkeit sogar lustvoll verstärkt, dem passiert Folgendes: Man wird – wie der Zirkuskomiker – zum freiwilligen Clown. Dadurch entsteht jene Selbstkontrolle, aus der heraus sich die Scham dann besiegen lässt."

Eine andere Möglichkeit, sein Schamgefühl zu bewältigen, bieten unter anderem Lachseminare. Lachyoga ist seit einigen Jahren besonders populär. Dabei handelt es sich um Atem- und Dehnübungen aus dem Hatha-Yoga, kombiniert mit pantomimischen Übungen, die zum Lachen anregen. Die Wienerin Ellen Müller praktiziert das seit mehr als zehn Jahren: "Ich war von der Idee fasziniert, wie man auch ohne Grund lachen kann und dabei die vergleichbar entspannende Wirkung des spontanen Lachens erzielen kann."

Herzhaft

Heiterkeit zu empfinden, wenn einem gar nicht danach ist, scheint eine Herausforderung, die gelernt sein will. Dass manches Profi-Lächeln auf dem roten Teppich nicht echt ist, können Experten leicht ent­larven.

Als lebender Lügendetektor wird US-Psychologe Paul Ekman bezeichnet. Er beschäftigt sich seit den 1960er-Jahren mit emotionalen Gesichtsausdrücken. Basierend auf Untersuchungen der Gesichtsmuskulatur hat er das "Facial Action Coding System" erstellt – es klassifiziert die Mimik des Menschen. Ob freudig, höflich, angespannt oder selbstgefällig – Ekman weiß genau, wann jemand aus Überzeugung lacht: "Bei einem echten Lächeln gehen nicht nur die Mundwinkel nach oben, auch die Ringmuskeln, die das Auge umgeben, sind aktiviert und die Augen wirken kleiner. Wer nur mit dem Mund lächelt, lächelt nicht von Herzen."

Wussten sie, dass...

... während eines echten Lachens bis zu 80 Muskeln aktiv sind. Lachen aktiviert die linke Hirnhälfte – wo die Emotionen sitzen.

... Yoga und Lachen 1998 erstmals vom indischen Arzt Madan Katira kombiniert wurde. Aus seiner Sicht sind zwei Minuten lachen so gesund wie zwanzig Minuten joggen.

... der berühmte rote Kopf entsteht, weil der Puls steigt, die Atmung schneller wird, sich im Brustkorb Druck aufbaut und das Blut im Gehirn staut.

... lachen die Ausschüttung von gesundheitsfördernden Hormonen ankurbelt – sogenannte Beta-Endorphinen, die Depressionen entgegenwirken.

... Humor, dieselben Hirnregionen aktiviert wie Kokain und der Anblick von Geld .

... lachen, bis die Tränen fließen, das Herz schützt. Durch das Prusten und Kichern verbessert sich die Durchblutung der Gefäße.

... auch Tiere lachen können. Eine Studie ergab, dass junge Menschenaffen genauso kitzelig sind wie Kinder. Bei Schimpansen klingt das aber anders. Sie keuchen statt zu kichern .

(kurier) Erstellt am 05.05.2012, 05:00

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