Letztes Update am 05.08.2012, 14:35
Mythos Marilyn Monroe.
Sie war ein Naturereignis, eine Sensation, ein Segen für das Kino:
Vor 50 Jahren starb Marilyn Monroe. Als Legende lebt sie nach wie vor.
Mehr Star ist nicht möglich: Marilyn Monroe traf mit ihrer sinnlichen Präsenz jeden mitten ins Herz – ob Kinogänger, die Kennedys oder die kleinen Männer – und Frauen – auf der Straße. Das Foto von Richard Avedon wurde bei einer Auktion in New York im Jahr 2010 um Hunderttausende Dollars gehandel.
Vamp, Dummchen, Glamour-Queen. Im kollektiven Gedächtnis spielt Norma-Jeane Mortenson viele Rollen. Eine aber gar nicht: Fürstin. Dabei wäre Marilyn Monroe fast zur Landesmutter von Monaco geadelt worden.
Zeitverschwendung, darüber nachzudenken, ob sie so einige glückliche Lebensjahre gewonnen hätte. Rainier III. hatte jedenfalls auch sie auf der Liste, als er auf Brautschau war. Der Fürst entschied anders und der Filmstar, so US-Feministin Gloria Steinem in ihrer 1986 erschienenen Bio „Marilyn: Norma Jeane“, reagierte betont unzickig und gratulierte Kollegin Grace Kelly mit den Worten: „Ich bin so froh, dass du einen Weg aus diesem Business gefunden hast.“
A way out. Einen Ausweg. Ihn zu finden, war für die Monroe am Ende härter, als ihren Fuß ins Tor von Hollywood zu stellen. Den Aufstieg vom Waisenmädchen zum Pin-up-Girl hingegen schaffte die berühmteste Frau des 20. Jahrhunderts fast mühelos.
Nicht, weil sie ein Star werden, sondern weil sie Schauspielerin sein wollte. Unbedingt. Los Angeles, Ende der 1930er-Jahre. Die kleine Norma Jeane zog es wie magisch zum Grauman’s Chinese Theatre, einem bunten wie prächtigen Premierenkino im Stil einer chinesischen Pagode.
Vor dem wuchtigen Portal tanzte sie um die Spuren, die Lichtgestalten wie Mary Pickford, Charles Chaplin und Gloria Swanson im Zement des Walk Of Fame hinterlassen hatten.
„Ich versuchte, mit dem Fuß in ihre Schuhabdrücke zu treten. Meine Füße waren zu groß! Da dachte ich, das war’s dann“, erinnerte sich Marilyn Monroe amüsiert in einem ausführlichen Interview, das sie nur zwei Wochen vor ihrem tragischen Tod dem „Life Magazine“ gegeben hatte. Bis sie ihre eigenen Abdrücke auf dem Hollywood Boulevard hinterlassen durfte, dauerte es wenig mehr als zehn Jahre. Dann stand die falsche Blondine aus der zweiten Reihe mit Jane Russell für „Blondinen bevorzugt“ vor der Kamera. Der Auftakt zum Jahrzehnt der MM, der Anfang vom Ende.
Zu ihrem 20. Todestag schrieb Hellmuth Karasek im Spiegel : „Sie strahlte auf der Leinwand so viel sinnliche Präsenz, so viel Individualität aus, so viel weibliche Unmittelbarkeit, dass sie alle Rollenklischees weit hinter sich ließ – das machte sie damals so irritierend, das macht sie heute unsterblich.“
Noch jetzt, 50 Jahre nach ihrem Verglühen, erweisen Talente wie Madonna, Christine Aguilera oder Lady Gaga ihr im „Marilyn-Look“ Referenz. Noch heute ist keine in Sicht, die ihr ebenbürtig wäre. Mehr noch. Mit zunehmendem Abstand erscheint ihr Name in noch intensiverem Licht.
Marilyn Monroe. Seit mehr als einem halben Jahrhundert gilt diese Kombination als Synonym für das System Hollywood. Ein Hollywood, das sie lange unterschätzte und unterbezahlte.
Jane Russells Gage für „Blondinen bevorzugt“ betrug 200.000 Dollar, Marilyn Monroe wurde mit 1.500 Dollar in der Woche abgespeist. „Immerhin bin ich die Blondine“, haute sie zwar auf den Tisch, aber die Anerkennung ihrer Leistung ließ warten.
Kritiker und das Publikum liebten sie hingegen von Anfang an. In der New York Times war 1953 über das Drama „Niagara“ zu lesen: „20th Century-Fox schert sich offenbar nicht darum, dass es nur sieben Weltwunder gibt, denn es hat zwei weitere entdeckt. Die Produzenten machen von der Pracht der Wasserfälle als auch von der des Namens Marilyn Monroe optimalen Gebrauch.“
Die Filmikone wusste diese Prominenz zu nutzen. Aus Arthur Miller, dem intellektuellen und literarischen Gewissen der USA, machte sie Mr. Monroe.
Und Ella Fitzgerald, der Jazzstar, wäre noch lange durch schummrige Hinterzimmer getingelt, hätte nicht die bekannteste Blondine der Welt durchgesetzt, dass sie in L. A. im Mocambo auftreten konnte – mit ihr in der ersten Reihe.
Eigentlich irre, auf Facebook hat Marilyn Monroe heute mehr als 3,2 Millionen Freunde. Damals, am Morgen des 5. August 1962, hatte sie keinen, der ihr in ihrer Villa am 12305 Fifth Helena Drive in Brentwood, Los Angeles, zu Hilfe kam.
Dafür wussten auf einmal alle, dass sie immer schon gefährdet war. Auch Arthur Miller, ihr dritter Ehemann: „Unter all ihrer Unbekümmertheit und ihren Humor war der Tod immer und überall ihr Begleiter.“ Farewell Marilyn.
(KURIER, Bilder: (2) photopress.at)
Erstellt am 04.08.2012, 17:20